Forum 5: Die Nachhaltigkeitsziele – Ein Masterplan für die sozial-ökologische Transformation?

Das Forum 5 der Entwicklungstagung 2017 beschäftigte sich mit den Nachhaltigkeitszielen und der Frage, ob diese einen Masterplan für die sozial-ökologische Transformation darstellen könnten. Fragen der Implementierung, Finanzierung und möglicher Koalitionen standen im Zentrum der Diskussion.

Das vierstündige Forum bestand aus drei Teilen. Zu Beginn gaben die ReferentInnen eine kurze Einführung zu den Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals), worauf der interaktive Part, Diskussionen im World Café-Setting, folgte. Zum Schluss stellten die unterschiedlichen World Café-Gruppen die drei wichtigsten Punkte ihrer Reflexion vor.

Die Nachhaltigkeitsziele – Einführung und Überblick.

Daniel Bacher (Dreikönigsaktion) beschrieb zu Beginn seines Vortrags den Entstehungskontext der Nachhaltigkeitsziele und hob hierbei die Finanzkrise von 2007/08, die wesentlich zu steigender globaler Ungleichheit beigetragen habe, und den Arabischen Frühling hervor. Außerdem nahm er Bezug auf die verschiedenen Sphären der Ziele: Biosphäre, Gesellschaft, Wirtschaft sowie Frieden und Sicherheit. Hinsichtlich der Implementierung sei zu erwähnen, dass es viele verschiedene Betrachtungsweisen gebe und demnach auch unterschiedliche Wege und Ansätze, die Ziele zu realisieren.

Jakob Mussil (AG Globale  Verantwortung) widmete sich daraufhin der Frage, wie man mit den Nachhaltigkeitszielen fortfahren sollte. Dies hänge zu einem großen Teil von den einzelnen Ländern ab und was diese machen beziehungsweise nicht machen. Zum Fall Österreich meinte er, dass man hier einen sogenannten „Mainstreaming“-Ansatz verfolge. Das bedeute, dass man reguläre national-politische Rahmenbedingungen nutze, um mit den Nachhaltigkeitszielen zu arbeiten. Es gebe zwar eine interministerielle Arbeitsgruppe, so Mussil, diese verfüge aber über keine der notwendigen Kompetenzen, die es zur Umsetzung der Ziele bräuchte.

Fritz Hinterberger (Sustainable Europe Research Institute) sprach schließlich von der Möglichkeit, durch die Nachhaltigkeitsziele unterschiedliche Bewegungen zu verbinden, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Zusätzlich thematisierte er die Rolle der Medien und die Notwendigkeit, ein anderes Narrativ zu finden. Bislang decke die herkömmliche Berichterstattung die Nachhaltigkeitsziele oder den Klimawandel kaum ab. Werden doch Themen des Nachhaltigkeitsdiskurses behandelt, würden diese nur im Wissenschaftsteil aufscheinen, nicht jedoch unter „Internationales“ oder „Gesellschaft“.

Tessa Khan (Climate Litigation Network) betonte in  ihrem Part die finanziellen Herausforderungen bei der Umsetzung. Aus persönlicher Erfahrung wisse sie, dass das fehlende Budget eines der größten Probleme für die Nachhaltigkeitsziele darstelle. Um alle Ziele zu erreichen, brauche es fünf bis sieben Billionen Dollar jährlich – von dieser Summe sei man in der Realität aber weit entfernt.

Beatriz Rodríguez Labajos (Universität Barcelona) gestaltete das Ende der Einführung. Ihr Vortrag beschäftigte sich primär mit den Grenzen der Nachhaltigkeitsziele und Alternativen für eine sozial-ökologische Transformation. Hinsichtlich der Grenze müsse man immer globale Ungleichheit und das Vermächtnis des Kolonialismus mitdenken. Auch gebe es eine Kollision der verschiedenen Visionen zur Entwicklung der Nachhaltigkeitsziele.

Diskussion und Reflexion im World Café.

Der interaktive Teil des Forums wurde nach der World Café Methode gestaltet. Hierbei teilten sich die TeilnehmerInnen in vier Gruppen, die sich im Kontext der Nachhaltigkeitsziele je einem bestimmten Thema widmeten. Dieser Rahmen erlaubte es, im kleinen Kreise zu reflektieren und zu diskutieren. Durch die gegenseitige Unterstützung konnten neue Perspektiven eröffnet und alternative Herangehensweisen konstruiert werden.

Die erste Gruppe stand unter dem Titel „Synergies and Trade-offs“ (dt.: Zusammenspiel und Ausgleich). Laut den DiskutantInnen fehle es bei der Implementierung an spezifischer Führung, da sich diese auf einem eher allgemeinen Level befinde. Da alle Ziele miteinander verbunden seien, gebe es aber auch eine Chance für interinstitutionelle Strategien. Diese Verflechtung könne genutzt werden, um politische Maßnahmen hinsichtlich ihres Beitrags zu den Nachhaltigkeitszielen zu priorisieren.

In Bezug auf Partnerschaften sei es wichtig, gegebene Machtverhältnisse mitzudenken, waren sich die TeilnehmerInnen der zweiten Gruppe einig. Man müsse Strategien und Instrumente finden, um diese Machtverhältnisse zu überwinden. Zusätzlich brauche man Räume, in denen die Zivilgesellschaft und die akademische Welt auf Augenhöhe miteinander arbeiten und kooperieren können – wichtig sei die Gleichberechtigung aller InteressenvertreterInnen.

Nord-Süd Beziehungen auf Augenhöhe.

Die dritte Gruppe befasste sich mit der Problematik des globalen Nord-Süd-Gefälles. Staaten des  Nordens müssen Verantwortung für die durch Outsourcing entstandenen Konsequenzen in Staaten des globalen Südens übernehmen und versuchen, auch dort ihre Emissionen zu reduzieren. Außerdem solle Wissensaustausch in einer gleichberechtigten Art und Weise stattfinden. Hierbei dürfe man nicht vergessen, dass man von der Zivilgesellschaft genauso lernen kann wie von der Wissenschaft.

Die vierte Gruppe beschäftigte sich mit Daten, Kontrolle und politischen Narrativen. Man dürfe die Eignung der erhobenen Daten nicht unhinterfragt annehmen, solle sich stärker auf qualitative Indikatoren fokussieren und methodologische Weiterentwicklung anvisieren. Auch müsse man die Kommunikation zwischen der breiten Öffentlichkeit und den politischen EntscheidungsträgerInnen sowie deren Transparenz verbessern.  

Dieser Nachmittag voller Reflexion, Diskussion und gemeinsamen Lernen lies trotz allem, oder gerade deshalb, einige Fragen unbeantwortet: Wie sieht der tatsächliche Einfluss der SDGs auf politische Entscheidungen aus? Welche Ziele und Strategien für alternative Kooperationsformen sollen priorisiert werden? Auf dem Weg zum Masterplan für sozial ökologische Transformation bedarf es wohl noch einiger klärender Worte. 

 

Die Autorin ist Mitglied im Redaktionsteam des Paulo Freire Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


 

Weiterführende Links: 

– Zur Seite der Entwicklungstagung: www.entwicklungstagung.at

– Zu weiteren Artikeln über die Tagung: https://www.pfz.at/list193.htm

 


 

Fotos: Fabian Franta © Paulo Freire Zentrum

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik, Dokumentation, Entwicklungstagung 2017, Sozial-ökologische Transformationen.