Auch in diesem Jahr erwiesen Schüler*innen entwicklungspolitisches Engagement, indem sie ihre vorwissenschaftlichen Arbeiten im Themengebiet der internationalen Entwicklung und globalen Ungleichheiten verfassten. Beim nun sechsten C3-Award am 1. Juni 2021 wurden zehn der eingereichten Arbeiten präsentiert und ausgezeichnet.
In Summe gab es dieses Jahr 110 Einreichungen von 144 Schüler*innen aus AHS und BHS, wovon sich 60 Prozent mit globaler Ungleichheit beschäftigten. Das Thema bietet viele Anknüpfungspunkte, denn globale Ungleichheiten existieren auf vielen unterschiedlichen Ebenen. Die Themen der Vorwissenschaftlichen Arbeiten waren ebenso breit gestreut und behandelten unter anderem Politische Ökonomie, Migration, Rassismus, Geschlechtergleichstellung und Klimaschutz, zum Teil mit regionalen Bezügen. Neben der entwicklungspolitischen Relevanz wurden die Arbeiten auch im Hinblick auf ihren kritischen Zugang, eine vielfältige Literaturliste und kritische Selbstreflexion der Autor*innen bewertet.
Organisiert wurde die Veranstaltung von drei der Hausorganisationen des C3 – Centrum für Internationale Entwicklung, BAOBAB, ÖFSE und der Frauen*solidarität. Mit Pandemie konformer begrenzter Teilnehmer*innenzahl kamen Schüler*innen, Eltern und Gäste im Foyer des C3 zusammen. Rund 300 Teilnehmer*innen folgten der Veranstaltung auch per Livestream.
Kritische Jugendliche feiern.
Werner Raza, Geschäftsführer der ÖFSE, eröffnete die Veranstaltung mit dem Verweis auf anstehende globale Herausforderungen und deren Bewältigung durch kritisches Denken. Die Veranstaltung solle dieses kritische Denken besonders bei jungen Menschen auszeichnen und fördern.
Die Preise wurden von den Ehrengästen Desirée Schweitzer (BMEIA), Petra Bayr (Abg.z.NR), Sybille Hamann (Abg.z.NR) und Jakob Maierhofer-Wieser (DKA) übergeben, die die Schüler*innen für ihr Engagement lobten. „Ihr habt mit eurem Engagement bewiesen, dass ihr großes Verständnis für die Probleme der Welt habt“, sprach Desirèe Schweitzer zum Publikum.
Was Jugendliche heute beschäftigt.
In diesem Schuljahr beschäftigten sich viele der Arbeiten mit den eigenen Lebensrealitäten der Schüler*innen und der kritischen Auseinandersetzung mit den Lebensweisen im Globalen Norden. Auch geschlechtsspezifische Ungleichheit stellte ein zentrales Thema in den Arbeiten dieses Jahres dar: „30 Prozent aller Arbeiten sind genderspezifisch“, so die Moderatorin Anastasia Lopez. Dabei arbeiteten die Maturant*innen intersektional und themenübergreifend komplexe Zusammenhänge aus. „Ich konnte zu Beginn meiner Arbeit noch nicht erahnen, wie stark Gender Inequality (dt.: Geschlechterungleichheit) mit dem Klimawandel zusammenhängt“, erklärte die Schülerin Carmen Märki. Auch die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der Vereinten Nationen wurden in den Arbeiten diskutiert. Sofia Germann beforschte die Umsetzung des vierten Nachhaltigkeitsziels (SDG 4) in Österreich zu hochwertiger Bildung. Mit den Worten „Was mich persönlich berührt hat, ist wie stark Bildung vererbt wird. Kinder können nichts dafür und das ist noch sehr stark präsent und muss auf jeden Fall bekämpft werden.“, verwies Sofia Germann auf das Problem der Bildungsungerechtigkeit in Österreich.
Aktuelle und relevante Themen.
Das Material für die einzelnen Arbeiten wurde nicht ausschließlich mit Literaturrecherchen bearbeitet. Es wurden auch Interviews geführt und mittels qualitativer und quantitativer Methoden geforscht. Petra Bayr (Abg.z.NR) betonte, dass die beforschten Themen nichts Abstraktes seien, sie sind politisch sehr relevant: „Ich arbeite jeden Tag real damit“, so Bayr.
Rassismus, imperiale Lebensweise und „Die unsichtbare Frau“.
Drei Arbeiten wurden für außerordentlich gut befunden und schließlich mit dem C3-Award ausgezeichnet. Zur Verleihung waren die jeweiligen Beiratsmitglieder geladen, die die Arbeiten gelesen und bewertet hatten. Noreen Mughal thematisierte in ihrer Arbeit Rassismus auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen. Mughal schreibt, sie sei selbst von Rassismus betroffen. Bemerkenswert sei, wie sehr sie ihre eigene Persönlichkeit in die Forschung einbringe, gleichzeitig aber reflektiert und selbstkritisch bleibe um die Frage bestmöglich beantworten zu können, so Beiratsmitglied Martin Jäggle in seiner Laudatio.
Johanna Bergthaler beschäftigte sich am Beispiel Landwirtschaft und Ernährung mit der imperialen Lebensweise und schrieb dabei kritisch über Nord-Süd Beziehungen, Ressourcenverbrauch und die Chance auf mehr Gleichheit im Konzept der Ernährungssouveränität: „Individuen sollen Einfluss darauf haben was produziert wird und wie es produziert wird und nicht nur eine Entscheidung als Endkonsument*innen haben.“, erklärte Bergthaler.
Die dritte mit dem C3-Award ausgezeichnete Arbeit wurde von drei Schüler*innen in drei Sprachen verfasst und thematisiert die Konstruktion von Weiblichkeit, geschlechtsspezifischer Gewalt und das dritte Geschlecht in Mexiko. „Auch wenn das Land, über das wir geschrieben haben, sehr fern ist, sind die Probleme doch nah“, erklärten die Autorinnen den Bezug zu Österreich. Die Maturantinnen betonten damit die Wichtigkeit der Sichtbarkeit von Frauen* und Minderheiten, denn: „Je öfter wir etwas sehen, umso realer und normaler wird es“, erklärte Sanja Rauscher.
Über den Tellerrand hinausblicken.
Was alle Maturant*innen in ihren Arbeiten gelernt haben, ist Verständnis für komplexe globale Zusammenhänge. Ob es nun um Geschlechterungleichheit und den Klimawandel oder Politik und Rassismus geht: Die jeweiligen Probleme und Herausforderungen sind vielschichtig miteinander verwoben. Viele der Schüler*innen sehen deshalb Bedarf an Austausch und Zusammenarbeit über die einzelnen Disziplinen und Themenbereiche hinaus: „Wir könnten unsere Arbeit mit so vielen der anderen Arbeiten der hier geehrten Schüler*innen verbinden“, sagte die Maturantin Sanja Rauscher.
So endete die Veranstaltung mit einem Aufruf der Moderation: „Vernetzt euch, knüpft Kontakte und bleibt neugierig“.
Die Autorin ist Mitglied im Online-Redaktionsteam. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.
Weiterführende Links:
Vorwissenschaftliches Arbeiten im C3
Zusammenschnitt des C3 Award 2021 auf Youtube