Workshop 18: Der etwas andere virtuelle Spaziergang.

Welche alternativen Orte des bewussten Konsums gibt es? Warum braucht es sie? Am zweiten Tag der Entwicklungstagung setzten sich die TeilnehmerInnen von Workshop 18 mit diesen Fragen auseinander und begaben sich mit Lisa Weichsel (Südwind Steiermark) auf einen virtuellen Rundgang durch Graz.

Den Alternativen auf der Spur.

Die Referentin eröffnete den Workshop, indem sie die Teilnehmenden dazu aufforderte, sich aus der Mitte des Raumes „Werbeflyer“ zu alternativen Initiativen in Graz auszuwählen. Lisa Weichsel hatte die Flyer bei einem Spaziergang durch Graz eingesammelt. Sie unterteilte folgende Kategorien: Öffentlicher Raum, Lebensmittel, Textilien und Informationstechnik (im Workshop sollte vor allem Lebensmittelkonsum in den Fokus genommen werden). In einem nächsten Schritt tauschten sich die TeilnehmerInnen über die Werbeflyer und die Herausforderungen eines bewussten Konsumverhaltens aus.

Bewusster Konsum von Lebensmitteln – leichter gesagt als getan?

Zunächst diente eine sogenannte Barometerdiskussion dazu, die persönlichen Einstellungen der Teilnehmenden zu Aspekten des Lebensmittelkonsums aufzuzeigen. Hierzu legte die Referentin die zwei Antwortmöglichkeiten „stimme zu“ und „stimme nicht zu“ im Raum aus, las  Aussagen zum Konsum von Lebensmitteln vor und die TeilnehmerInnen positionierten sich hinsichtlich ihrer eigenen Meinung nahe einer Antwortmöglichkeit. Dieses Format bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre individuellen Erfahrungen zu einzelnen Aspekten darzustellen und zu diskutieren.

Der Aussage, man würde beim Kauf von Obst und Gemüse immer auf das Herkunftsland achten, stimmten beispielsweise die meisten TeilnehmerInnen zu. Nicht alle hingegen probieren gern neue Produkte aus, sondern bleiben eher konventionell bei einer Sache. Im Hinblick auf den Einfluss von Werbung auf das eigene Kaufverhalten ertappten sich einige dabei, auf Schnäppchenangebote reinzufallen. Die Verpackung spiele für die meisten bei der Kaufentscheidung eine wesentliche Rolle, jedoch sei es bei diesem Aspekt nicht immer möglich, ökologische Alternativen zu unterstützen. Manche Lebensmittel bräuchten zum Beispiel aus hygienischen Gründen eine nach Vorschriften festgelegte Verpackung und nicht alles lasse sich ohne Verpackung erwerben, so die Teilnehmenden. Nichtsdestotrotz sei die Verpackung beim Lebensmittelkonsum von zentraler Bedeutung.

Spannungsgeladen war auch die Frage: „Wie oft muss ich Lebensmittel wegen des Ablaufdatums wegschmeißen?“ Die Mehrzahl der TeilnehmerInnen stimmte nicht zu. Nachdem die Referentin Beispielstudien zum Ablaufdatum von Joghurts vorstellte, argumentierten einige, es sei erschreckend, dass man Studien brauche, um darüber zu entscheiden, was für einen selbst noch genießbar sei oder nicht. Es gebe zahlreiche Möglichkeiten für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln, jedoch stoße man als VerbraucherIn an Grenzen, argumentierten die Teilnehmenden. Beim Konsum von Lebensmitteln spielen unzählige Aspekte eine Rolle, so die Referentin. Zentral  seien hierbei die Kommerzialisierung von Lebensmitteln, unzählige Werbeanreize, die Problematik der hohen Preise von bio-regionalen Produkten, die eigenen Ressourcen und Kapazitäten für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln beziehungsweise das Wissen über Möglichkeiten alternativen Konsums.

Alternative Orte des bewussten Konsums in Graz.

In diesem Sinne ging Lisa Weichsel unter Verwendung von „Googlemaps“ ihren Spaziergang durch Graz nach, auf den Spuren der Orte eines bewussten Konsums. Der „Samen Köller“ zum Beispiel, biete ein umfangreiches Sortiment von Saatgut an. Des Weiteren gebe es  in Graz einige Urban Gardening Projekte, die von der Stadt Graz unterstützt werden. Ein nächster Halt des Spaziergangs war  im „Gramm“, dem sogenannten ersten verpackungsfreien Supermarkt in Graz. Als Schwierigkeit für diese Supermärkte erweise sich die verpackungsfreie Zulieferung, so Weichsel. Es müssen gewisse Hygienekriterien erfüllt werden, die ein Verzichten auf Glas oder Papier als Verpackung nicht ermöglichen. In diesem Zusammenhang verwies  Weichsel auf eine neue Initiative vom „Gramm“: „Refill Graz“. Dahinter verberge sich ein Aufkleber für Lokale, Geschäfte etc., der dazu einlade, die eigene Trinkflasche auffüllen lassen zu können. Man spare Geld sowie Müll und schone die Umwelt. Beim Verein „PANE“ könne man gutes Brot von gestern erwerben, erklärte die Referentin beim nächsten Zwischenstopp und ließ die Teilnehmenden ein Stück kosten. Es waren sich alle einig, dass das alte Brot von guter Qualität sei.

Nicht nur bewusst essen, sondern auch fair kleiden.

Graz biete eine Vielfalt an alternativen Projekten an, so Weichsel. Auch im Textilbereich finde man Kampagnen, die den bewussten Konsum von Bekleidung fördern, oder Zertifikate, die faire Kleidung kennzeichnen sowie den Blog „Globales T-Shirt Graz“, der sich mit Fragen zu sozial-ökologischen Aspekten im Textilbereich auseinandersetze: Was passiert nachdem ich ein T-Shirt gekauft habe? Außerdem verwies Lisa Weichsel auf eine von ihr erstellte Linkliste, in der sie weitere  Initiativen zahlreicher anderer Kategorien sammle. Sie lud die Teilnehmenden dazu ein sich die Liste anzuschauen und zu vervollständigen. Ganz nach dem Motto: „Let it Grow!“

Die TeilnehmerInnen des Workshops waren sich darüber einig, dass ein bewusster Konsum für sozial ökologische Transformation erforderlich sei. Trotz Schwierigkeiten, wie zum Beispiel der verpackungsfreien Zulieferung von Lebensmitteln, gebe es zahlreiche Möglichkeiten alternative Räume für bewussten Konsum zu schaffen und zu unterstützen. Der virtuelle Stadtspaziergang zeigte, dass Graz bezüglich alternativer Orte des bewussten Konsums schon breit aufgestellt sei.

 

Die Autorin ist Mitglied im Online-Redaktionsteam. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


 

Weiterführende Links: 

– Zur Seite der Entwicklungstagung: www.entwicklungstagung.at

– Zu weiteren Artikeln über die Tagung: https://www.pfz.at/list193.htm

 


 

Fotos: Fabian Franta © Paulo Freire Zentrum 

Veröffentlicht in Dokumentation, Entwicklungstagung 2017, Sozial-ökologische Transformationen.