In Vorbereitung der österreichischen Entwicklungstagung 2005 fand am 17. September 2005 in Ried im Innkreis ein Workshop statt.
Rund 50 TeilnehmerInnen fanden sich im Rieder Bildungszentrum St.
Franziskus ein, um unter dem Titel "Patente machen hungrig" über die
Zusammenhänge weltweiter Nahrungsmittelproduktion, den Hunger in der
Welt und die Patentierung bäuerlichen Wissens zu diskutieren.
(Foto: Welthaus Linz.)
Am Beginn
stand ein "Bingo-Spiel", das in erster Linie dem Kennenlernen diente.
Jeder/jede der TeilnehmerInnen musste mit Hilfe der anderen diverse
Fragen zum Thema des Workshops beantworten, auf die im Laufe des
Nachmittags noch näher eingegangen werden sollte.
Hunger Ursachen und Gegenstrategien
Markus Göschlberger vom Welthaus der Diözese Linz präsentierte einen Überblick. 842 Millionen Menschen leiden an chronischem Hunger. 20 Prozent der Weltbevölkerung besitzen 80 Prozent des weltweiten Reichtums. Diese Verteilungssituation steht auch für die politische Machtverteilung. Die Ursachen des Hungers seien sowohl in den jeweiligen Ländern selbst, als auch im internationalen Kontext zu betrachten, argumentierte Göschlberger. Dabei dürften im Zuge einer Analyse Kriege, ungerechte Landverteilung und Naturkatastrophen genauso wenig außer Acht gelassen werden wie die Verschuldungsproblematik und Umweltprobleme, die mit dem Anbau von Monokulturen entstünden. Die Lösungsansätze des Welthauses: fairer Handel statt Freihandel, Lobbyarbeit, nachhaltige/biologische Landwirtschaft, Biodiversität, Schuldenerlass sowie Projektunterstützung.
Abhängigkeit durch Patentierung
Der Hauptreferent Josef Hoppichler, Bundesanstalt für Bergbauernfragen,
beschäftigt sich seit den späten 1980er Jahren mit den Auswirkungen der
Gen- und Biotechnologie auf die Landwirtschaft. Fragen der Patentierung
von Pflanzen und Tieren und ihre Auswirkung auf Entwicklungsländer
seien dabei von großer Bedeutung. Im Laufe der letzten Jahrzehnte seien
Patente, die sich anfänglich auf technische Innovationen bezogen
hatten, auch auf landwirtschaftliche Kulturarten angemeldet worden.
(Josef Hoppichler, Foto: Welthaus Linz.)
Wirtschaftlich unterentwickelte Länder gerieten dabei in eine systematische Abhängigkeit von der Technologieführerschaft und Marktmacht des "Nordens". Der aufgezwungene Anbau von wenigen Hochertragssorten (cash crops) in Ländern des Südens verschlechtere die Lage von Subsistenzbauern/-bäuerinnen. Dezentrale traditionelle Züchtung, die sich an die Bedingungen der jeweiligen Region anpasse, werde immer mehr an den Rand gedrängt. Somit sei die Selbstversorgung mit Saatgut gefährdet, was Hunger und Unterernährung nach sich ziehe. Um die praktischen Auswirkungen von Pflanzenpatenten im Zusammenhang mit "Biopiraterie" zu illustrieren, nannte Josef Hoppichler das Beispiel des Basmati-Reises. Dieser werde seit Generationen von Bauern/Bäuerinnen in Indien und Pakistan angebaut. 1997 habe die Firma Rice-Tec (USA) Kreuzungen von 22 Basmati-Reislinien patentiert, die in dieser südasiatischen Region seit jeher gezüchtet worden seien. Die Aneignung der Herkunftsbezeichnung "Basmati" durch Rice-Tec habe den Exportmarkt und somit auch die Existenz von tausenden Menschen des traditionellen Anbaugebiets gefährdet. Im September 2000 seien auf Druck Indiens Teile des Patents zurückgenommen worden.
Um die Inhalte der beiden Vorträge zu reflektieren, bildeten sich mehrere Gesprächsgruppen, deren Fragen anschließend von den Referenten beantwortet wurden. Im Vordergrund stand dabei das Gefühl der Ohnmacht in Bezug auf persönliche Handlungsmöglichkeiten jedes/jeder Einzelnen sowie die Perspektiven für die Zukunft.
Der letzte Programmpunkt bot Gelegenheit, nähere Informationen über das Welthaus Diözese Linz und die KooperationspartnerInnen der Veranstaltung zu erhalten. Diese gaben einen Überblick über ihre Zielsetzungen und präsentierten gegenwärtige sowie vergangene Projekte. Eine BioFaire Jause und das Kabarett "Bei meiner Ehr Über das Leben eines Biobauern" mit Erwin Klaffenböck bildeten einen unterhaltsamen Abschluss des Workshops.