
„Privatgrund verboten“ hat jemand auf ein gewöhnliches Verbotsschild geschmiert. Ein passender und aussagekräftiger Schnappschuss als Titelblatt für ein Buch mit Beiträgen von JungforscherInnen zum Thema Eigentum. „Eigentum anders“, so lautete auch der Titel der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung, die im November 2005 an der Johannes Kepler Universität in Linz stattfand.
Die zwei vorangegangenen Entwicklungstagungen widmeten sich den Themen der Zivilgesellschaft (2001 in Salzburg) und der Globalisierung (2003 in Graz). 2005 wollten die VeranstalterInnen, neben der Universität Linz die AGEZ (Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit) und das Paulo Freire Zentrum, eine Diskussion und Reflexion über die Grundfragen des Eigentums anregen.
Das Forum der JungforscherInnen.
Im Vorfeld der Dritten Österreichischen Entwicklungstagung forderte der Mattersburger Kreis DissertantInnen, DiplomandInnen und StudentInnen des zweiten Studienabschnitts dazu auf, wissenschaftliche Beiträge zu den Themen Entwicklungszusammenarbeit, Entwicklungspolitik oder Internationale Entwicklung einzureichen. Sechs Beiträge wurden ausgewählt und im Rahmen der Entwicklungstagung, beim Forum der JungforscherInnen, vorgestellt und diskutiert. Den jungen EntwicklungsforscherInnen wurde die Möglichkeit geboten, ihre Arbeiten erstmals einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Eigentumsformen in Brasilien, Afrika, Südostasien und im globalen Kontext.
Die Beiträge stellen verschiedene Formen dar, Eigentum zu denken und zu leben. Die Vielfalt an alternativen Umgangsformen reicht von einem Beispiel betrieblicher Selbstverwaltung im Nordosten Brasiliens, über die Integration traditioneller Autoritäten in das moderne politische System Ghanas; vom Widerstand gegen ein Genossenschaftskonzept in Brasilien, hin zur Problematik der weltweiten Wasserversorgung; von der Gleichstellung traditioneller Landvergabemechanismen in Mosambik bis zur Relevanz von Ownership und Participation in Entwicklungsprojekten am Beispiel Südostasiens.
Die einzelnen Beiträge:
Markus Auinger
Solidarische Ökonomie und betriebliche Selbstverwaltung. Das Beispiel der Usina Catende in Pernambuco, Brasilien.
Johannes Knierzinger
Konzepte der Afrikanischen Konsensdemokratie. Neue Regierungsformen für Afrika.
Irmi Salzer
Keine Kolchosen in Brasilien? Der bäuerliche Widerstand gegen das Genossenschaftsgesetz des MST.
Elisa Schenner
Von der Quelle des Lebens zur Quelle des Profits? Die Kommodifizierung des Wassers als Entwicklungsstrategie.
Elisabeth Gotschi
Landbesitz in Mosambik: Zwischen Tradition und Moderne.
Laura Leyser
Participation & Ownership as Key Components of Sucessful and Sustainable Development. A Best Practice Example from Northern Thailand.
Gerald Faschingeder und Veronika Wittmann (Hg.): Eigentum anders. Beiträge junger ForscherInnen. Linz: Trauner Verlag, 2007. 122 Seiten. 14,80. ISBN 978-3-85499-241-7.
Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum und studiert Kultur- und Sozialanthropologie sowie Portugiesisch. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.