Nach dem Tsunami: Konflikte um Land (II)

Zu den bisher weniger beachteten Folgen des Tsunamis, bei dem im Dezember
2004 mehr als 300.000 Menschen ums Leben kamen, zählen die durch ihn
ausgelösten Landkonflikte. Teil II.
Wichtig wäre Unterstützung von GeberInnenseite für die lokalen Initiativen, die vorzeigen, wie die Rückkehr der vom Tsunami vertriebenen Menschen funktionieren kann: die Rückkehr und Wiederansiedlung vorantreiben und die Planungsprozesse als Ergänzung, nicht aber als Voraussetzung, für die Rückkehr zu betrachten. Unterstützung könnte in Form von Rechtsberatung geschehen, die sich der Aushändigung von verloren gegangenen Dokumenten bzw. der Aufzeichnung von nur mündlich vorgetragenen Beweisen widmet. In diesem Kontext ist auch der Aufbau von alternativen Konfliktlösungsmechanismen auf lokaler Ebene wesentlich. Durch die Einbeziehung der Dorfgemeinschaft in den Prozess könnte auch eventueller Missbrauch bei der Rekonstruktion von bestehenden Rechten vermieden werden. Ein solcher Ansatz kann nur auf lokaler Ebene umgesetzt werden und hat nur gute Chancen auf Gelingen, wenn die Bevölkerung so breit wie möglich in die Planung und Durchführung miteinbezogen wird.

Was aber kann nach der Rücksiedlung kommen, d.h. wie sollen in der Zukunft Landkonflikte dieser Art verhindert werden? Denn auch die Forderung nach der Einführung von Besitztiteln ist nicht unproblematisch.

Sind private Besitztitel die Lösung?

Die Einführung von registrierten Besitztiteln, wo bisher Land auf der Basis von Gewohnheitsrecht genutzt wurde, wird weltweit vor allem von der Weltbank vorangetrieben. Durch die Registrierung von Besitztiteln sollen ihre Besitzer und seltener Besitzerinnen, ermuntert werden, verstärkt zu investieren nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, ihr registriertes Land mit einer Hypothek zu belasten.

Eine Option, die im jüngsten (2003) Forschungsbericht der Weltbank zum Thema Landrechte (Policy Research Report – PRR) als Weg aus der Armut gepriesen wird, für viele jedoch den Weg in Verschuldung und noch größere Armut bedeuten wird. Eine Entwicklung, der sich die Weltbank allerdings bewusst sein muss, da als weitere positive Konsequenz der Registrierung die Herausbildung eines Landmarktes genannt wird, der zum Transfer von Land von weniger erfolgreich Wirtschaftenden zu erfolgreich wirtschaftenden LandnutzerInnen führe, weshalb in Summe eine erhöhte Produktivität des landwirtschaftlichen Sektors zu erwarten sei so die Theorie.

Mit der Forderung nach dem Aufbau von Besitztitelregistern nach westlichem Vorbild spielt man jedenfalls denen in die Hände, die an einer Kommerzialisierung der Ressource Land das größte Interesse haben: den, oft ausländischen, InvestorInnen.

Alternativen

Die Registrierung von Land auf Dorfebene könnte eine Alternative darstellen, die einerseits die mit privaten Besitztiteln verbundene Kommerzialisierung der Ressource Land nicht weiter vorantreibt, andererseits einen Schutz vor den Interessen der SpekulantInnen bieten würden.

Rasches Handeln ist jedenfalls nötig, damit in der betroffenen Region auf die verheerende Flutwelle nicht eine zweite Welle der Landaneignung durch Großunternehmen folgt, die wohl mindestens so langfristige Nachwirkungen hätte wie die erste.

Faktum ist, dass Landrechte Menschenrechte sind und speziell die Eigentumsrechte von Menschen, die von Naturkatastrophen vertrieben werden, in internationalem Recht besser verankert gehören, um den Missbrauch einer Katastrophe wie dem Tsunami für die Ausweitung der Kapitalisierung der Ressource Land zu verhindern.

Die Autorin ist Assistentin am Institut für Afrikanistik der Universität Wien und beschäftigte sich in den letzten Jahren vor allem mit dem Thema Landrechte.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.