Aid Industries, multiple crises and alternative development – the case of Palestine (Workshop 8)

Im Zuge der 6. Österreichischen Entwicklungstagung mit dem Titel „umbruch.aufbruch“ an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Salzburg, wurde am 15. 11.2014 ein vierstündiger Workshop zum Thema „Aid Industries, multiple crises, and alternative development – the case of Palestine„, abgehalten.Samia Al-Botmeh, Assistenzprofessorin am Centre for Development Studies an der Birzeit Universität in Palästina und Helmut Krieger vom Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien leiteten den Workshop. Von den elf weiteren TeilnehmerInnen waren etwa die Hälfte StudentInnen aus verschiedenen Bereichen.

Zum Einstieg fragte Samia Al-Botmeh die TeilnehmerInnen nach ihrem Wissen über Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungshilfe in Palästina und sammelte die Rückmeldungen stichpunktartig an der Tafel. Gemeinsam überlegten sie, ob die jetzige Form der Entwicklungszusammenarbeit/-hilfe für Palästina problematisch sei und falls ja, warum. Außerdem wurde die Frage gestellt, ob die Situation von Palästina einzigartig sei oder ob es in anderen Ländern vergleichbare Situationen gebe. Die TeilnehmerInnen waren sich zwar einig, dass die Situation in Palästina problematisch sei. Bei den Lösungsvorschlägen gingen die Meinungen allerdings auseinander.

Helmut Krieger führte genauer in die Problematik Palästinas ein und brachte somit Alle auf den selben Wissensstand, was eine Grundlage für die anschließende Diskussion schuf.

The case of Palestine

Palästina sei nicht nur finanziell ein schwaches Land. Die Entwicklungszusammenarbeit werde zusätzlich vor einer weiteren Herausforderung gestellt: Palästina sei besetztes Gebiet, kontrolliert von israelischen Autoritäten. Samia Al-Botmeh bezeichnete die Situation als „Neo-Kolonialismus“. Das Land ist aufgeteilt in über 160, voneinander getrennte und teils fast vollständig umzäunte „Inseln“, die nur über hoch ummauerte Straßen miteinander verbunden sind. Die berühmtesten dieser „Inseln“ seien die Westbank und der Gaza-Streifen.

Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Palästina und Europa gestalte sich kompliziert, so Al-Botmeh. Oft wurden Entwicklungsprojekte initiiert, beispielsweise zum Wiederaufbau der infrastrukturellen Einrichtungen. Der israelische Staat aber sei besorgt um das Aufleben des Islamismus in seinem Nachbarstaat. Israel wolle Palästina nicht als wirtschaftlich erfolgreichen und kulturell einflussreichen Staat sehen. Aus diesem Grund versuche Israel konstant, Palästina an seiner sozialen Basis zu schwächen. Mit Bomben aus der Luft werden diese Projekte, an denen oft Jahre lang geplant und gebaut werde, innerhalb von Sekunden wieder zerstört.

Ideen zur Alternativen Entwicklung

Die TeilnehmerInnen des Workshops waren sich einig, dass dieses Wechselspiel von Aufbau und Zerstörung auf lange Sicht zu nichts führen würde. Also machten sich die WorkshopteilnehmerInnen Gedanken über die Frage: Was braucht Palästina und was braucht es nicht? Laut Al-Botmeh sei Entwicklungshilfe in Form von Spendengeldern das, was es nicht mehr brauche. Viele PalästinenserInnen seien dankbar für die Spenden in der Vergangenheit, denn sie hätten ihnen kurzfristig geholfen. Langfristig habe es ihnen aber ihre Unabhängigkeit, ihre Wirtschaft und ihren Stolz genommen. Nun gehe es nicht mehr darum zu überleben, sondern Unabhängigkeit von Israel zu erlangen. Was das palästinensische Volk jetzt viel mehr brauche, sei, dass sich die internationale Gesellschaft und die Intellektuellen mit Palästina solidarisieren und den Staat Israel in die Situation bringen, sich für seine Verbrechen rechtfertigen zu müssen.

In Palästina seien nahezu alle gesellschaftlichen Schichten von der Situation des Landes betroffen und haben zum Boykott israelischer Produkte aufgerufen. Israelische Produkte in palästinensischen Supermärkten seien günstiger als einheimische Produkte. Diese könnten oft nicht verkauft werden und landen im Müll, so Al-Botmeh. Dabei produziere Palästina schon jetzt nahezu genug Nahrung, um alle Einwohner versorgen zu können. Die Idee des Boykottes sei es, nur noch palästinensische Produkte zu kaufen und sich somit wirtschaftlich (weitgehend) von Israel unabhängig zu machen. Denn die wirtschaftliche Unabhängigkeit sei ein kraftvolles Werkzeug im Prozess der De-Kolonialisierung.

Fazit

Dieses schon seit geraumer Zeit aktuelle Thema, das immer wieder Erwähnung in den Medien findet, schien die TeilnehmerInnen sehr zu fesseln. Als die offizielle Workshop-Zeit nach vier Stunden zu Ende ging, wurde noch weiter angeregt diskutiert und es wurde verabredet, sich bei der anschließenden Feier in der Mensa noch eingehender mit der Problematik zu beschäftigen.

Die schlussendlich aus der Diskussion gezogene Essenz lautete: Für die PalästinenseInnen sei es ein wichtiger Schritt, sich innerhalb des Landes miteinander zu organisieren und Israel zu boykottieren. Gefordert wurde die Solidarität der internationalen Gesellschaft mit Palästina, an Stelle von Hilfsgeldern, die keinen sinnvollen Nutzen bringen können.

Die Autorin ist Studentin der Geographie an der Universität Salzburg. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

Fotos: Michael Straub

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