Ob Gender in der österreichischen und internationalen Klimadebatte ein Demokratieproblem sei dieser Frage widmeten sich die ReferentInnen des Podiums bei der Veranstaltung Klimaschutz braucht Frauenpower: Die Rolle der Frauen in der Klimapolitik.In der ersten Podiumsdiskussion stand Österreichs Beitrag zur nationalen und internationalen Klimapolitik im Blickpunkt. Am UN-Klimaprozess führt kein Weg vorbei, machte Gertrude Wollansky, Mitglied der österreichischen Cancun-Delegation für das Lebensministerium, deutlich. Die spezifische Rolle von Frauen fände in diesem Prozess allerdings mit Ausnahme von wenigen Bereichen wie Klimawandelanpassung und REDD+ (Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern; ein Bereich, in dem Österreich eine Vorreiterrolle zukommt) kaum Berücksichtigung.
Mit Karin Kadenbach, Abgeordnete im Europaparlament und langjährige SPÖ-Politikerin, stimmte Wollansky in der Aussage überein, dass Politik grundsätzlich frauenfeindlich gestaltet sei. Mut und Engagement nicht nur für den Beschluss von frauenfördernden Maßnahmen, sondern vor allem für deren Umsetzung seien gefragt, so Kadenbach. Besonders in Zeiten knappen Budgets sei das Bewusstsein der Bevölkerung für die Relevanz von Klimaschutz notwendig.
Frauen sind doppelt kein Thema
Nationalratsabgeordnete Judith Schwentner (Die Grünen) kritisierte, dass Klimapolitik und Gender-Mainstreaming in Österreich doppelt kein Thema sei und die Regierung die internationale Verantwortung durch drastische Budgetkürzungen de facto abgegeben habe. Sie forderte eine stärkere Vertretung von Frauen in allen entscheidungsrelevanten Gremien.
Bernhard Obermayr von Greenpeace kritisierte, dass die wirklichen Opfer der Auswirkungen des Klimawandels in den Debatten auf internationaler Ebene unsichtbar seien moralische Argumente hätten in den globalen Klimaverhandlungen keinen Platz. Geschlechterverhältnisse spielen ebenfalls kaum eine Rolle, obwohl die Gender-Dimension von Klimaschutz alle gesellschaftlichen Bereiche betreffe: So seien besonders klimaunfreundliche und hauptsächlich männerdominierte Sektoren wie Kohle und Stahl von Emissionsreduktionszielen ausgenommen, das durchschnittliche Mobilitätsverhalten österreichischer Männer sei umweltschädigender als jenes von Frauen (z.B. Flüge) und das Konsumverhalten geschlechtsspezifisch unterschiedlich (z.B. Fleischkonsum).
Angesichts der Tatsache, dass die weibliche Perspektive trotz ihrer zentralen Bedeutung in der internationalen Klimapolitik stark unterrepräsentiert ist, stellte Moderatorin Irmgard Kirchner (Südwind) die Frage nach der Qualität unserer Demokratie. Die DiskutantInnen führten die Situation eher auf die Sozialisierung von Geschlechterrollen als auf ein Demokratiedefizit zurück. Diskutiert wurde auch die Rolle von NGOs: Wie sich verhalten, wenn ihre Einbeziehung in die Klima-Verhandlungen einer Farce gleiche und die Politik gleichzeitig alibimäßig Verantwortung an sie abgebe? Obermayr betonte, dass die Präsenz von NGOs in den internationalen Klimaverhandlungen dennoch wichtig sei, da sie u.a. als ZeugInnen in der Lage seien Transparenz zu schaffen.
Bernhard Obermayr, Judith Schwentner, Irmgard Kirchner, Gertraud Wollansky, Karin Kadenbach
Starke Frauen für Klimaschutz in Österreich
In der zweiten Podiumsdiskussion kamen Frauen zu Wort, die in Österreich aktiv im Klimaschutz tätig sind. Eva Kail, Genderbeauftragte in der Baudirektion der Stadt Wien, sorgt in ihrem Berufsalltag dafür, dass städtebauliche Maßnahmen die Bedürfnisse von Frauen berücksichtigen. Damit werde nicht nur ein gleichberechtigter Zugang zur Verwendung öffentlicher Ressourcen verfolgt, sondern auch das Klima geschützt: Frauen planen kürzere Wege und verwenden mehr öffentliche Verkehrsmittel.
Theresia Vogel ist Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds, der klimarelevante Projekte fördert. Besonders im Technologiebereich, so Vogel, sei die Anzahl der Frauen, die um Fördermittel ansuchen, gering. In ihrem Bemühen, vermehrt Frauen als Evaluatorinnen zu gewinnen, habe sie bemerkt, dass Frauen mit gleicher Qualifikation sich oft weniger zutrauen als Männer.
Michaela Reitterer leitet das erste Null-Energie Stadthotel der Welt (Boutiquehotel Stadthalle). In ihrem Arbeitsumfeld sei Nachhaltigkeit weiblich beinahe alle ihre MitarbeiterInnen sind Frauen. Reitterer bekam Anfang November 2010 den Österreichischen Klimaschutzpreis verliehen.
Auch Eva Schobesberger ist Pionierin: Als erste Frauenstadträtin und erste weibliche Aufsichtsrätin in den Linzer Stadtwerken (LinzAG) müsse sie für viele Maßnahmen erst die notwendigen Grundlagen schaffen.
Gesetzlich verankerte Frauenquoten sahen die Diskutantinnen als Voraussetzung, nicht aber als Garantie für geschlechtergerechte Politik an. Freda Meissner-Blau meinte abschließend, dass wohl am sinnvollsten sei auf allen Ebenen diejenigen zu unterstützen, die bohren und sprach ihre Bewunderung für die Frauenpower dieser Veranstaltung aus.
Die Autorin ist Mitglied des online-Redaktionsteams des Freire Zentrums.
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