Die Organisation „Relais“- ein Bildungsprojekt in Mali

Mamoutou Soumaré leitet in Bamako, der Hauptstadt Malis, das Bildungszentrum „Relais“ (dt.: Vermittler, Zwischenstation). Hier sollen Kinder, Jugendliche und Erwachsene dabei unterstützt werden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Erreicht werden soll das durch ein Netzwerk an Unterstützung für SchülerInnen und Auszubildende, sowie Fortbildungen für Lehrende.

Situation in Mali

Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt, 50% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. So fehlen auch wichtige Mittel für ein gutes Bildungssystem.

Nach Mammoutou Soumaré sei das Bildungssystem in Mali nicht im Stande, auf die besonderen Bedürfnisse vieler Jugendlicher in Bamako zu reagieren. Viele von ihnen arbeiten im informellen Sektor und seien von der Schule enttäuscht. Wenn sie etwas lernen, erwarten sie, dass ihnen das Wissen auch etwas nütze, sie wollen das Gelernte in ihrem Alltag anwenden können. In den bestehenden Schulen hätten viele aber nicht diese Erfahrung gemacht, woraufhin einige die Schule abbrechen würden, um Geld zu verdienen. Durch den Schulabbruch fehle ihnen jedoch grundlegendes Wissen, um eigenständig ihren beruflichen und sozialen Alltag gestalten zu können

Die Organisation „Relais“

Als Reaktion auf diese Probleme wurde 1992 die Organisation „Relais“ gegründet. Die Organisation bietet Alphabetisierungsprogramme, Ausbildungsprogramme und Nachhilfeunterricht an. Wichtigste Zielgruppe sind Jugendliche in Bamako, die im informellen Sektor arbeiten, v.a. Mädchen. Für junge Frauen gibt es außerdem ein Mikrokreditsystem, um ihnen mehr Unabhängigkeit zu ermöglichen. Beispielsweise bietet die Organisation eine Ausbildung zur SchneiderIn oder im landwirtschaftlichen Bereich an, um besonders jungen Frauen ein eigenständiges Einkommen zu ermöglichen. Neben der Vermittlung von Wissen sollen die Jugendlichen im „Relais“ jedoch auch die Erfahrung machen, ihr Leben selbst gestalten zu können. Sie sollen ermutigt werden, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an Veränderungen mitzuwirken – ganz im Sinne Paulo Freires.

„Relais“ arbeitet mit zahlreichen anderen lokalen Organisationen und Schulen zusammen und wurde so zu einem wichtigen Akteur in der Erziehungslandschaft in Bamako.

Bildung für LehrerInnen

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu mehr Bildungsqualität in Mali wurde durch die Gründung und den Bau eines LehrerInnenbildungszentrums durch „Relais“ in einem Vorort von Bamako erreicht. Vielen LehrerInnen in Mali fehlt eine grundlegende pädagogische Ausbildung, das möchte das Bildungszentrum verändern – denn eine gute Bildung ist nur mit guten LehrerInnen möglich. Pro Jahr nehmen 420 LehrerInnen an Kursen und Fortbildungen des Bildungszentrums teil. Neben pädagogischen Methoden werden den LehrerInnen auch Grundkenntnisse in Informatik vermittelt und sie werden für Themen wie Menschenrechte und interkulturelles Lernen sensibilisiert – wichtige Themen in Mali, einem Land in dem sehr viele unterschiedliche ethnische Gruppen beheimatet sind.

Nachhilfeprogramm

Das Nachhilfeprogramm ist eine weitere wichtige Säule des „Relais“. Obwohl viele Kinder staatliche oder private Schulen besuchen, hätten sie oft große Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen. Vor allem das Lesen falle, laut Mamoutou Soumaré, vielen Kindern schwer. Hier möchte das Nachhilfeprogramm ansetzen und die Kinder so gut wie möglich unterstützen. Dadurch sollen auch die Eltern entlastet werden. Jedes Kind soll möglichst individuell in den persönlichen Schwächen Hilfe bekommen. Durch monatliche Evaluationsbögen soll der Lernfortschritt für Schule, Nachhilfe, Eltern und Kinder dokumentiert werden.

Aktuell nehmen 67 SchülerInnen zwischen 6 und 12 Jahren am Nachhilfeunterricht teil, jedes Jahr steige die SchülerInnenzahl weiter an. Im Moment werden elf LehrerInnen und BetreuerInnen für den Nachhilfeunterricht beschäftigt. Es ist geplant, eine weitere Lehrkraft zu beschäftigen, die vor allem für Mädchen Grundkenntnisse im Umgang mit dem Computer vermitteln soll.

Finanzielle Situation

Um das Bestehen des Programms dauerhaft abzusichern, sind finanzielle Mittel notwendig, vor allem um die LehrerInnengehälter zu bezahlen.

„Relais“ erhält einerseits finanzielle Unterstützung von Organisationen aus Frankreich (La Fondation Air Liquide de France, Projet Solidaire) und vom österreichischen Entwicklungshilfeklub (siehe auch den Bericht zum Projekt auf deren Homepage: https://www.eh-klub.at/projekte/index.php?detail=3725) andererseits finanziert sich die Einrichtung über monatliche Beiträge der SchülerInnen.

„Relais“ möchte jedoch explizit auch Kinder aus ärmeren Familien unterstützen. Diese sind meist nicht in der Lage, einen monatlichen Beitrag zu bezahlen. Darüber hinaus sollen diese Familien auch beim Kauf der Schulbücher, Hefte, Stifte etc. unterstützt werden, nach Aussage der Familien sei diese Unterstützung eine ungemeine Erleichterung. Das stellt die Organisation jedoch vor finanzielle Herausforderungen.

Eine französische Organisation (projet solidaire) übernimmt in einem Patenschaftsprogramm die Kosten von 15 Mädchen zu 80%. Das reicht jedoch nicht aus, um das Weiterbestehen und einen Ausbau des Programms abzusichern. Um den Fortbestand der Einrichtung zu garantieren, sind verlässliche UnterstützerInnen gesucht.

Mehr zu den Hintergründen und der Situation in Mali berichtete das Paulo Freire Zentrum in einem Artikel im Oktober 2010: https://www.pfz.at/article979.htm

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

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