„Weg ist das Ziel?“

Eine Präsentation des Buches "Weg ist das Ziel Zur Dekonstruktion der Ökologiebewegung" von Daniel Hausknost.

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Mit dem doppeldeutigen Titel "Weg ist das Ziel" liefert Daniel
Hausknost bereits einen Hinweis darauf, welchen Weg er in seinem Buch
gehen will den einer Dekonstruktion des Wesens, Weges und der Ziele
(bzw. der Ziellosigkeit) der "Ökologiebewegung" in all ihrer
Heterogenität.

Er tut dies mit einem eindeutigen Erkenntnisinteresse:
die Sackgasse sichtbar zu machen, in welcher sich die Ökologiebewegung
verloren hat, um, in der Besinnung auf ihr eigentliches Wesen und ihre
eigentlichen Ziele, einen möglichen neuen Weg zu finden.

Ökologie als Phänomenologie des Scheiterns der Moderne

"Gibt es so etwas wie die Ökologiebewegung eigentlich wirklich? Und wenn ja: Was will sie wirklich, was sind ihre eigentlichen Ziele? Wollte sie jemals etwas Bestimmtes? Oder, anders gefragt: Was wollen wir UmweltschützerInnen eigentlich, wenn wir täglich für den Schutz der Umwelt kämpfen?" (S. 17)

Schon anhand dieser einleitenden Fragen macht Hausknost deutlich, dass Wesen, Weg und Ziele der Ökologiebewegung eigentlich sehr unklar sind, dass womöglich komplexere Dynamiken hinter dem Begriff "Ökologiebewegung" stehen, als oftmals angenommen. Das an der Oberfläche Sichtbare der Bewegung, die diversen partikularen Einsätze und Kämpfe für den Umweltschutz und die Natur, würden nicht das eigentliche Wesen der Ökologiebewegung, und vor allem auch nicht deren eigentliche Ziele zeigen, so der Autor. Denn die seien vor allem politisch und nicht rein ökologisch. Von Anfang an habe die Ökologiebewegung die Frage der sozialen Gerechtigkeit mit der Problematik der ökologischen Krise verbunden und beides letztendlich als Symptome des Scheiterns der Moderne, als Symptome unseres kranken Weltsystems, der kapitalistischen Industriegesellschaft erkannt.

Diese unheilvolle Ahnung, dass wir längst nicht mehr in der Lage sind, die Bedingungen der Erzeugung unserer sozialen Wirklichkeit und unseres eigenen Lebens nachzuvollziehen, dass wir gegenüber der eigentlichen technologischen Wirklichkeit blind geworden sind, ist die treibende politische Kraft im Inneren der Ökologiebewegung. [] Das eigentliche Ziel jeder Umweltkampagne besteht im Aufbrechen und Zurschaustellen des unsichtbaren Maschinenraums unserer Welt. (S. 29)

Erfolgreicher Umweltschutz als Narkotisierung des Politischen

Diese ursprünglich "politische Mission" der Umweltbewegung, der ursprüngliche Glaube daran, durch Aufdecken und Sichtbarmachen der Widersprüche des Systems eine Transformation der Gesellschaft zu provozieren, habe sich jedoch nicht verwirklicht, sei letztendlich versickert, so Hausknost. Das Problem sei, dass die UmweltschützerInnen vergessen hätten, worum es ihnen eigentlich gehe (S. 30). Dies ist die Anklage, die der Autor an die Ökologiebewegung richtet: das Vergessen des eigentlichen Zieles, das Vergessen der politischen Dimension und die reine Konzentration auf partikulare Schmerzlinderung. Die Umweltorganisationen hätten das Anprangern der Gesellschaft aufgegeben und das Vertrauen in wirkliche, politische Entscheidungsarbeit verloren. Erfolge hätten nur auf der partikularen Ebene eingesetzt, wo Lösungen erreichbarer erschienen seien und man deshalb daran gearbeitet hätte:

"Sie [die Ökologiebewegung] war nun vollends in das ontische Netz der Symptome verstrickt, das sie selbst gewoben hatte, und sie war vollständig damit ausgelastet, sich mit einem Symptom nach dem anderen zu beschäftigen. [] sie begann, sich mehr für Reform, als für Transformation zu interessieren []". (S. 167)

Weiters seien vor allem Kampagnen erfolgreich gewesen, die sich an den/die VerbraucherIn gerichtet und letztlich ein Service bereitgestellt hätten Umweltschutz als Schutz der Gesundheit und Lebensqualität der VerbraucherInnen. Diese erfolgreiche Form des Umweltschutzes sieht Hausknost jedoch als Gefahr und fragt:

"Bedeutet erfolgreicher Umweltschutz daher nicht letztlich die Herstellung der perfekten Illusion, die Narkotisierung des Politischen?". (S. 21)

Aufbruch in Neues

Hausknost plädiert daher für die "Zurückeroberung des Politischen", für den Mut zu echten Entscheidungen und für die Neuentdeckung des Politischen als jenen Übergang vom Unmöglichen zum Möglichen (S. 169). Er zeichnet ein Bild der Umweltbewegung als vor allem emanzipatorische und politisch "linke" Bewegung und führt eine kompetente und differenzierte Untersuchung der Ursachen ihres "Scheiterns" durch. Aus seiner Analyse versucht Hausknost Erkenntnisse über mögliche Auswege aus der Situation zu gewinnen.
Genau an diesem Punkt endet das Buch und der/die LeserIn wird im Unklaren gelassen.

Hausknost weist mit seinen Überlegungen in eine eindeutige Richtung, aber er geht keinen Schritt in diese Richtung. Doch die zentrale Zielsetzung des Autors war auch in erster Linie zu dekonstruieren, und nicht zu konstruieren. Dieses Ziel erreicht er und er erreicht damit auch den/die LeserIn. Die Lösung, für die Hausknost mit seiner schlüssigen Argumentationslinie plädiert, führt zurück bis an die Anfänge der Ökologiebewegung, von wo der/die LeserIn nach der Lektüre nicht planlos, sondern mit Aufbruchsstimmung und der Idee einer neuen Richtung zurückkehrt.


Hausknost, Daniel: Weg ist das Ziel. Zur Dekonstruktion der Ökologiebewegung. Die kommende Demokratie Bd. 1. Wien: LIT Verlag, 2005. 176 Seiten. 19,90 . ISBN 3-8258-8500-3



Die Autorin studiert Internationale Entwicklung an der Universität Wien.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.