„Transformative Steps“ zum guten Leben für alle.

Welche Chancen bieten Sustainable Development Goals (SDGs) & Co für die sozial-ökologische Transformation? Wo liegen die Grenzen? Julia Günther (Koordinatorin der 7. Österreichischen Entwicklungstagung) reflektiert diese Fragen in ihrem Blog-Eintrag über einen Workshop beim „Gutes Leben für alle“-Kongress zu diesem Thema.

Mit der Frage, wie transformativ die Sustainable Development Goals (SDGs) und das Klimaabkommen von Paris sein können, wenn es keine systemische Änderung gibt, begann der Workshop zu „SDGs, Klimapakete & Co: Möglichkeiten, Grenzen und Alternativen“, zu dem unter anderem das Paulo Freire Zentrum und die Dreikönigsaktion der KJSÖ geladen haben und der am 10. und  11. Februar 2017 im Rahmen des “Gutes Leben für Alle”- Kongresses stattfand. Der Workshop fungierte darüber hinaus als Vorveranstaltung zur 7. Österreichischen Entwicklungstagung.

Diskutiert haben Elfriede More (Ministerium für ein lebenswertes Österreich), Andrea Schmölzer (Bildungsministerium), Eva-Maria Burger (Frauenministerium), Michael Narberhaus (Smart CSOs Lab), Angelika Gerstacker (Jugend eine Welt), Stefan Grasgruber-Kerl (Südwind Agentur), Hilde Wipfel (KOO), Daniel Bacher (DKA/KJSÖ), Anne Erwand (Ökobüro), Norbert Rainer (Klimabündnis OÖ), Jakob Mussil (AGGV), Fritz Hinterberger (SERI) und Eva Lachkovics (WIDE).

Siege auf Kosten unserer Erde.

Die Grundstimmung des Workshops glich der Frage Guth Seths von 2008: „Wir haben viele Siege gefeiert, aber warum verlieren wir die Erde trotzdem?“ (Guth Seth, 2008). Eine Vision, wie sich die Welt zu einer für alle gerechteren transformieren kann und soll gibt es, doch die bisherige Umsetzung scheiterte aufgrund festgefahrener Machstrukturen. Dennoch, der Mut zum Tun, die Partizipation, die Acht- und Genügsamkeit sind Eckpfeiler, an denen sich die Anwesenden im Workshop für ein gutes Leben für alle orientieren wollen. Gemeinwohl und Gendergleichberechtigung spielen dabei genauso eine Rolle wie Solidarität. Es gilt jedoch die Rahmenbedingungen zu ändern, damit sich die Machstrukturen auflösen und anhand des 3-Säulen-Denkens – Ökologie – Ökonomie – Soziales – ein neues, ein gerechtes System entwickeln kann.

Die neue globale Nachhaltigkeits- und Klimaagenda mit einem kohärenten Zielkatalog bieten eine Vision, wie sich die Welt zu einer gerechteren für alle transformieren kann und soll. Dennoch könnte die Umsetzung, wie in der Vergangenheit, an festgefahrenen Machstrukturen mit wenig (politischer) Ambition für eine sozial-ökologische Transformation sowie dem Festhalten am Wachstumsparadigma scheitern.

„Transformative Steps“ für ein gutes Leben für alle.

Es braucht „transformative steps“, die den längst notwendigen Systemwandel herbeiführen sollen. Die notwendigen Schritte bestehen aus einem „Miteinander“ von Politik, Wirtschaft, NGOs und Wissenschaft. Das Wachstumsparadigma, das unsere derzeitige Welt beherrscht, muss sich ändern. Daraus erschließt sich, dass sich die Handlungsweisen des Globalen Nordens verändern müssen und nicht die des Globalen Südens – so eine wichtige These einiger RednerInnen. Dazu gehört es  auch, die Produktions- und Konsumationsmuster zu hinterfragen. Was kann jede/r Einzelne/r tun, um diese Muster für ein gutes Leben für alle zu verändern?

