Landwirtschaft in Uganda

Am 7. und 8. Mai 2008 fand in Kampala (Uganda) die von Horizont3000 organisierte Vorveranstaltung zur 4. Österreichischen Entwicklungstagung statt. Dabei wurden Absicht, Möglichkeiten und Wege einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Entwicklung in Ostafrika diskutiert.Mit 43 Prozent des Bruttoinlandproduktes macht der Agrarsektor einen bemerkenswert hohen Anteil ostafrikanischer Ökonomien aus. Ein Großteil der Bevölkerung Ostafrikas ist dementsprechend von der Landwirtschaft abhängig. Zugleich sind immer mehr Menschen in der Region von Mangel- und Fehlernährung betroffen. So skizzierte Frederick Musisi Kabuye Direktor des Africa-2000-Networks in seiner Eingangsrede den Hintergrund des auf der Konferenz geführten Diskurses. Aus der enormen Bedeutung der landwirtschaftlichen Produktion in Ostafrika zog er den Schluss, dass eine Steigerung der Produktivität in diesem Bereich unumgänglich sei, wenn das in den Millenium Development Goals formulierte Ziel, bis 2015 die Zahl von Armut betroffener Menschen zu halbieren, erreicht werden soll. Darauf basierend drehten sich die Beiträge und Diskussionen der Konferenz auch primär um die Frage, wie ein entsprechender Produktivitätszuwachs und eine erhöhte Wertschöpfung zu erzielen und im Kontext des Konzepts der sozialen und umweltbezogenen Nachhaltigkeit zu gestalten seien. Überlegungen bezüglich Infrastruktur, Marktzugang, Technologie und Know-How, das Potential biologischer und konventioneller Produktionsweisen und der Gentechnik sowie die politische Partizipation und Organisation der ostafrikanischer Kleinbauern und bäuerinnen standen im Zentrum der Konferenz-Agenda.

Gruppenfoto.kl.gif Gruppenfoto in Kampala (Foto von: Horizont3000)

Probleme identifizieren, Lösungen erarbeiten

Dass ein zentrales Hindernis für die unternehmerischen Bestrebungen von Bauern und Bäuerinnen im Mangel an Infrastruktur im ländlichen Raum besteht, war eine der grundlegenden Feststellungen der KonferenzteilnehmerInnen. Der Ausbau von Straßen- und Eisenbahnnetzen sowie der Versorgung mit Elektrizität in ländlichen Gebieten wurde dementsprechend auch von Godfrey Bahiigwa, dem Vertreter der ugandischen Agrarbehörde, als eine der Kernaufgaben ostafrikanischer Regierungen identifiziert. Darüber hinaus wurde die bisher nur wenig wirksame Praxis landwirtschaftlicher Beratung problematisiert und eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen erarbeitet, um diese besser auf die Bedürfnisse der Bauern und Bäuerinnen abzustimmen, ihnen brauchbares Know-How zum Agieren auf Märkten zur Verfügung zu stellen und Wege für einen effizienten und fairen Technologietransfer zu eröffnen.

Aber nicht nur in den Händen der Regierung und NGOs liege die Verantwortung diese Probleme anzupacken, stellte Alastair Taylor regionaler Manager der unabhängigen Beratungsorganisation für biologische Landwirtschaft AgroEco fest. Er unterstrich die Notwendigkeit für Kleinbauern und -bäuerinnen sich zur Vertretung ihrer gemeinsamen Interessen langfristig zu organisieren, um ihre Anliegen gegenüber staatlichen Behörden nachdrücklich sichtbar zu machen und Politik aktiv mitgestalten zu können. Diesbezüglich gebe es dringenden Handlungsbedarf, weil bisherige Kooperationen aufgrund mangelnder gemeinsamer Visionen meist rasch wieder zerbrochen seien.

Biolandbau Hoffnungsträger oder Sackgasse?

In Bezug darauf, dass eine zunehmende Integration von Kleinbauern und bäuerinnen in die Dynamik unterschiedlicher Märkte von der lokalen bis zur internationalen Ebene grundsätzlich notwenig sei, bestand unter den ReferentInnen weitgehender Konsens. Hinsichtlich des Potentials der biologischen Landwirtschaft für eine dementsprechende landwirtschaftliche Entwicklung schieden sich allerdings die Geister. Einer der Hauptreferenten Brian Ssebunya betonte nicht nur das Potential regionaler Märkte und Kooperationen in Ostafrika, sondern auch die Chancen durch den Ökolandbau: die Notwendigkeit niedriger Inputs, die Diversität der Produktion und die leichte Anpassbarkeit traditioneller kleinbäuerlicher Produktionssysteme an die biologische Wirtschaftsweise. Im Vergleich zu konventionellen Märkten sei außerdem die Dominanz von großen multinationalen Konzernen im Biosektor bisher weitaus geringer. Während auch Kabuye die biologische Landwirtschaft als eine der bedeutendsten, Wachstum versprechenden unternehmerischen Möglichkeiten für Kleinbauern und -bäuerinnen betrachtet, ist aus Sicht der Referentin Rita Laker-Ojok besonders vor dem Hintergrund der globalen Nahrungsmittelkrise im Jahr 2008 anzuzweifeln, wie sinnvoll es ist, auf den Ökolandbau als Zukunftshoffnung für afrikanische Länder zu setzen. Zwar seien bisher durchaus Profite am Bio-Markt zu erzielen gewesen, es handle sich aber um einen Nischenmarkt, der nicht überschätzt werden solle. Und schließlich sei die biologische Produktion für den Export weder in sozialer noch in ökologischer Hinsicht nachhaltig. Zum Einen, weil zur Ernährung der stark wachsenden ostafrikanischen Bevölkerung eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion basierend auf dem Einsatz anorganischer Dünger und gentechnisch verbesserten Saatguts nötig sei. Zum Anderen, weil die hohen Umweltkosten von Transport und Verpackung der für den Export bestimmten, biologischen Lebensmittel zu berücksichtigen seien. In Analogie zu dieser Auseinandersetzung herrschte auch in Bezug auf Diskussionen rund um die Gefahren und Chancen durch Gentechnik Unsicherheit, die sich auf die Frage zuspitzte, welche Priorität ökologischen Bedenken einerseits und sozialen Anliegen und Ernährungssicherheit andererseits zugesprochen werden soll.

Gerade durch derartige Auseinandersetzungen haben OrganisatorInnen, ReferentInnen und engagierte TeilnehmerInnen einen Reflexionsraum geschaffen: ebenso zur Konfrontation mit offenen Fragen und Widersprüchlichkeiten in Bezug auf die nachhaltige Gestaltung landwirtschaftlicher Entwicklung in Ostafrika, sowie zur gemeinsamen Erarbeitung und Formulierung von Lösungsansätzen, Politikvorschlägen und Visionen.

Zur auf der Konferenz formulierten Botschaft an Österreich.

Weitergehende Informationen inklusive detaillierter Dokumentation der Konferenz.

Deutsprachige Übersetzung der Dokumentation: Vortagung in Uganda – Konferenzbericht

 

Die Autorin ist Studentin der Kultur- und Sozialanthropologie und Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.