Welche Vorurteile habe ich selbst? Wie gehe ich damit um? Welche Strategien wurden im Umgang mit Vielfalt angewandt? Diese Fragen wurden im Workshop „Vielfalt und Antidiskriminierung“ vom Interkulturellen Zentrum bearbeitet. Neben einer sensiblen Auseinandersetzung mit Vielfalt und Diskriminierung wurde auch die individuelle Reflexion innerhalb gruppendynamischer Prozesse angeregt.
Der Workshop fand am 6. November 2013 im Interkulturellen Zentrum in Wien im Rahmen des Projekts „Vielfalt glokal“ statt. Dessen Ziel ist es, interkulturelle Begegnungen gelingend zu gestalten. Dies soll durch das Angebot kostenloser Workshops mit dem Fokus auf eine sensible Auseinandersetzung mit Diversität gefördert werden.
Als Einleitung stellte die Workshop-Leiterin Susi Bali von ZARA („Zivilcourage und Anti-Rassismus Arbeit“) die Tätigkeitsbereiche ihrer Organisation vor. ZARA ist eine Anlaufstelle für Opfer und ZeugInnen von Rassismus mit einem Fokus auf deren Rechtsberatung. Darüber hinaus leistet ZARA auch Präventionsarbeit und organisiert Trainings sowie Workshops, um die verschiedenen Formen von Rassismus zu bekämpfen und um die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren. Sie werden an die Anforderungen der Teilnehmenden angepasst und in unterschiedlichen Kontexten abgehalten.
Der Name, ein Auslöser für unbewusste Diskriminierung?
Der Workshop „Vielfalt und Anti-Diskriminierung“ begann mit einer Anfangsübung, bei der sich jedeR vorstellen und eine Geschichte zu seinem/ihrem Namen erzählen sollte. Diese Übung erwies sich als sehr interessant und als guter Einstieg in die Thematik. Erstens zeigte sich, dass mit dem Namen häufig bestimmte Vorstellungen und in Folge auch Vorurteile verbunden werden. Solche Vorstellungen beeinflussen unsere Gedanken und unser Handeln meistens unbewusst, Vorurteile werden so tagtäglich reproduziert. Zweitens kamen die Teilnehmenden bei dieser Einstiegsrunde zu der Erkenntnis, dass nicht jedeR mit ihrem/seinem Namen zufrieden ist, geschweige denn sich damit identifiziert. Ein Name wird einem Menschen gegeben und sagt nichts über dessen Persönlichkeit oder Charakter aus. Trotzdem haben wir Menschen oft bestimmte Assoziationen, wenn wir einen Namen hören. Die im Workshop diskutierten Namen waren: Kevin, Jennifer, Lukas und Anne-Sophie. Bei der Frage, welche der Namen wohl stärker mit Vorurteilen behaftet seien, war sich die Gruppe einig: Kevin und Jennifer. Die damit einhergehenden Benachteiligungen, das machte die Workshop-Leiterin deutlich, würden sich aber nicht nur auf Assoziationen beschränken, sondern auch Ausschlussmechanismen beinhalten. Zum Beispiel hätten es Anne-Sophie und Lukas leichter einen Job zu finden als Jennifer und Kevin.
Kategorisierung von Menschen
Bei der zweiten Übung sollte jedeR fünf Gruppen definieren, mit denen sie/er sich identifiziert. Susi Bali las daraufhin verschiedene Kategorien vor. Wenn sich die vorgelesenen Kategorien in den eigenen Gruppen wiederfanden, sollte man aufstehen und sich sozusagen „öffentlich“ dazu bekennen. Diese Übung zeigte den Teilnehmenden, dass bestimmte Bilder und Vorurteile oft erst durch die Benennung von Gruppen entstehen oder wahrgenommen werden. Im Workshop erwies sich unter anderem „Sexualität“ als eine Kategorie, die von vielen Menschen mit Vorurteilen belastet wird. Automatisch wurden die Personen, die sich als dieser Kategorie zugehörig bezeichneten, als homosexuell wahrgenommen. Diese vorschnelle Assoziation verdeckte den Blick darauf, dass es ganz andere Gründe geben kann, warum sich jemand mit diesem Stichwort identifiziert. Die Übung machte also deutlich, dass uns die eigenen Vorurteile oft nicht bewusst sind und stärkte darüber hinaus das Verständnis für diskriminierte Personen.
Was tun gegen die (un)bewusste Reproduktion von Vorurteilen?
Wieso gibt es Stereotype eigentlich? Stereotype seien gesellschaftliche Vorurteile, so Bali. Grob gesehen würden sie nur Informationen darstellen. Sie würden verwendet, wenn Wissen nicht vorhanden, aber gefragt ist. Rassistische Vorurteile seien für alle gleich zugänglich, weil sie von der Gesellschaft reproduziert würden. Die Workshop-Leiterin machte die TeilnehmerInnen auf alltägliche Ausschlussverfahren aufmerksam. Beispielsweise wies sie darauf hin, dass bei der Frage „Woher kommst du?“ auch immer die Annahme mitschwinge, dass „du nicht von hier bist“. Diese und andere Formen von oft ungewollter Ausgrenzung müssten in der interkulturellen Arbeit beachtet werden. Dabei betonte Bali auch, dass hinter solchen Fragen in den meisten Fällen gute Absichten, wie das Interesse am Gegenüber, seinem Leben, seiner Geschichte und „seinem Land“, stecken würden. Beim interkulturellen Lernen dürfe Vielfalt aber nicht hervorgehoben, sondern es müsse damit gearbeitet werden. Obwohl wir alle vielfältig seien, sollten wir uns trotzdem über Gemeinsamkeiten definieren.
Ein Instrument zur Reflexion
Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit ermöglichte der Workshop durch die Gruppenübungen auch einen Erfahrungsaustausch. Die vielen praktischen Übungen gaben den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich selbst einzubringen und regten zugleich zum kritischen Nachdenken über das eigene Verhalten und die eigenen Vorurteile an. Susi Bali leitete strukturiert und klar durch den Workshop. Die spannende Gestaltung führte dazu, dass die Teilnehmenden durchgehend aufmerksam und interessiert blieben. Die Bemühungen der Leiterin und der Veranstalterin waren sichtbar: Die Vermittlung der Workshop-Inhalte lag ihnen am Herzen. Die sensible Auseinandersetzung mit Vielfalt wurde aktiv gefördert. Die TeilnehmerInnen konnten sich mit der Entstehung von Vorurteilen beschäftigen und im selben Moment die Auswirkungen von Diskriminierung erarbeiten, während sie ihre eigene Position in solchen Prozessen analysierten. Eine Mischung, die zum Nachdenken über das eigene Handeln und die eigenen Gefühle im Zusammenhang mit Vorurteilen anregt.
Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.