Die Idee einer utopischen Welt kann dabei helfen, transformative Schritte einzuleiten – sowohl auf Mikro- als auch auf Makroebene. Darüber hinaus braucht es aber eine Vielzahl weiterer Schritte. Die Umwälzung von wirtschaftspolitischen Verhältnissen ist dabei ein zentraler Punkt. Dazu gehören auch eine sozial-ökologische Steuerreform und die Beendigung des extremen Reichtums, forderten die TeilnehmerInnen des Workshops. Und zwar nicht im Sinne einer Reform, sondern im Sinne einer Revolution. Es braucht ein anderes Verständnis von Leben und Arbeit, das uns helfen kann den Wohnraum, den Fleischkonsum und die Arbeitszeit zu reduzieren und vermehrt auf die natürlichen Grenzen zu achten. Lokale Initiativen, wie E-Auto, carsharing und foodcops, können dabei helfen. Das dafür notwendige Bewusstsein muss im Rahmen einer ganzheitlichen Bildung Eingang finden. Medien als Verbündete zu haben kann uns in diesem Prozess helfen.

SDGs als Gerechtigkeitsagenda?

Vielfach wurde diskutiert, ob die SDGs Teil der notwendigen transformativen Schritte sein können, repräsentieren sie doch ein alt-bekanntes System, dass weder die Machtstrukturen noch das herrschende Wirtschaftssystem hinterfragt. Das blinde Vertrauen der SDGs in Wirtschaftswachstum und Technologie stellt eine große Herausforderung für das Kima, natürliche und reproduktive Ressourcen dar. Das fehlende Benennen von Ausbeutung und Reichtum transnationaler Konzerne macht die SDGs zu einer Agenda, die Gerechtigkeit in einem neo-liberalen Wirtschaftssystem angesiedelt sieht. Nichtsdestotrotz betrachten die SDGs erstmals die Welt als Gesamtes und nicht nur einzelne Regionen, die es, wie die Vorgänger-Ziele Millennium Development Goals (MDGs) es sahen, zu „entwickeln“ galt. Der Fokus ist ein globaler und somit bieten die SDGs auch die Chance, dass sich global das Bewusstsein für eine sozial-gerechtere Transformation entwickelt. In Österreich benötigt es jedoch eine integrative Strategie, wie sie umgesetzt werden können. Da die SDGs rechtlich nicht verbindlich sind, ist die Zivilgesellschaft umso mehr gefragt, die Politik zur Umsetzung einzumahnen.

Der abschließende Konsens, dass es positive Narrative sowie eine Repolitisierung der Zivilgesellschaft braucht, birgt die Chance in sich, dass die TeilnehmerInnen mit Impulsen zur Umsetzung eines guten Lebens für alle nach Hause gegangen sind.

 


Die Autorin ist Koordinatorin der 7. Österreichischen Entwicklungstagung und Mitorganisatorin des Workshops. Dieser Artikel wurde für den Blog des „Gutes Leben für alle“-Kongresses verfasst. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 



Weiterführende Links:

– Zum Blogeintrag: https://www.guteslebenfueralle.org/de/blog-list/sdgs-klimapakete-co-moeglichkeiten-grenzen-und-alternativen.html

– Dokumentation des Kongresses: https://www.guteslebenfueralle.org/de/Vertiefen.html

 

– Weitere Berichte über den Workshop:

1) Nachhaltige Entwicklungsziele, Klimapakete und Co: Möglichkeiten, Grenzen und Alternativen. (I):  https://www.pfz.at/article1893.htm

2) Nachhaltige Entwicklungsziele, Klimapakete und Co: Möglichkeiten, Grenzen und Alternativen. (II): https://www.pfz.at/article1898.htm

Der Workshop fungierte als Vorveranstaltung zur 7. Österreichischen Entwicklungstagung. Nähere Infos: https://www.entwicklungstagung.at/

 


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