Am 26. Mai 2010 trafen sich in den Räumen des C3 VertreterInnen aus Entwicklungsforschung und EZA-Praxis. Ziel der insgesamt zweitägigen Veranstaltung war die Ermöglichung und Vertiefung des Dialogs zwischen den AkteurInnen aus beiden Bereichen.
Die Eingangsworte für den Workshop Dialog Entwicklungsforschung EZA-Praxis gehörten dem Kuratoriumsvorsitzenden der ÖFSE, Andreas Novy, der sich erfreut über das große Interesse am Dialogabend und das zahlreiche Erscheinen zeigte. Gleich zu Beginn betonte er, wie wichtig es sei, dass WissenschaftlerInnen ihre gewonnenen Erkenntnisse mit AkteurInnen aus der Entwicklungszusammenarbeit (EZA)-Praxis teilen, um diese effektiver zu gestalten. Diese Allianz aus Entwicklungsforschung und -praxis würde eine systematische Herangehensweise an die vorhandenen Probleme ermöglichen.

Andreas Novy, Margit Scherb, Thomas Zeller (Foto: Ingrid Pumpler)
Gemeinsam für eine bessere Welt
Daran anknüpfend wies auch Margit Scherb, Leiterin des Referats Qualitätssicherung und Wissensmanagement der ADA, darauf hin, dass die einzelnen VertreterInnen aus EZA-Praxis und -Forschung sich nicht nur mit KollegInnen aus den eigenen Reihen austauschen, sondern darüber hinaus auch den Dialog mit AkteurInnen des jeweils anderen Feldes suchen sollten. Dabei bezog sie sich auch auf die ADA, die in der Vergangenheit keine strukturierte und koordinierte Zusammenarbeit mit der Entwicklungsforschung pflegte. Allerdings hätte sich dies innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre geändert und die Frage, welches Wissen es für eine bessere EZA brauche, habe zunehmend an Bedeutung gewonnen. Auch der kritische Blick der WissenschaftlerInnen auf die österreichische EZA insgesamt könne zu einer Verbesserung derselben beitragen. Als Gemeinsamkeit der Entwicklungsforschung und der EZA-Praxis nannte Scherb deren Anliegen, die Welt zu verbessern.
Forschungspartnerschaften, Secondments und Informationsworkshops
Im Anschluss daran gewährte Thomas Zeller den Gästen einen Einblick in die Arbeit der DEZA (Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit), innerhalb der er als Senior Water Policy Advisor für Politik und Strategien im Bereich Wasser zuständig ist. In seinem Vortrag berichtete er unter anderem von den thematischen Netzwerken, die sich zum einen aus wissenschaftlichen MitarbeiterInnen in der Schweiz und zum anderen aus operativ Tätigen in den Partnerländern vor Ort zusammensetzen. Vom gesamten DEZA-Budget würden drei Prozent in Forschung investiert werden, unter anderem auch in Forschungspartnerschaften, die eine Mitarbeit wissenschaftlicher Institutionen der Partnerländer bei Forschungsprojekten Schweizer Hochschulen ermöglichen. Diese Partnerschaften seien darauf ausgelegt, eine längerfristige Kooperation und Einbindung sicherzustellen.
Als weiteres Beispiel für eine Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis in der DEZA nannte Zeller die sogenannten Secondments, bei denen ArbeiterInnen aus dem praktischen EZA-Bereich ein Jahr bei Forschungsprojekten mitarbeiten. Ebenso würden auch Informationsworkshops angeboten werden, bei denen sich ForscherInnen mit ihren KollegInnen aus der EZA-Praxis beraten, wie diese wissenschaftliches Wissen aus der Entwicklungsforschung in ihrer Arbeit sinnvoll anwenden können.
Klare Rollenzuschreibung nicht immer möglich
Interessante Stellungnahmen und Fragen zum Thema Dialog Entwicklungsforschung und EZA-Praxis kamen schließlich auch aus dem Publikum. Dabei wurde von einem Gast die nicht unwesentliche Feststellung gemacht, dass eine Trennung zwischen der Rolle der/s wissenschaftlichen und praktischen Mitarbeiters/in nicht immer möglich ist, da sich die Tätigkeiten dieser beiden Gruppen auch häufig überschneiden. In der Diskussion wies Zeller des weiteren noch darauf hin, dass der notwendige Austausch zwischen Forschung und Praxis oft gleichzeitig mit einem Dialog zwischen Jung und Alt einhergehe. Das auf der Universität erworbene Wissen junger AbsolventInnen könne nämlich durch die Ergänzung langjähriger Praxis-Erfahrungen bereits älterer KollegInnen wesentlich effektiver eingesetzt werden. Diese Zusammenarbeit junger WissenschaftlerInnen mit erfahrenen Coachs werde auch im Rahmen der DEZA gefördert.
Kritisch merkte Zeller jedoch an, dass durch die Verknüpfung der DEZA an das Außenministerium die Vergabe von Geldern für Projekte häufig von politischen Interessen beeinflusst werde. So dominierten auch in den Forschungspartnerschaften trotz der Bezeichnung Partnerschaften die Ideen der Schweizer AkteurInnen, die Programme und Projekte nach ihren Bedürfnissen ausrichten würden. AkteurInnen aus dem Süden kämen dabei weiterhin zu kurz.
Wer wie was?


Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages wurde für den zweiten Teil des Abends ein sogenannter Marktplatz gestaltet, um die Vernetzung und Diskussion der geladenen Gäste aus Praxis und Forschung untereinander zu erleichtern. Auf diesem konnten sich alle eingeladenen Organisationen vorstellen, um so einen Überblick über die Vielfalt an Projekten und Programmen aufzuzeigen. Bei Speis und Trank stand einen gegenseitigen informellen Austausch nichts mehr im Wege.
Lesen Sie auch über den zweiten Tag der Veranstaltung.
Die Autorin studiert Internationale Entwicklung ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.
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