Auch in diesem Jahr lud das C3 – Centrum für internationale Entwicklung wieder zur Verleihung der C3-Awards. Mit dabei waren Wissenschaftler*innen, Politiker*innen, Journalist*innen, Interessierte, stolze Angehörige und natürlich die Schüler*innen selbst, deren Arbeiten den Mittelpunkt des Abends darstellten. Mit den C3-Awards werden besonders gelungene Vorwissenschaftliche Arbeiten (VWAs) und Diplomarbeiten ausgezeichnet. Entscheidende Kriterien für die Auswahl sind dabei der entwicklungspolitische Bezug der Arbeiten sowie die kritische und selbstreflektierte Vorgehensweise der Verfasser*innen. Es wurden Arbeiten von 134 Schüler*innen aus 80 Schulen eingereicht, welche vom wissenschaftlichen Beirat des C3-Awards gesichtet und auf eine Shortlist von zehn nominierten Arbeiten reduziert wurden.
Die entwicklungspolitischen Organisationen ÖFSE, Baobab und Frauen*solidarität, die alle im C3 angesiedelt sind, organisierten und verliehen den Award. Moderiert wurde die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder von der Journalistin Anastasia Lopez. An ihrer Seite moderierte dieses Mal außerdem Layla Ahmed, deren VWA im letzten Jahr prämiert wurde. Musikalisch ausgezeichnet untermalt wurde der Abend ein abermals durch die Band Paradicso. 
Die Game-Changer von morgen.
Nach einer kurzen Begrüßung richtete sich der Geschäftsführer der Austrian Development Agency (ADA), Friedrich Stift, mit ein paar Worten an das Publikum. Er betonte, dass wir uns in einer von multiplen Krisen zerrütteten Zeit befänden. Neben der ökologischen Krisensituation nannte er den Krieg in der Ukraine sowie die Covid-19-Pandemie. Es sei wichtig, diese Ereignisse in internationalen Zusammenhängen zu denken und verwies dabei auf die besondere Rolle der Schüler*innen. Sie seien die „Game-Changer“ von morgen, und unsere Antworten auf die verschiedenen Krisen hingen wesentlich von ihrem Engagement und ihrer kritischen Perspektive ab. Anschließend sprachen die anwesenden Abgeordneten zum Nationalrat: Astrid Rössler (Grüne) hielt fest, dass sich die ausgewählten Arbeiten unter anderem durch ihre Ausrichtung entlang der SDGs ausgezeichnet hätten. Auch die jungen Verfasser*innen erklärten in kurzen zuvor aufgezeichneten Videobotschaften, welche der SDGs für ihre Arbeit am relevantesten gewesen wären. Petra Bayr (SPÖ) sprach über ihre Besorgnis angesichts der vielen Problemlagen – Klimakrise, Ausbeutung und Diskriminierung. Die eingereichten VWAs empfinde sie als Antriebskraft für ihre eigene politische Tätigkeit, weil sie sichtbar machten, in welchem Umfang junge Menschen sich ebenfalls mit diesen Themen auseinandersetzten. Yannick Shetty (NEOS) appellierte an die Schüler*innen, ihre Interessen und Fähigkeiten im politischen Engagement einzusetzen und sich in NGOs, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Vereinen zu betätigen; oder vielleicht sogar den Schritt in die Politik zu wagen.

Vielfalt bei der Themenwahl.
Die verschiedenen Arbeiten nahmen auf ganz unterschiedliche Weise Bezug zur entwicklungspolitischen Debatte. Die Themen reichten von Alltagsrassismus in Wien, über Landgrabbing in Äthiopien bis zu Extraktivismus in Peru. Es gab theorieorientierte Arbeiten über Feminismus und Entwicklungsparadigmen, während andere Verfasser*innen kulturelle oder lokale Schwerpunkte setzten. Auch die Themen Ernährungsunsicherheit, Ausbeutung und Formen der Unterdrückung wurden von den Schüler*innen bearbeitet.
Alle Verfasser*innen gaben jeweils kurze Interviews auf der Bühne. Darin erklärten sie, wie ihr Interesse an den Themen zustande gekommen war und wie sie sich im Schreib- und Rechercheprozess zurechtgefunden hatten. Außerdem ermöglichten sie dem Publikum wertvolle Einsichten über die gewonnen Erkenntnisse und daraus ableitbare Handlungsoptionen: Etwa Tipps für nachhaltigen Konsum oder die Aufforderung, selbstreflektiert über den eigenen kulturellen Horizont hinauszuschauen und so diskriminierendem Verhalten entgegenzuwirken.

