2003 fand das erste Forum zur Effektivität von Entwicklungszusammenarbeit (EZA) statt. Was hat sich seither getan und wo steht die EZA heute? Dieser Frage widmete sich der Workshop Development Cooperation in Transition im Rahmen der zweiten Vorveranstaltung zur 6. Österreichischen Entwicklungstagung.Wie kann die internationale EZA auf sich verändernde Verhältnisse im Entwicklungsbereich reagieren? Margit Scherb (Austrian Development Agency – ADA) und Erwin Eder (Dreikönigsaktion – DKA) waren als ReferentInnen geladen um die Diskussion mit Impulsvorträgen aus der Praxis einzuleiten. Moderiert wurde der Workshop von zwei Studierenden des Masterprogramms Socio-Ecolocigal Economics and Policy (SEEP), Gabriela Alaya und Mohamed Saad El Jai.
Strategien und Interessen in der EZA
Durch ihre jahrelange Mitarbeit bei der ADA konnte Margit Scherb den WorkshopteilnehmerInnen direkte Einblicke in die östereichische Entwicklungszusammenarbeit geben. Ihren Impulsvortrag verstand sie als „Echo der Eröffnungsrede von Imme Scholz“. Scherb betonte die geopolitischen Strategien und Eigeninteressen von Geberländern im Rahmen der EZA und schloss damit an die Frage von Scholz aus dem Eröffnugnsvortrag „Where do poor people live?“ an. In welchen Weltregionen herrscht Armut und warum? Eine allumfassende Beantwortung dieser Frage hätte wohl den Rahmen des Impulsvortrags gesprengt. Scherb zog als anschauliches Beispiel die Beziehungen zwischen dem afrikanischen Kontinent und China heran: „China ist bereits seit 2009 der wichtigste Handelspartner afrikanischer Länder. Das hat den Kontinent nachhaltig geprägt, denn China hat besonders in Infrastrukturprojekte investiert.“ Allerdings sei China nicht in allen Anliegen der erste Ansprechpartner. Gehe es um Unterstützung im Bereich der Menschenrechte, komme der EU eine tragende Rolle in Afrika zu.
Ernüchternde Tatsachen
Scherb sprach auch über die High Level Foren zur Effektivität der Entwicklungszusammenarbeit. 2005 wurde beim zweiten Forum in Paris die Erklärung von Paris verabschiedet, in der fünf fundamentale Prinzipen beschlossen wurden, die für die Steigerung der Effektivität der EZA unabdingbar seien. „Vieles, was mit gutem Willen in die Erklärung von Paris aufgenommen wurde, konnte jedoch praktisch nach wie vor nicht umgesetzt werden“, so Scherb. Das liege an der Haltung der Staaten, die dem Development Assistance Committee (DAC) angehören. Scherb fasste diese Staaten als „donors club“ innerhalb der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) zusammen. Solange es nicht zu einer radikalen Kursänderung innerhalb des „donors club“ komme, sehe es für die zukünftige EZA nicht rosig aus.
Nichtregierungsorganisationen unter Druck
Im Anschluss ergriff Erwin Eder (DKA), das Wort. Sein Beitrag bezog sich auf die Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in der EZA. Entwicklungspolitische NGOs würden zunehmend unter Druck geraten, den Anforderungen einer multipolaren und globalisierten Weltordnung gerecht werden zu müssen. Als Gründe dafür nannte Eder die zunehmende Fokussierung der EZA auf den Privatsektor, das Aufkommen von neuen Gebern und den Rückgang von finanziellen Mitteln für NGOs. Private sowie staatliche Förderungen und Spenden seien in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Eder betonte aber auch die Stärken entwicklungspolitischer NGOs, die wichtiger Teil der Agenda der internationalen EZA seien. „Der NGO-Sektor arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz, der auf der Wahrung der Menschenrechte basiert und sich an den Bedürfnissen der Partnerländer orientiert“, erklärte er. Auch die Förderung von Solidarität und Freiwilligkeit sei ein zentrales Anliegen vieler NGOs, um auf Ressourcenknappheit reagieren zu können.
Zukunft von NGOs
Für die Zukunft sei es wichtig, klare Strategien zu verfolgen und den privaten Sektor miteinzubeziehen. Weltumspannende Probleme wie der Klimawandel und dessen Auswirkungen müssten auf der Agenda internationaler NGOs Priorität eingeräumt werden. Damit einher gehe die Förderung eines nachhaltigen Lebensstils, besonders in den westlichen Industriestaaten. Die Rolle von NGOs solle auf jeden Fall gestärkt werden, ebenso wie die Zusammenarbeit zwischen einzelnen NGOs und zivilgesellschaftlichen Organisationen. So könne die Idee eines ganzheitlichen Ansatzes umgesetzt werden.
Gemeinsame Ziele verfolgen
Nach den beiden Impulsvorträgen wurden alle WorkshopteilnehmerInnen in zwei Gruppen geteilt. Margit Scherb und Edwin Eder arbeiteten jeweils mit einer der Gruppen an der Beantwortung einer von den Moderatoren gestellten Frage. Gruppe 1 sollte sich mit der Rolle der EZA in einer sich wandelnden Gesellschaft mit neuen Gebern, entstehenden Nationen und neuen Formen von Gewalt auseinandersetzen. Die zweite Gruppe widmete sich der Frage nach ungleichmäßigen Entwicklungstendenzen in Europa und wie dem durch die EZA beizukommen sei. Beide Gruppen sollten die entstandenen Vorschläge zu Papier bringen und schließlich präsentieren.
Die erste Gruppe gelangte zu folgenden Ergebnissen: Die Einstellung zur EZA müsse sich fundamental ändern, weg von Hilfskonzepten, hin zu globaler Verantwortung und der Umsetzung gemeinschaftlicher Interessen. Die zweite Gruppe stellte drei notwendige Maßnahmen vor, um ungleichen Entwicklungen in Europa entgegen zu wirken: Fokus auf Bildung, die Diskussion ethischer Grundsätze in der EZA und die Steigerung der Wirksamkeit von Projekten. Emfpänger und Geber sollten in Zukunft gemeinsame Ziele verfolgen.
Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at