Präsentation des Global Monitoring Report: Bildungsgerechtigkeit und Migration.

„Bildung für Alle“ steht als Leitlinie auf der globalen Nachhaltigkeitsagenda unter SDG4. Doch inwiefern werden gesellschaftliche Herausforderungen wie Migration und Flucht zur Erreichung von Bildungsgerechtigkeit auf nationaler sowie internationaler Ebene mitgedacht?

Relationen zwischen Migration, Flucht und Bildung.

Das internationale Bildungsziel als Teil der Nachhaltigkeitsziele (SDGs), das 2015 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde, lautet: “Sicherstellen inklusiver, gleichberechtigter und hochwertiger Bildung für alle“. Die Präsentation des diesjährigen Global Monitoring Reports (dt.: Weltbildungsberichts) der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation), mit dem Schwerpunktthema: „Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern“, fand am 11. Dezember 2018 im Palais Epstein in Wien statt. Erstmals wurde der Bericht im Rahmen des parlamentarischen Nord-Süd Dialogs (PNSD) vorgestellt. Der PNSD lud in Kooperation mit der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) und der Österreichischen UNESCO-Kommission zur Präsentation und Diskussion. Moderiert wurde die Veranstaltung von Margarita Langthaler (ÖFSE).

SDG4 – Bildungsgerechtigkeit für alle.

Auf internationaler sowie nationaler Ebene verpflichteten sich Staaten zur Umsetzung der SDGs. Der Global Education Monitoring Report (GEMR) bewertet die Umsetzungsmaßnahmen zu SDG 4 und fasst diese in einem Bericht zusammen. Ein unabhängiges Team aus Expert*innen der UNESCO überprüft, inwieweit Erfolge zur Erreichung des Bildungsziels festgestellt werden können und welche Herausforderungen sich ergeben. Darüber hinaus beinhaltet der Bericht Strategieempfehlungen sowie Forderungen zur Erreichung von Bildungsgerechtigkeit weltweit.

Bildung und Migration spielen zentrale Rollen im Zusammenleben.

Der inhaltliche Schwerpunkt des GEMR „Migration, Flucht und Bildung“ spiegelt internationale Herausforderungen aktueller gesellschaftlicher Debatten wieder. Bildung spiele eine zentrale Rolle im Zusammenleben der Menschen, so Gabriele Eschig (Generalsekretärin Österreichische UNESCO-Kommission). „Migration muss zum Nutzen aller gestaltet werden“, fügte sie hinzu. An dieser Stelle hob Eschig den seit drei Jahren bestehenden Nord-Süd Dialog in Partnerschaft mit der ÖFSE hervor. Der GEMR 2019 beinhaltet sieben Forderungen für globale Bildungsgerechtigkeit unter der Prämisse der globalen Nachhaltigkeitsziele, „niemanden zurückzulassen“.

„Niemanden zurücklassen“ als Verantwortung zur Umsetzung von SDG4.

Bilal Barakat (Senior Policy Analyst bei UNESCO Paris) stellte die zentralen Forderungen aus dem Bericht vor. Der Bericht beschäftigt sich mit der Inklusion von Migrant*innen und geflüchteten Menschen, sowie Herausforderungen für Lehrkräfte und Verwaltung im Bildungsbereich. „Der Anspruch, niemanden zurückzulassen, beinhaltet eine gewisse Verantwortung gegenüber Menschen, die fliehen.“ so Barakat. Internationale Migration führe vor allem dazu, dass Kinder zurückgelassen würden und kaum Zugang zu Bildung haben.

Einfluss von Bildung auf globale Migrationsbewegungen.

„Migration und Bildung beeinflussen sich gegenseitig“, heißt es im Bericht. Internationale Migrant*innen verfügen oftmals über höhere Bildung und seien dadurch in der Lage, ihr Herkunftsland zu verlassen. Durch Geldsendungen an die Familien in der Heimat könnten Kinder, die zurück gelassen werden, Vorteile bezüglich des Zugangs zu Bildung erfahren. Somit bergen Flucht und Migration neben Herausforderungen auch Chancen, so Barakat. Oft sei die Rede von Migrationsbewegungen aus einkommensschwächeren in einkommensstarke Länder, doch auch Binnenmigration von ländlichen in städtische Regionen spiele eine wichtige Rolle in Österreich. Viele Studierende würden für die Chance auf eine bessere Ausbildung ihren Wohnort ändern. Die Zahl junger Akademiker*innen, die laut des GEMR vermehrt in Bewegung seien, gelte es daher im Zusammenhang von Bildung und Migration zu berücksichtigen, erklärte Barakat.

Bedürfnisse von Betroffenen in Bildungsdebatten miteinbeziehen.

Der Einfluss von Bildung auf Migrationsbewegungen kann also neben dem Blick auf einkommensschwache Länder ebenso auf Österreich gerichtet werden. Um Bildung für alle erreichen zu können, müssten wir uns den Bedürfnissen der Betroffenen widmen, fuhr Barakat fort. Mit Betroffenen seien an dieser Stelle all diejenigen gemeint, die von Migrationsbewegungen betroffen sind, nicht nur Menschen, die sich selbst auf der Flucht befinden.

Voneinander lernen, um Bildungskonflikte zu lösen.

Im Anschluss an die Präsentation des aktuellen GEMRs meldeten sich auch Nationalratsabgeordnete zu Wort und reagierten auf Nachfragen aus dem Publikum. Internationale Bildungsdebatten, Finanzierungsaspekte und strukturelle Benachteiligung von Schüler*innen mit sogenanntem Migrationshintergrund bräuchten einerseits qualifizierteres Personal, betonten Abgeordnete des Nationalrats. Andererseits verwiesen Stephanie Cox, Eva Maria Holzleitner und Niko Marchetti auf die Rolle von Sprache und das generelle Recht auf Bildung.

Was offen blieb.

Abschließend hielten die Redner*innen fest, dass ein wesentliches Ziel der Zusammenarbeit zwischen Ländern darin bestehe, voneinander zu lernen, um globale wie nationale Probleme lösen zu können. Frühzeitige Schulabbrüche seien nicht nur Thema einkommensschwacher Länder oder von Migrant*innen in Österreich. Der Erhalt von Bildung solle nicht davon abhängig sein, welchen Status oder welche Staatsbürgerschaft jemand habe, fassten die Teilnehmer*innen der Diskussion zusammen. Dringend notwendig sei die Stärkung und Weiterbildung von Fachkräften im Bildungsbereich, um sich aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen zu können. Klare Formulierungen zu weiteren Maßnahmen sowie Lösungsansätzen blieben trotz hitziger Debatten jedoch aus.

 

Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und ist Mitglied im Online-Redaktionsteam. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


Weiterführende Links:

Global education monitoring report, 2019: Migration, displacement and education: building bridges, not walls


 

Foto © commons wikimedia / UNESCO

 

Veröffentlicht in Bildungsungerechtigkeit, Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.