Kritische Analysen: Alltagsrassismus, Neokolonialismus und Goldgewinnung.
Im Anschluss daran wurden die C3-Awards an drei der zehn nominierten Arbeiten verliehen. Yara Omar befasste sich in ihrer VWA damit, wie Alltagsrassismus im deutschsprachigen Raum in Erscheinung tritt und welche Auswirkungen er für Betroffene hat. Um Einblicke in die Denk- und Verhaltensweisen (jugendlicher) Betroffener zu erhalten, führte sie eine Umfrage durch. Als theoretischen Hintergrund für ihre Arbeit bezog sie Konzepte wie strukturellen, institutionellen und subtilen Rassismus ein und setzte sich auch kritisch mit der Praktik des „Racial Profiling“ auseinander. Dabei handelt es sich um eine Methode, bei der das äußerliche Erscheinungsbild von Personen als Entscheidungsgrundlage für polizeiliche Maßnahmen herangezogen wird. Margarete Kernegger (ehemalige Leiterin des Vorstudienlehrgangs der Wiener Universitäten), die die Arbeit vorstellte, betonte, dass Yara sich auf souveräne und gründliche Art und Weise einem Thema gewidmet habe, das in einer – immer noch von weißer (und männlicher) Dominanz geprägten Gesellschaft – unheimlich wichtig sei.

Die Frage, ob es sich bei der Praktik des Landgrabbing in Äthiopien um die Fortsetzung kolonialer Muster handelt, thematisierte Leonita Humaj in ihrer VWA. Dabei ging sie auch auf die Unterscheidung zwischen Kolonialismus und Neokolonialismus ein. Während bei ersterem Gewalt noch auf direkte Weise ausgeübt worden sei, werde im Neokolonialismus diese Gewalt eher indirekt hinter Gesetzen, Investments und finanziellen Abhängigkeiten verborgen. Das Ergebnis war jedoch in beiden Fällen dasselbe: Der Raub der Ressourcen der kolonisierten Bevölkerungen. Astrid Rössler (Abg. z. NR) lobte insbesondere die Veranschaulichung der Rollen von Regierungen, Banken, Fonds und anderen Institutionen als Akteur*innen innerhalb eines Systems neokolonialer Strukturen. Ihr zufolge seien starke Rechte für die Zivilgesellschaft, Lieferkettengesetze und faire internationale Verträge sowie eine verantwortungsvolle EU notwendig, um derartigen Missbräuchen entgegenzuwirken.

Die dritte, mit dem C3-Award ausgezeichnete VWA wurde von Zoe Gabbe verfasst. In ihr beschäftigte sie sich mit dem Goldabbau und dessen Auswirkungen in der Region Madre de Dios in Peru. Umfassend stellt sie dabei die negativen Folgen für die Umwelt und die Bevölkerung der Region dar und bezieht auch die soziale, ökologische und wirtschaftliche Dimension in ihre Auseinandersetzung mit ein. Vorgestellt wurde die Arbeit durch Andrea Eberl, Direktorin des österreichischen Lateinamerika-Instituts. Sie betonte zum einen die große Aktualität des Themas – der (oftmals illegale) Abbau von Gold stelle für viele Menschen eine wichtige Lebensgrundlage dar. Gleichzeitig herrschten jedoch aufgrund fehlender Regulierungen unmenschliche Arbeits- und Produktionsbedingungen. Ergebnis sind Ausbeutung der Arbeiter*innen und die wirtschaftliche Dependenz ganzer Regionen, die zudem unter verheerenden Konsequenzen für die Umwelt zu leiden hätten.

Ausklang und Ausblick.
Nachdem der offizielle Teil des Abends abgeschlossen war, blieben die Besucher*innen, Nominierten und Preisverleiher*innen noch im C3, um sich bei einem Glas Saft oder Sekt auszutauschen – ein entspannter Ausklang für einen Abend voller spannender Themen. Viele der Schüler*innen wissen zwar noch nicht, was sie in Zukunft machen werden. Es wurde aber deutlich, dass es eine ganze Menge junger Menschen gibt, die mit kritischem Blick die Entwicklungen in der Welt verfolgen.
