Eigentum versus Menschenrechte Globales Lernen am Beispiel Eigentum

Karin Thaler und Hildegard Hefel von Baobab verdeutlichten in ihrem
Workshop bei der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung die
Theorie des globalen Lernens am Beispiel Eigentum.
Die etwa 30 TeilnehmerInnen des Workshops sahen sich schon beim Betreten des Hörsaals der Universität Linz mit den Widersprüchen des Themas Eigentum konfrontiert. Die Workshopleiterinnen Karin Thaler und Hildegard Hefel von der entwicklungspolitischen Bildungs- und Schulstelle Baobab hatten kontroversielle Zitate auf Plakate geschrieben und an den Wänden des Kursraumes festgemacht. "Etwas muss er sein Eigen nennen, oder der Mensch wird morden und brennen." Muss er das wirklich oder trifft womöglich genau das Gegenteil zu: "Ist Eigentum Diebstahl"? Einige würden vielleicht sagen: "Das Streben, seine Wünsche nach Besitz zu befriedigen, heißt Feuer mit Stroh löschen" und für andere gilt wiederum: "Der Besitz interessiert mich überhaupt nicht. Was mich interessiert, ist das Verfügungsrecht über den Besitz."

Was die TeilnehmerInnen in diesem Workshop definitiv interessierte, war die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Eigentum in all seinen unterschiedlichen Bedeutungsformen und den allgemeinen Menschenrechten gestaltet. So facettenreich und spannungsgeladen diese Diskussion war, so abwechslungsreich war auch die Art und Weise, mit der wir uns der Thematik genähert haben.

Globales Lernen

Karin Thaler und Hildegard Hefel waren bemüht, im Rahmen unseres gemeinsamen Nachmittags die Theorie des Globalen Lernens am Bespiel "Eigentum" zu verdeutlichen. Demzufolge geht es darum interdisziplinäre, interaktive und kooperative Lehr- und Lernmethoden anzuwenden, die sowohl handlungs- als auch erfahrungsorientiert sind. Ziel soll es sein, die Fähigkeiten für gesellschaftliches Engagement zu fördern. Und eine gehörige Portion Engagement stand auch im Mittelpunkt unserer Arbeit.

Was ist Eigentum?

Zu Beginn des Workshops war es die Aufgabe der TeilnehmerInnen, sich die an die Wand geklebten Zitate (siehe oben) durchzulesen und jenes auszuwählen, das am ehesten der eigenen Vorstellung von Eigentum entspricht. In Kleingruppen wurde dann über Inhalte, Probleme und Alternativen nachgedacht. Schon bald stellte sich heraus, dass bei all den Teilwahrheiten, die in den einzelnen Zitaten stecken, die Realität viel komplexer ist, als dass man sie mit einem einzigen Satz fassen hätte können. Besonders schwierig erscheint der Drahtseilakt zwischen dem Recht auf Eigentum und dem Zeitpunkt, ab dem Eigentum in Habgier, Konsumwahn und die Unterdrückung anderer übergeht.

Eigentum und Menschenrechte

In Artikel 17 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es "Jeder Mensch hat allein oder in der Gemeinschaft mit anderen das Recht auf Eigentum. Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden." Dieser fundamentale Grundsatz war Denkanstoß für weitere Überlegungen:
Wieviel Eigentum/Besitz braucht der Mensch? Was ist notwendig und was bereits Luxus bzw. Überfluss? Macht Eigentum selbstständig oder abhängig? Ist das Streben nach Besitz ein universelles Phänomen? Und welche Verantwortung zieht Besitz nach sich? Das sind nur einige Fragen, die bei der Präsentation der Gruppenergebnisse aufgeworfen und anhand von anschaulichen Plakaten den restlichen TeilnehmerInnen näher gebracht wurden. Einigkeit herrschte über den Umstand, dass die Befriedigung materieller Wünsche meist nur zur Erweckung neuer Sehnsüchte führt. Wichtig sei es auch zu hinterfragen wie Eigentum oder Besitzverhältnisse zustande kommen bzw. wie diese aufrechterhalten werden. Denn Besitz ist unmittelbar mit der Frage von Macht und Herrschaft verwoben und sollte nicht losgelöst davon betrachtet werden. Zeit für eine anschließende Diskussion der Beiträge blieb leider keine.

Eigentum im globalen Kontext

Nach der Pause wurde erneut in Kleingruppen gearbeitet. Kurze Filmausschnitte bildeten jeweils den thematischen Einstieg für die nächste Aufgabenstellung. Unterteilt in vier Arbeitsgruppen sollten sich die WorkshopteilnehmerInnen ihr Wissen über zentrale Eigentumsfragen im globalen Kontext mit Hilfe von zur Verfügung gestellten Broschüren, Artikeln und Statistiken selbst erarbeiten. Folgende Bereiche, die entweder direkt oder indirekt an Eigentumsverhältnisse geknüpft sind, standen zur Auswahl:

Das Menschenrecht auf Ernährung und Land: Landlosigkeit im Spannungsfeld von Enteignungen und Ernährungssouveränität
Das Menschenrecht auf Wasser: Öffentliche Güter im Spannungsfeld von Privatisierung, Liberalisierung und Allgemeingut
Das Menschenrecht auf Schutz vor ausbeuterischer Arbeit: Frauenarbeit im Spannungsfeld von informeller Wirtschaft, Freihandelszonen und Arbeitsrechten
Das Menschenrecht auf Schutz vor Menschenhandel: Fußball im Spannungsfeld von Wirtschaft, Menschenhandel und Menschenrechten.

Die gemeinsame Aufgabenstellung lautete, das jeweilige Thema in den unterschiedlichen Spannungsverhältnissen zwischen individuellen, kollektiven, industriellen und staatlichen Interessen zu beleuchten. Als zusätzliches Element wurde dann noch die internationale Akteursebene hinzugefügt um die globale Vernetzung aufzuzeigen. Am Ende des Workshops sollten die Ergebnisse der Gruppe dargestellt werden. Die Form der Präsentation blieb jedem selbst überlassen und so entstand schlussendlich eine kreative und spannende Umsetzung der erarbeiteten Themen ganz im Sinne des globalen Lernens. Neben mündlichen Präsentationen mit anschaulichen Plakaten, wurde auch versucht, aktuelle Menschenrechtsfragen in Form von kleinen Theaterspielen zu veranschaulichen. Auch wenn sich Dinge in der Realität nicht so einfach und widerstandslos verändern lassen, kamen die TeilnehmerInnen des Workshops jedoch zu dem Schluss, dass besonders Initiativen wie Clean Clothes die Öffentlichkeit durch ihre Kampagnen wachrütteln können und so durch den Druck der KonsumentInnen Unternehmen zu Veränderungen drängen können. Dem Engagement und Ideenreichtum der TeilnehmerInnen ist der Erfolg des Workshops wohl ebenso zu verdanken wie den spannenden und gut recherchierten Imputs, die sie von Seiten der WorkshopleiterInnen erhalten haben.


Die gesammelte Nachbetrachtung der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung finden Sie hier.

Die Autorin ist Studentin der Ethnologie und Politikwissenschaft.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.