Die österreichische Jugendklimakonferenz (engl: local conference of youth, kurz LCOY) bot in diesem Jahr Raum für Austausch zu Klimaforschung und -politik, Alltagsbereichen wie Ernährung sowie Kommunikation und Motivation in der Klimakrise.
Trotz der erschwerten Umstände durch die Pandemie haben Freiwillige der Nichtregierungsorganisation CliMates heuer zum dritten Mal die LCOY Austria veranstaltet. Von 6. bis 8. November 2020 konnten junge Menschen unter 30 Jahren online spannende Vorträge hören, an rund 30 Workshops teilnehmen und sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Die österreichischen UN-Jugenddelegierten werden die Ideen und Anliegen, die bei der Konferenz formuliert wurden, zur nächsten UN-Klimakonferenz mitnehmen.
Umwelt und Menschenrechte in einer globalen Bewegung.
In der Klimabewegung geht es längst nicht mehr „nur“ um das Klima, das zeigte die Podiumsdiskussion zum Thema Menschenrechte und Umwelt. „Früher waren diese Diskurse getrennt, […], sogar Frauenrechte waren getrennt von Menschenrechten“, erinnerte sich Manfred Nowak, Gründer des Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, während heute die Bewegungen unter dem gemeinsamen Ziel einer besseren Zukunft miteinander verschmelzen. Der britische Botschafter Leigh Turner spricht bei der Eröffnung der Veranstaltung sogar ausschließlich von ökosozialen Problemen der Klimakrise: instabile politische Beziehungen, Konflikte und Migration. Die ungleiche globale Verteilung von Treibhausgasemissionen und deren Folgen sowie die erschütternden Prognosen zu Klimaflucht machen Klimagerechtigkeit zu einem Kernanliegen der heutigen Klimabewegung. „Wer Menschenrechte bewahren will, muss sich für’s Klima einsetzen“, fasst Monika Fröhler, Geschäftsführerin des Ban Ki-Moon Centre, bei der Podiumsdiskussion zusammen. Während die Zivilgesellschaft sich global vernetzt, wenden sich jedoch einige Staaten vom Multilateralismus ab, gab Nowak zu bedenken. Klar sei dennoch, dass die heutigen Herausforderungen nicht auf nationaler Ebene gelöst werden können.
Klimarechte in Österreich.
In Österreich müsse man im Menschenrechtskontext an der Gleichstellung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte mit Grundrechten arbeiten, meinte Bernhard Csengel, Kampagnenleiter bei Amnesty International Austria. „Es geht nicht nur ums Leben oder Überleben, sondern auch ums gute Leben“, so Csengel, und „es geht darum, dass das keine Almosen [Anm.: vom Staat] sind, sondern ein Rechtsanspruch“. Rechtsanwältin Michaela Krömer kritisierte auch, dass die Höchstgerichte manche Fragen zu leicht abtun würden, wenn die Betroffenen keine starke Lobby hinter sich haben oder es um kontroverse Themen geht. Außerdem sei es gerade im Kontext der Klimakrise, die in Österreich bereits durch Hitze, Trockenheit und extreme Niederschläge spürbar ist, oft schwer, Rechte vom Staat einzufordern. Derzeit sei das grundsätzlich nur möglich, wenn man persönlich durch ein Gesetz in den eigenen Grundrechten eingeschränkt wird oder der Staat aktiv klimaschädlich handelt. Das zu ändern versuchen Initiativen wie die Klimaklage oder das mit 380.590 Unterschriften unterstützte Klimavolksbegehren, das unter anderem eine Verankerung des Klimaschutzes in der Verfassung fordert und am 16. Dezember erstmals im Umweltausschuss behandelt wird.
5 Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen.
Die internationalen Klimaverhandlungen wurden aufgrund der COVID19-Pandemie pausiert, die diesjährige UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow auf November 2021 verschoben. Leigh Turner erzählt indes von Ambitionen Großbritanniens, mit seiner Präsidentschaft bei der COP26 eine Zielerhöhung aller Länder zu bewirken. Er erwarte jedoch, dass die Klimaverhandlungen stark von den Auswirkungen der Pandemie, der Reaktionen verschiedener Staaten und einem angekündigten Kurswechsel der USA beeinflusst werden könnten. Der Klimaforscher Johan Rockström sprach von 2020 als Schlüsseljahr: Fünf Jahre nach Beschluss des Pariser Klimaabkommens und der UN-Nachhaltigkeitsziele sollten erste Verbesserungen sichtbar sein, laut einigen wissenschaftlichen Berechnungen entscheide sich jetzt, ob gewisse Klimaziele noch erreicht werden können. Eine weltweite Klimaneutralität bis 2050, die derzeit angestrebt wird, scheint angesichts der immer noch steigenden Emissionen unrealistisch. Wie hoch die Kosten sind, die bis dahin beispielsweise durch Ernteausfälle oder Zerstörung von Siedlungsgebieten weltweit entstehen, ist schwer zu sagen.
Psychische Belastung in der Klimakrise.
Die Beschäftigung mit der Klimakrise löst in vielen Menschen erdrückende Gefühle aus, mittlerweile gibt es dafür sogar den Begriff der „Klimaangst (engl.: climate anxiety). Im Workshop zur „Selbstorientierung in der Klimakrise“ suchten die Teilnehmer*innen gemeinsam mit den Aktivist*innen Helen Britt und Thomas Schafranek durch Reflexion, Diskussion und einer Traumreise nach Wegen, mit Unsicherheiten umzugehen und ermutigende Gedanken zu finden. Fazit: Man sollte sich und Andere nicht in der Verantwortung sehen, alles auf einmal zu verändern. Vor allem sei es wichtig, für sich selbst zu wissen, was einer*einem besonders am Herzen liegt und wo man etwas verändern möchte. In Bezug auf das eigene Engagement in unsicheren Zeiten machte Thomas Schafranek Mut: Die Gegenwart müssen wir so akzeptieren, wie sie ist, aber die Zukunft können wir verändern.
Die Autorin ist Mitglied im Online-Redaktionsteam. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.
Weiterführende Links:
Österreichische Jugendklimakonferenz
Aufzeichnung der Podiumsdiskussion
NGO CliMates
Klimavolksbegehren
Klimaklage
Klimafreundliche Lösungen, gesammelt von Project Drawdown
Plattform für Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung
Foto © LCOY Austria 2019 Jennifer Vacha