Herausforderungen einer Bildung für Alle

Education for All (EFA), eine Initiative der UNESCO, entwickelte im Jahr 2000 ambitionierte Ziele um das Recht auf Bildung bis 2015 umfassend durchzusetzen. Der jährlich erscheinende EFA Global Monitoring Report dokumentiert, welche Veränderungen bis dato erreicht wurden. Am 2. April 2014 wurde der aktuelle Bericht 2013/14 im C3-Centrum für Internationale Entwicklung vor einem Publikum von ca. 50 Personen präsentiert.

Die Ziele

Education for All entwickelte sechs Ziele um ein Recht auf Bildung in umfassendem Sinn für möglichst viele Menschen dieser Welt durchzusetzen. Diese Ziele sind (1) Verbesserung und Ausweitung der frühkindlichen Bildung, (2) Zugang (und erfolgreicher Abschluss) aller Kinder zu kostenloser Grundschulbildung, (3) Zugang zu berufsqualifizierenden Basiskenntnissen für junge Erwachsenen, (4) Verringerung der Analphabetenrate bei Erwachsenen, (5) Überwindung des Geschlechtergefälles und (6) Sicherung der Bildungsqualität.

Anwesenheit allein reicht nicht

Asma Zubairi, selbst Mitverfasserin des Berichts, präsentierte zunächst die Ergebnisse des Global Monitoring Reports 2013/14.

Sie stellte dar, dass die gesteckten Ziele bis 2015 nicht erreicht werden könnten und einige Länder, bei gleichbleibendem Trend, die komplette Umsetzung der Ziele erst in über hundert Jahren erreichen würden. Zwar seien in den letzten Jahren einige Verbesserungen erreicht worden, _4024161_1.jpgso würden mittlerweile deutlich mehr Kinder zur Schule gehen als im Jahr 2000. Allerdings sei zu wenig auf die Qualität der Bildung geachtet worden. So würden einige Kinder zwar die Grundschule abschließen, jedoch ohne ein fundiertes Basiswissen zu erwerben. Um diese Situation zu verändern, seien vor allem gut ausgebildete LehrerInnen notwendig.

Asma Zubairi; Foto: Michael Straub


Marginalisierte bleiben benachteiligt

Im neuen Bericht werde deutlich, dass starke Unterschiede im Zugang zu Bildung nicht nur zwischen verschiedenen Ländern bestehen, sondern auch innerhalb von Ländern. Marginalisierte und benachteiligte Gruppen hätten den schlechtesten Zugang zu Bildung, sowohl in strukturschwachen als auch in OECD-Ländern. Um den Zugang zu Bildung wirklich gerechter zu machen, müsse also gerade die Gruppe der besonders Benachteiligten verstärkt in den Fokus rücken.

Dass die Themen Qualität und Gleichheit von Bildung erst im aktuellen Bericht eine so große Rolle spielten, erklärte Asma Zubairi durch eine verfeinerte Datenerhebung. Bis dahin war der Fokus vor allem auf den Zugang zu Bildung gelegt worden, auch weil die Zahl der SchülerInnen deutlich einfacher zu messen sei als die Qualität der Bildung und Bildungsgerechtigkeit. Durch eine Verbesserung der Datenerhebung und mehr Transparenz seien diese Themen erst ersichtlich geworden.

Erfahrungen aus der Praxis

Anschließend diskutierten Gottfried Biewer vom Institut für Bildungswissenschaften der Universität Wien, Barbara Falkinger, Herausgeberin der „Schulhefte“ und NMS-Lehrerin, sowie Asma Zubairi über Probleme und Herausforderungen in der Bildung.

Biewer berichtete zunächst von seinen Erfahrungen in Äthiopien. Seiner Meinung nach erfahre das Land im Moment eine Bildungsrevolution, da durch Förderungen des Landes erstmals der Zugang zu Bildung für bestimmte Bevölkerungsgruppen möglich würde, zum Beispiel für Menschen mit Behinderung. In Bezug auf Österreich sah er einen Fortschritt in der Aufnahme der Themen „inklusive Pädagogik“ und „Vielfalt“ in das Curriculum der

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Barbara Falkinger, Margarita Langthaler, Gottfried Biewer, Asma Zubairi, Übersetzerin; Foto: Michael Straub

Barbara Falkinger sprach über die Situation in Österreich und brachte dabei auch eigene Erfahrungen ein. Sie betonte, dass auch in Österreich keine Bildungsgerechtigkeit gegeben sei, und dass einige Kinder und Jugendliche dem Bildungssystem „verloren gingen“. Auch hier wären die Ärmeren, die am Rand der Gesellschaft Stehenden, benachteiligt. Das erkläre sich unter anderem durch bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die sich auch an der „Schulsprache“ niederschlagen würden (beispielsweise eine Herabwürdigung der Dialekte zugunsten von Hochdeutsch). Die Qualität eines Bildungssystems äußere sich in der Fähigkeit der SchülerInnen, selbstständig zu denken, und nicht in der Anpassung ans System.

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Barbara Falkinger, Margarita Langthaler; Foto: Michael Straub

Bildung aus der Perspektive der Politik

Andrea Schmölzer vom Bundesministerium für Bildung und Frauen ging auf Veränderungen, Probleme und Chancen im österreichischen Bildungssystem ein. Ihrer Meinung nach könnten durch das neue Lehramtsstudium einige Verbesserungen erreicht werden. So würde ein Studium für QuereinsteigerInnen leichter und die Trennung zwischen Pädagogischer Hochschule und Uni durchlässiger. Außerdem kritisierte sie die frühe Selektion im österreichischen Bildungssystem. Desweiteren müsse mehr für Chancengleichheit getan werden, Bildung dürfe nicht „vererbbar“ bleiben. Positive Ergebnisse habe Österreich bereits im Bereich der beruflichen Bildung erzielt.

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Barbara Falkinger, Margarita Langthaler, Gottfried Biewer, Asma Zubairi, Übersetzerin; Foto: Michael Straub

Reinhold Gruber vom Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres sprach aus Perspektive der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Er betonte vor allem die Bedeutung der beruflichen Ausbildung, einem der Investitionsfelder der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit.

Ausblick

Insgesamt wurde an diesem Abend deutlich, dass in einer neuen Agenda nach 2015 die Benachteiligten und am stärksten vom Bildungssystem Ausgeschlossenen im Fokus sein müssen. Die Qualität von Bildung solle verstärkt zum Thema gemacht werden. Es klang auch an, dass nicht ganz eindeutig ist, was „gute“ Bildung eigentlich sei und was alles dazugehöre. Verstehen Menschen überall auf der Welt das gleiche unter Bildung? Kann Bildung marktwirtschaftlich gehandelt werden? Sind Schulen Orte der reinen Wissensvermittlung oder sollten verstärkt auch psychologische/soziale/therapeutische Aufgaben von Schulen übernommen werden? Wie kann das geleistet werden? So blieben noch einige Fragen offen und es können weitere spannende Entwicklungen beobachtet werden.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

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