Der Autor berichtet von seinem dreimonatigen Aufenthalt bei der Maisha Foundation in Kampala, Uganda und von den Ausbildungsprogrammen der Organisation zur Förderung des Filmsektors in der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC).
Von Juli bis Oktober 2009 durfte ich im Rahmen eines Förderprogramms für Kulturmanagement des BM:UKK (Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur) ein Trainee-Stipendium bei der ugandischen Organisation Maisha absolvieren. Nach meiner Ankunft und Unterbringung in einem privaten Apartmenthaus am Muyenga Hill wurde die Arbeit bei Maisha aufgenommen, deren Organisationsbüro sich im Uganda National Cultural Center (UNCC) befindet. Die Maisha Foundation wurde 2004 als eine Antwort auf die aufstrebende Filmindustrie in Ost-Afrika von der weltweit erfolgreichen Filmemacherin Mira Nair gegrün-det. Die Non-Profit-Organisation ist seit ihrer Gründung, aufgrund von fehlenden Filmakademien, zu einer der wichtigsten Ausbildungseinrichtungen für Film in Ost-Afrika geworden. In den insgesamt sechs jährlichen Maisha Film Labs werden die StudentInnen in den Disziplinen Regie, Drehbuch, Schnitt, Filmton, Kamera, Produktion und Schauspiel ausgebildet.
Austausch mit professionellen FilmemacherInnen
Kern der Ausbildungsprogramme bildet das im August stattfindende Annual Filmmakers Lab bei dem alle Disziplinen einer Filmproduktion gelehrt werden und in einem dreiwöchigen Prozess bis zu vier Kurzfilme mit internationalen Standards produziert werden. Dabei stellt Maisha die notwendigen Ressourcen und eine internationale Crew, bestehend aus erfahrenen RegisseurInnen, DrehbuchautorInnen, Kamera- und SchnittexpertInnen sowie ToningenieurInnen, zur Verfügung. Die so genannten Mentors kommen meist, durch die Einladung von Mira Nair, aus den USA, Kanada, Europa oder Indien nach Kampala und geben ihre Erfahrung und ihr Wissen ehrenamtlich an die jüngere Generation in Ost-Afrika weiter. Neben der Ausbildung durch das Arbeiten in Filmteams bekommen die teilnehmenden StudentInnen somit auch die Möglichkeit, sich mit professionellen FilmemacherInnen international auszutauschen. Dabei richtet sich das Maisha-Angebot vornehmlich an junge Filmmakers aus der East African Community (EAC) sowie aus Süd-Asien. Dadurch konnten sich 2009 StudentInnen aus Kenia, Ruanda, Tansania, Uganda und den Vereinten Arabischen Emiraten beim Annual Filmmakers Lab auch landesübergreifend austauschen. Das Lab fand wie in den Vorjahren in der Nähe des Viktoriasees statt.

DAWA – eines der vier Filmteams
Intensive Vorbereitungen in kurzer Zeit
In der ersten Woche der Sommerakademie werden zunächst die Kurzfilmdrehbücher, die die zwölf jungen FilmemacherInnen bei Maisha appliziert haben und die durch einen Evaluationsprozess für das Lab ausgewählt wurden, von fünf Drehbuch-MentorInnen betreut, neu überarbeitet und in one-to-one-sessions diskutiert. Am Ende dieser ersten Etappe werden dann vier Scripts für die anschließende Realisierung nominiert. Zeitgleich treffen die zwölf weiteren TeilnehmerInnen für das Technical Lab ein, die gemeinsam mit den übrigen StudentInnen auf die Produktionsphase des Labs vorbereitet und von fünf weiteren MentorInnen in den Bereichen Regie, Kamera, Schnitt, Filmton, Darstellung und Produktion unterstützt werden. Nachdem vier komplette Filmteams aus allen Lab-TeilnehmerInnen gebildet wurden, werden die einzelnen Szenen der Drehbücher sowie deren Produktionsplanung für die anschließenden Drehtage ausgearbeitet. Gleichzeitig beginnt man mit der Suche nach geeigneten Drehorten in ganz Kampala sowie mit einem groß angelegten Casting von SchauspielerInnen im UNCC/National Theatre. Im Anschluss wird mit den SchauspielerInnen durch Workshops auch an der Entwicklung ihrer Schauspieltechniken gearbeitet.

National Cultural Center of Uganda – National Theatre
Im UNCC finden außerdem, während des bereits sehr intensiven Lab-Zeitplanes, öffentlich zugängliche Kurse (Public Workshops) statt, bei denen die MentorInnen ihr Wissen und ihre Erfahrung in den bereits genannten Disziplinen in Form von Vorträgen auch einem größeren Publikum in Kampala weiter geben können.
And Action!
Nach Tagen der Vorbereitungen der Lab-TeilnehmerInnen mit Proben, in denen die Filmteams auch ihr technisches (Kamera, Ton, Schnitt) und produktionsorganisatorisches Know-How vertiefen, wird innerhalb von drei Filmdrehtagen in den zuvor ausgesuchten Locations gefilmt. Wegen des knappen Zeitplanes müssen sie mehrere filmische Szenen, die sich, je nach Script, oft in verschiedenen Teilen Kampalas abspielen, an einem Drehtag bewältigen. Nach Ende des letzten Drehtages haben die RegisseurInnen und CutterInnen nur noch zwei Tage Zeit, ein präsentationsfähiges Endprodukt vorzuweisen. Der/die Bild-CutterIn ist in den meisten ugandischen Produktionen zur Gänze auch für den Tonschnitt verantwortlich.
Aufgrund der vorgegebenen finanziellen Mittel Maishas war eine qualitativ-hochwertige und für das Medium Film wichtige Post-Produktionsphase, die den Prozess der Tonmischung und der Farbkorrektur mit einschließen würde, jedoch nicht gegeben. Versuche, diese, für den internationalen Wettbewerb wichtige, Endphase eines Filmprojektes in die Planungsstruktur des Annual Filmmakers Lab zu integrieren, werden für die 2010 Edition bei Maisha unternommen.
Spannung auf das Endergebnis
Am letzten Tag dieses intensiven Laboratoriums werden dann mit großer Anspannung die Projektionen der finalen Kurzfilme erwartet, zu deren Präsentationen alle Beteiligten kommen und die Lab-TeilnehmerInnen zeremoniell ihre Urkunden über die erfolgreiche Absolvierung des Maisha Film Labs entgegen nehmen. Gleich am nächsten Tag reisen alle in die verschiedenen Heimatdestinationen in Ost-Afrika bzw. Europa, Nordamerika und Asien zurück und müssen sich von den vielen neu gefundenen FreundInnen verabschieden.
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Der Autor studiert Internationale Entwicklung mit Fokus auf Kunst und Kultur und ist als Kulturmanager sowie als Ton-/Musikproduzent tätig.