IUFE Fachtagung (c) IUFE 2020.

IUFE-Fachtagung: Klima und Entwicklung.

Am 19. Mai fand die vierte Fachtagung des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) digital statt, diesmal zum Thema „Klima und Entwicklung: Nachhaltige Ideen für unsere Zukunft“.

Neben einem digitalen Marktplatz der Klima-Initiativen, einer Fotoausstellung und aktuellen Forschungsergebnissen wurden auch Fachvorträge in Form von Hörsendungen angeboten. Martin Krenn (Koordinierungsstelle der Österr. Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission), Sandra Wibmer (Austrian Development Agency) und Klaus Steiner (Österreichische Entwicklungsbank) sprachen über Klimafinanzierung und Entwicklungszusammenarbeit.

Klima wird Teil der Entwicklungsziele.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind immer stärker spürbar: Von Dürren, Überschwemmungen und anderen Extremwetterereignissen sind Länder des Globalen Südens und damit die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen besonders betroffen. Klimaschutz, also vorrangig die Emissionsreduktion, und Klimawandelanpassung sind daher bereits zu elementaren Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit geworden. Einerseits sollen Länder bei der Erfüllung ihrer national festgelegten Beiträge zum Pariser Klimaabkommen unterstützt werden. Andererseits muss gemäß des in Österreich praktizierten Mainstreaming-Ansatzes darauf geachtet werden, dass auch alle nicht-klimaspezifischen Aktivitäten gewissen Klima-Anforderungen entsprechen.

100 Milliarden US-Dollar für Klimamaßnahmen im Globalen Süden.

Mit dem Copenhagen Accord (dt. Kopenhagener Vereinbarung) hat die internationale Staatengemeinschaft bei der UN-Klimakonferenz 2009 unverbindlich vereinbart, bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Klimamaßnahmen im Globalen Süden bereitzustellen. Bei der Klimakonferenz in Paris 2015 wurde beschlossen, das 100-Milliarden-Ziel bis 2025 gelten zu lassen und die Erhöhung bei der nächsten Klimakonferenz zu diskutieren. Ob und inwieweit dieses Ziel erreicht wird, ist aufgrund der Unverbindlichkeit und unklaren Definition von Klimafinanzierung höchst fraglich. Die Nichtregierungsorganisation Oxfam kam mit ihren Berechnungen für das Jahr 2016 nur auf etwa 40 Prozent der von der OECD angegebenen 48,5 Milliarden US-Dollar an öffentlicher Klimafinanzierung. (Anm.: 2017 lag die Summe schon bei 71 Milliarden, allerdings einschließlich privater Klimafinanzierung.) Doch selbst wenn die 100 Milliarden US-Dollar erreicht werden, liegt der Bedarf noch immer deutlich darüber: Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass die Klimaanpassungskosten für den Globalen Süden 2030 zwischen 140 und 300 Milliarden US-Dollar betragen wird, die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt die Investitionen allein in erneuerbare Energien im selben Jahr nochmal weitaus höher ein. Krenn kritisiert, dass in solchen Berechnungen oft auf die Schäden vergessen wird, welche zukünftig stark zunehmen und einen großen Teil der Kosten des Klimawandels ausmachen werden.

Vermehrt Investitionen im Privatsektor.

In Österreich stammen 56% der öffentlichen Klimafinanzierung von der Österreichischen Entwicklungsbank. Diese finanziert seit ihrer Gründung 2008 nachhaltige Unternehmungen im Privatsektor in Ländern des Globalen Südens. Gerade in den letzten Jahren haben diese Investitionen stark zugenommen, was jedoch laut Krenn ein falsches Bild in der Gesamtbilanz der österreichischen Klimafinanzierung erzeugt: Die Gesamtsumme steigt durch die starken Investitionen im Privatsektor, direkte Zahlungen stagnieren aber. Es gebe eine Verschiebung von direkten Zahlungen zu Krediten oder Beteiligungen, bei denen schlussendlich die österreichischen Geldgeber Geld wieder zurückbekommen. Außerdem finde durch Investitionen im Privatsektor automatisch viel mehr Klimaschutz (Solarstrom, Solarthermie, etc.) statt, während Klimaanpassung vernachlässigt wird. Steiner betont jedoch die Bedeutung der OeEB, da diese in Projekte investiert, die aufgrund der schwierigen regulatorischen Rahmenbedingungen, der Langfristigkeit und Unsicherheit der Projekte von anderen Investor*innen keine Unterstützung bekommen würden. Der Privatsektor sei aber trotzdem nur ein Teil der notwendigen Klimafinanzierung, so Steiner.

Globale Verantwortung.

Für Krenn ist internationale Klimafinanzierung besonders wichtig, da der Klimawandel hauptsächlich von Industriestaaten zu verantworten ist, während Länder des Globalen Südens oft nichts dazu beigetragen haben, jedoch die Auswirkungen am stärksten spüren. Steiner sieht die Klimaziele in seiner Arbeit teilweise kritisch: Investitionen in nicht-erneuerbare Energiequellen sind auf lange Sicht zwar nicht vertretbar, jedoch in manchen Fällen der einfachste und schnellste Weg Energie bereitzustellen und somit den Lebensstandard zu erhöhen. Wibmer sieht aber auch Potenzial in der Nutzung von Synergien zwischen Klimaschutz und Armutsbekämpfung. Dadurch, dass in vielen Ländern hohe Emissionen durch Landnutzungsänderung entstehen, unterstützt die Austrian Development Agency Projekte im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft, womit dem Klima als auch den Bäuerinnen und Bauern direkt geholfen wird.
Einig sind sich die Expert*innen jedenfalls, dass Klimaschutz und Klimaanpassung in der Entwicklungszusammenarbeit bereits eine große Rollle spielen und in den nächsten Jahren vermutlich stark an Bedeutung gewinnen werden.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Weiterführende Links:

IUFE-Fachtagung Klima & Entwicklung

Adaption Gap Report 2018 der UNEP (Englisch)

Climate Finance Shadow Report 2018 von Oxfam (Englisch)

Klimafinanzierung des Globalen Nordens 2013-2017, Bericht der OECD (Englisch)

Österreichische Klimafinanzierungsstrategie und Berichte des Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Foto © IUFE.

Veröffentlicht in Sozial-ökologische Transformationen, Themen.