Auf kolonialen Pfaden

In Kamerun legten Anfang Januar die PalmpflückerInnen einer Plantage in
Kribi ihre Arbeit nieder, nachdem ihr Kollege Agbor Mikaël von lokalen
Ordnungskräften entführt worden war.
Mikaël war Verhandlungsführer bei den geforderten Lohnerhöhungen gegenüber dem Plantagenbetreiber Socapalm. Nachdem die lokale Bevölkerung ihr Land vor Jahren an die Palmölbarone verloren hatte, heuerte Socapalm die ArbeiterInnen aus einer entfernten Region an. Entsprechend schwierig gestalteten sich die Lohnforderungen der PflückerInnen, die als ungebetene GastarbeiterInnen von den Behörden ignoriert werden und wenig Rückhalt in der lokalen Bevölkerung haben.

Palmölplantagen wie die von Socapalm wachsen in Kamerun dank finanzieller Unterstützung von IWF und Weltbank. Zusammen mit der belgischen Socfinal erschließt Socapalm derzeit weitere Flächen. Socfinal bewirtschaftet in Asien, Afrika, USA und Frankreich insgesamt 140.000 Hektar Kautschuk- und Palmölplantagen. Die Gruppe Bolloré, ein Familienunternehmen aus kolonialen Zeiten und Hauptaktionärin von Socfinal, kontrolliert 70 Firmen in 35 Ländern und ist in der Logistik, der Holz- und Papierindustrie sowie der Mineralölwirtschaft tätig. Dazu gehört die Beteiligung an der Tschad-Kamerun-Erdölpipeline, an einem Transportunternehmen in Frankreich, das das Öl von BP und Shell im Land verteilt, sowie an 50 Calpam-Tankstellen in Deutschland.

Die Proteste in Kribi sind Ausdruck einer weltweiten Entwicklung der Arbeitsverhältnisse auf den Agrartreibstoffplantagen. Transnationale Unternehmen wie Bolloré, die sich eine profitable Verwertung der Ernten durch den Besitz eines Konglomerates an Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichern, beschäftigen vornehmlich migrantische Arbeitskräfte. Diese sind austauschbar und daher billig und für die Länder im Süden bzw. die dort operierenden Unternehmen ein Standortvorteil im globalen Wettbewerb der Agrarspritproduktion.

Dieser Artikel erschienen zuerst in der Zeitschrift iz3w (Nr 305, März/April 2008) unter dem Schwerpunkt "Klimadebatte".

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Die Autorin ist Mitarbeiterin im iz3w – informationszentrum 3. welt (Freiburg).

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.