Margret Steixner stellte am 16. 10 2007 in der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) ihr Buch Lernraum Interkultur. Von interkultureller Erfahrung zu interkultureller Kompetenz vor.

Kann man Kultur "lernen"? Vor welchen Hindernissen steht die
Entwicklungszusammenarbeit im Zusammenhang mit anderen Kulturen? Und
wie kann interkulturelle Kompetenz gesteigert werden?
Diese und weitere
Fragen versuchte Margret Steixner in ihrer Dissertation, die nun in der
Reihe "ÖFSE-Forum" publiziert wurde, zu beantworten.
Karin Küblböck (ÖFSE) moderierte die Präsentation, Stephan Spatt (Horizont 3000) und Gerald Faschingeder (Paulo Freire Zentrum) kommentierten das Buch und die Ausführungen der Autorin.
Kulturelle Differenz
Wenn auch die Gemeinsamkeiten auf verschiedenen Kulturebenen nicht außer Acht bleiben sollen, so ist doch die Wahrnehmung von kultureller Differenz, laut Margret Steixner, die Grundlage jeder Auseinandersetzung mit dem Thema. Insbesondere in den Bereichen Beziehung, Denken, Kommunikation, Führungs-, Arbeits- und Konfliktstil gebe es zwischen Kulturen oft große Unterschiede, die zu Konflikten führen könnten. Generalisierungen, die einerseits notwendig seien, um Orientierung zu ermöglichen und verstehen zu können, verleiteten andererseits zu Vorurteilen und einer Limitierung der Sichtweise auf die äußeren Bereiche von Kultur. Man müsse sich jedenfalls der eigenen Kulturgebundenheit bewusst sein, um die "Anderen" besser verstehen zu können.
Interkulturelles Coaching
Interkulturelle Kompetenz sei keine Auflistung von "Dos und Donts", und umfasse weit mehr als das Wissen über Begrüßungsrituale und Kleidungsvorschriften. Daher könne interkulturelles Coaching, wie es zum Beispiel vor Personalentsendungen zum Einsatz kommt, nur eine Vorbereitung und Unterstützung sein. Eigene Erfahrungen und deren Reflexion seien in jedem Fall unersetzbar. Gerade zu Beginn dieses Lernprozesses müsse man die eigenen Erwartungen und Vorstellungen zurückstellen und bisherige Wege bewusst verlassen. Die Voraussetzungen, die man mitbringen müsse, um das Ziel einer guten interkulturellen Zusammenarbeit zu erreichen, sind vielfältig: Neben Selbstvertrauen, Reife, Stressresistenz und einem dauerhaften Interesse an der anderen Kultur, sei es nötig, auch Widersprüche auszuhalten und über eine hohe Frustrationstoleranz zu verfügen.
Die Überwindung von Barrieren zwischen den Kulturen ermögliche in vielen Fällen aber nicht nur eine erfolgreiche Zusammenarbeit, sondern auch Synergien, die in monokulturellen Teams nicht entstehen würden.
Kann eine fremde Kultur wirklich verstanden werden?
Gerald Faschingeder begann seinen Kommentar zur Präsentation mit einer Reflexion des Kulturbegriffs und erläuterte dessen Geschichte als Mittel der Abgrenzung. Er hob als positiv hervor, dass im Gegensatz dazu Kultur im Konzept des interkulturellen Lernens ein verbindendes Element darstelle. Es komme dadurch zur produktiven Reflexion negativer Erfahrungen. Er stellte allerdings die kritische Frage, ob ein Verstehen wirklich möglich sei, oder ob nicht immer etwas fremd bleiben würde. Des Weiteren fragte er, ob der Versuch des Verstehens nicht auch als Form der Vereinnahmung, und in der Folge als Herrschaftsanspruch gesehen werden könne.

Stephan Spatt, Karin Küblböck, Gerald Faschingeder, Margret Steixner (v.l.n.r., Photo: Martin Reif)
Stephan Spatt, der bei Horizont 3000 für Personalauswahl und -entwicklung zuständig ist, zweifelte ebenfalls an der Möglichkeit eines wirklichen Verstehens einer anderen Kultur. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrung – er verbrachte vier Jahre in Mosambik – ist er der Meinung, dass interkulturelles Training an gewisse Grenzen stößt. Es sei aber sehr wohl eine Möglichkeit der Annäherung und helfe, Bewusstsein zu schaffen.
In der abschließenden Diskussion war man sich einig, dass es zentral sei, ein Gefühl für die eigene kulturelle Prägung zu entwickeln. Nur wenn man diese nicht als absolut ansehe und die Bereitschaft zeige, nicht alles verstehen zu müssen, könne man einer anderen Kultur näher kommen.
Margret Steixner: Lernraum Interkultur. Von interkultureller
Erfahrung zu interkultureller Kompetenz. Potentiale und Relevanz des
interkulturellen Coachings am Beispiel von Fachkräften der
Entwicklungszusammenarbeit. Wien: Südwind, 2007. 240 S. 13 Euro.
ISBN 13:
978-3-9502306-4-2. (=ÖFSE Forum 34)
Der Autor studiert Politikwissenschaft und ist Praktikant des Paulo Freire Zentrums.