In einem zweiteiligen Beitrag thematisiert der Autor Eigentum und Entwicklung. Teil 1: Voraussetzung für aufholende Entwicklung.
Der Globus ist mit extremer Ungleichheit konfrontiert. Man weiß aus der Geschichte von Nationalstaaten, dass solche Entwicklungsunterschiede letztlich nicht zu einer friedlichen gesellschaftlichen Situation führen können. Sie führen auch nicht zu maximalem Reichtum, der eine ökosoziale Balance garantiert und insbesondere eine gute Ausbildung der gesamten Bevölkerung voraussetzt. Insofern ist prinzipiell klar, wohin sich der Globus bzw. die internationale Politik orientieren müssten. Das Problem ist allerdings ein Moral Hazard, eine entgegengesetzte Tendenz, in der unter Bedingungen hoher Ungleichheit in armen Ländern teilweise mehr Reiche zu finden sind als in reichen Ländern mit größerer sozialer Gerechtigkeit, sodass die Ungleichheit in diesen Ländern einen besonderen "Charme" aus Sicht der wohlhabenden Elite hat. Und das gilt natürlich nicht nur national, sondern auch in einer weltweiten Perspektive.
Bedingungen für Reichtum
Insofern stellt sich die Frage, ob sich reiche Länder eher in Richtung brasilianischer Ungleichheitsverhältnisse entwickeln und global sich nicht viel tut oder arme Länder in Richtung europäischer Ausgleichsverhältnisse verändert werden können, was Voraussetzung für eine friedliche Entwicklung und für Nachhaltigkeit wäre. Strebt man weltweiten Wohlstand und Nachhaltigkeit an, muss man an den Stellen ansetzen, die systemisch eine zentrale Rolle spielen, um Reichtum zu entwickeln. Es sind dies u. a. die folgenden Themen:
1. ein gut funktionierendes, leistungsfähiges Governance-System
2. exzellent ausgebildete und geeignet orientierte und motivierte Menschen
3. hervorragende Infrastrukturen auf internationalem Niveau
4. ein hervorragender Kapitalstock
5. Zugriff auf benötigte Ressourcen
6. eine leistungsfähige Forschung und international konkurrenzfähige Innovationsprozesse
7. ein leistungsstarkes Geld- und Kreditsystem
8. eine enge Einbettung der Unternehmen und Menschen in weltweite Wertschöpfungsnetzwerke.
Hürden der Entwicklung
Für wirtschaftlich unterentwickelte Länder ist es nicht einfach, sich ohne massive Unterstützung in die beschriebene Richtung zu entwickeln. Denn die weltweiten Vorgaben etwa der WTO und des IWF, die ein solches Land befolgen muss, wenn es in den "Club" aufgenommen werden will, sind sehr restriktiv. Nur wer im "Club" ist, kann adäquat an den weltweiten Innovationsprozessen teilhaben, die heute entscheidender Motor von Wohlstand und Wachstum sind. Vieles wird durch die WTO verboten (z. B. sich hinter Zollschutzmauern zu entwickeln), was die heute reichen Länder und in jüngerer Zeit z. B. Singapur und Korea zu ihren Gunsten genutzt haben, um ihre eigenen Aufholprozesse erfolgreich zu gestalten.
Die heutige Weltordnung macht es also aufholenden Ländern schwer, an das Niveau der reichen Welt heranzukommen. Hinzu kommt, dass heute die Mobilität von besonders leistungsfähigen Menschen eines armen Landes hinüber in die reiche Welt via Greencards hoch entwickelt ist. Ferner sind weltweit Eigentumsstrukturen, auch die intellektuellen Eigentumsstrukturen, massiv zementiert. Des Weiteren trifft auch die meist verschwiegene Beobachtung zu, dass Demokratien nicht unbedingt am erfolgreichsten darin sind, Aufholprozesse zu organisieren. Es sind eher aufgeklärte Diktaturen, die dies leisten. Dies konnte man an den Beispielen Singapur und Korea gut verfolgen. Heute gilt dasselbe für China.
Bildung als Beitrag zur Nachhaltigkeit
Wenn ein Land wirklich reich werden will, ist Bildung ein entscheidender Punkt. Bildung ist, richtig verstanden, der Kern des sozialen Ausgleichs. Bildung erfordert vernünftige Bedingungen für Kinder, während sie heranwachsen. Sie erfordert auch ein vernünftiges Gesundheitssystem, nachdem so viel Geld in Köpfe investiert wurde, sie erfordert letztlich auch ein vernünftiges System der Altersvorsorge, da gesunde und gut ausgebildete Menschen alt werden.
Lesen Sie in Teil II: Bildung, Eigentum und Wohlfahrt.
Der Autor ist Mitglied des Club of Rome, Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n) in Ulm und Universitätsprofessor für Informatik an der Universität Ulm.