Das Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) lud am 24. Mai 2018 zur Fachtagung „Zukunftsrezept SDGs – Perspektiven für Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaft“ in Wien ein. Welche der SDGs bis 2030 tatsächlich verwirklicht werden können, blieb offen.Im Laufe des Vormittags zeigten Silvia Meier-Kajbic (Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres), Daniel Bacher (Dreikönigsaktion – Hilfswerk der Katholischen Jungschar), Andreas Melcher (Centre for Development Research der Universität für Bodenkultur), Kristin Duchateau (Österreichische Entwicklungsbank) und Gottfried Franz Mayer (Institut für Umwelt, Friede und Entwicklung) kurze Präsentationen zum Thema „SDGs“. Moderiert wurde die Veranstaltung von Friedbert Ottacher (Ottacher Development Consulting).
Die Diskussion.
Alle Vortragenden waren sich einig, dass die von der United Nations Organization (UNO) entwickelten SDGs zum Handeln auffordern und per se eine positive Zukunftsversion vermitteln würden. Die SDGs sollen eine internationale Wegweisung mit dem Appell zur internationalen Zusammenarbeit für eine nachhaltige Lebensweise darstellen.
Die Umsetzung der Ziele verläuft dabei auf unterschiedlichen (inter-)nationalen Ebenen und entlang kontextspezifischer Strategien von (trans-)nationalen AkteurInnen in 17 Themenbereichen mit Fokus auf deren gegenseitige Wechselwirkung. Das heißt, dass aufgrund des breiten Zielspektrums weniger die Erreichung einer konkreten Zielsetzung, sondern vielmehr ein ganzheitlicher Ansatz im Vordergrund der SDG-Vision stehe. Ein (fiktives) Beispiel: Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13) können bezahlbare und saubere Energien (SDG 7) beinhalten und in diesen PartnerInnenschaften zur Erreichung der Ziele (SDG 17) wird das Leben am Land (SDG 15) verbessert. Dieser mehrdimensionale Ansatz, der auf die Abhängigkeiten der einzelnen Ziele untereinander verweist, wurde von den Vortragenden als innovativ bewertet. Es stellt sich allerdings die Frage, was die Ziele für die konkrete Programm- und Projektplanung bedeuten? Zudem blieb in der Diskussion offen, welches der Ziele in seiner kompletten Vollständigkeit bis zum Jahr 2030 realisiert werden könne. Generell stand die Frage im Raum, ob die Ziele einander nur bedingen oder auch in Konkurrenz zueinander stehen.
Das Narrativ.
Die Vortragenden verwiesen auf das universelle Narrativ der SDGs, das besagt, dass die SDG- Leitlinien für alle Länder gelten. Somit solle die Trennung zwischen sogenannten „Entwicklungsländern“ und „entwickelten Ländern“ aufgehoben werden. Insofern würden sich die SDGs von ihren VorgängerInnen, den Millenium Development Goals (MDGs), unterscheiden. Diese umfassten acht Ziele und hätten bis 2015 realisiert werden sollen. Der MDGs-Ansatz beruhte auf einem hierarchischen GeberInnen-NehmerInnen-Narrativ: Reiche GeberInnenstaaten liefern Hilfeleistungen an arme, „unterentwickelte“ EmpfängerInnenstaaten.
Die SDGs hingegen betonen, dass alle UN-Mitgliedstaaten im gleichen Maß globale Verantwortung zu tragen haben. Insofern können die gegenwärtigen Probleme nur durch Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft gelöst werden. Zeitgleich verweisen die SDGs darauf, dass Problemfelder in heterogenem Ausmaß und unterschiedlicher Geschwindigkeit entstehen aber dennoch weltweit gleichzeitig verortbar sind. Silvia Meier-Kajbic betonte, dass die Hauptaufgabe der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit die globale Armutsbekämpfung sei. Die aktuellen entwicklungspolitischen Maßnahmen Österreichs würden laut Silvia Meier-Kajbic auf Kapazitätsaufbau (SDG 9) setzen. Dieser Ansatz solle selbstständiges Wirtschaften in den Ländern des globalen Südens ermöglichen, bei gleichzeitiger Grundbedürfnisbefriedigung in den Bereichen Bildung und Ernährung. Zudem würde diese Strategie partnerInnenschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe schaffen.
Wirtschaftliches entwickeln? Oder Wirtschaftliche Entwicklungen?
Diesen Argumentationen folgend, ging die in dieser Veranstaltung diskutierte SDGs-Vision davon aus (explizit: SDG 8 in Verbindung mit anderen Zielen), dass Wirtschaftswachstum allgemeinen Wohlstand fördere. Beispielhaft berichtete Kristin Duchateau von der österreichischen Entwicklungsbank und deren Finanzierung von profitablen Unternehmen mit spezifischen SDGs-Zweckwidmungen, um der globalen Armut entgegenzusteuern. Zwar spricht die SDGs-Agenda von PartnerInnenschaften auf Augenhöhe, hält allerdings weiterhin an den Begriffen „developed and developing countries“ fest, die zumindest auf sprachliche Hierarchien verweisen.
Die Fachtagung bot einen Einblick in Pläne, Überlegungen und Strategien privatwirtschaftlicher Projektförderung und Integrationsoptionen neuer profit-orientierter-AkteurInnen im Bereich der EZA. So scheint es, dass trotz der gemeinschaftlich gestalteten und post-development-sensiblen SDGs-Ausformulierungen alte GeberInnen-NehmerInnen-Strukturen bestehen bleiben könnten, die Top-Down-Ansätze implizieren und PartnerInnenschaften auf Augenhöhe als unrealistisch erscheinen lassen. Denn welche globalen AkteurInnen besitzen die Macht um über Mittelvergaben und deren Verwendungszweck zu entscheiden?
Darüber hinaus fanden die fehlenden rechtlichen Verbindlichkeiten der SDGs-Agenda sowie die noch ausständigen beabsichtigten finanziellen Erhöhungen der Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 % des Bruttoinlandsprodukts keinen Eingang in die Diskussionen vor Ort. Und das, obwohl dem Budget der Österreichischen Enttwicklungszusammenarbeit in den SDGs-Prozessen eine zentrale Bedeutung zukommt. Es legt den finanziellen Rahmen für Umsetzungsmaßnahmen fest, in dem die Widersprüche zwischen sozialer Entwicklung und Profitinteresse ausverhandelt werden: Ob Entwicklung mit Wirtschaftswachstum gleich zu setzen sei?
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Weiterführende Links:
– Sustainable Develpment Goals