Umweltdialog: Anregungen zur Transformation eines nachhaltigen Lebensstils.

„Wie schaffen wir es, nachhaltig zu leben?“ Dieser Frage widmete sich der 5. Umweltdialog in der Hauptbücherei am Urban-Loritz Platz in Wien. Manuela Bigler sprach anhand eines Projekts des Umweltbundesamts über Perspektiven für Umwelt und Gesellschaft.

Der 5. Umweltdialog, veranstaltet von den Büchereien Wien in Kooperation mit dem Umweltbundesamt, fand Ende Oktober in der Hauptbücherei Wien statt. Manuela Bigler (Umweltbundesamt) stellte das Projekt „Transform_U“ vor und präsentierte die Ergebnisse hausinterner Experimente zur Verbesserung nachhaltigen Lebens, durchgeführt von 38 MitarbeiterInnen. Mit dem Projekt wolle das Umweltbundesamt „Nachhaltigkeit im Alltag erlebbar machen“ und auf diesem Weg Empfehlungen zur Umgestaltung von gewohnten Verhaltensweisen geben.

„Transform_U“: Den eigenen Lebensstil nachhaltig gestalten.

Der Titel des Projekts bedeute zweierlei: einerseits meint „Transform you“ zu Deutsch: „Verändere Dich“,andererseits steht der Buchstabe U für das Umweltbundesamt und seine Initiative. Die MitarbeiterInnen des Umweltbundesamts stellten sich die Frage, wie ein derartiger Wandel hin zu mehr gelebter Nachhaltigkeit im Alltag aussehen und gestaltet werden könnte. Dafür entwickelten sie Umsetzungsmaßnahmen, die im eigenen Unternehmen im Rahmen eines Experiments ausprobiert werden sollten. Basierend auf Fragebögen, in denen die bisherigen Verhaltensweisen erfasst wurden, entstanden verschiedene Experimente. Die TeilnehmerInnen selbst legten fünf verschiedene Themengruppen fest. Nach erfolgreicher Durchführung der Experimente konnten hilfreiche Tipps zur Verbesserung nachhaltigen Leben generiert werden. Heute, ein Jahr später, befindet sich das Unternehmen in der Evaluierungsphase und untersucht die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen.

Einkäufe planen hilft Müll zu sparen.

Die fünf Gruppen umfassten folgende Themenbereiche: Abfall, Energie, Ernährung, Konsum und Zeit. Über einen Zeitraum von etwa drei Monaten stellten die MitarbeiterInnen ihre gewohnten Verhaltensweisen stückweise um. Sie erprobten Maßnahmen zur Erreichung ihrer vorab selbst definierten Ziele. So führten beispielsweise die eingeschränkte Verwendung von Verpackungsmaterialien, Besuche in verpackungsfreien Läden sowie vor dem Einkauf geschriebene Listen zu einer wesentlichen Reduktion von Abfall.

Nachhaltige Ernährung: Regional und fleischarm.

Welche Auswirkungen haben Ernährungsweisen auf CO2-Emissionen? Ausgehend von dieser Frage verzichteten MitarbeiterInnen auf tierische Produkte, einige ernährten sich sogar rein pflanzlich und wogen teilweise ihr Essen ab. Im Resultat ergab die Verringerung von Verpackungsmaterialien und die erhöhte Konsumierung regionaler Produkte eine erhebliche pro-Kopf Reduktion der Treibhausgasemissionen. Der reine Verzicht auf Fleisch führe nicht unbedingt zu einer Verbesserung, wenn stattdessen mehr Milchprodukte konsumiert würden, erklärte Bigler. Die Herstellung von Milchprodukten benötige ebenfalls sehr viel Energie.

Herausforderung „bewusster Konsum“.

Beim Konsum von Kleidung sei es sinnvoll, sich vor dem nächsten Einkauf die Frage zu stellen: Was brauche ich wirklich?“. Die TeilnehmerInnen dieser Gruppe hielten fest, dass nachhaltige und fairproduzierte Mode höhere Preise bedeuten könne und Informationen zu Lieferketten sowie Arbeitsbedingungen selten transparent seien. Doch es lohne sich, in Second Hand Läden nach bereits getragenen Kleidungsstücken Ausschau zu halten oder Kleidertauschbörsen zu organisieren. KonsumentInnen könnten aber auch auf manche Artikel verzichten und mit dem Bewusstsein für Nachhaltigkeit höhere Preise für fair-produzierte Produkte ausgleichen. Auch der Ansatz„Reparieren statt neu kaufen oder wegwerfen“ symbolisiere ein nachhaltigeres Konsumverhalten, konkretisierte Bigler.

Graue Energie in Smartphones.

Die Gruppe, die sich dem Thema Energieverbrauch widmete, maß den Stromverbrauch unterschiedlicher Geräte. Es käme nicht nur auf die Menge des Stromverbrauchs an, sondern vor allem auf die Art des Stroms. Ökologische Alternativen zu herkömmlichen Stromanbietern, also Strom, der aus rein regenerativen Quellen gewonnen wird, würden tatsächlich zu einer Reduzierung führen, schlussfolgerte Bigler. Aufsehen erregend seien beispielsweise die Zahlenwerte der benötigten Energie zur Produktion von Smartphones und Getränkedosen gewesen, ergänzte sie. Der Begriff Graue Energie beschreibe den zur Herstellung eines Mobiltelefons benötigten Strom. „Die benötigte Energie zur Herstellung einiger von uns verwendeten Geräte ist  so hoch, wie die laufende Nutzung von ca. 66 Jahren wäre“, fügte Manuela Bigler hinzu.

Nachhaltigkeit hört nicht beim Konsum auf.

Doch nicht nur bewusster Konsum und schonender Umgang mit Ressourcen, sondern auch ein bewusstes Leben und mehr Zeit für Privates standen für die MitarbeiterInnen des Umweltbundesamts im Fokus.. Um ihre Zeit sinnvoller zu nutzen, erfassten die TeilnehmerInnen in einem Referenzzeitraum sämtliche persönliche Aktivitäten, also auch die Zeit, die sie am Handy oder auf Social Media Plattformen verbrachten und bemühten sich, diese bewusst zu reduzieren. Gleichzeitig bearbeiteten sie ihre Aufgabenlisten, in dem sie zu erledigende Punkte nach Dringlichkeit und persönlicher Bedeutsamkeit listeten. Zudem übte sich die Gruppe in Achtsamkeitsübungen wie Meditation. Achtsamkeit gegenüber einem Selbst sowie die Reduzierung von Stresssituationen seien von zentraler Bedeutung, denn „immer schneller und mehr zu arbeiten“ bedeute nicht automatisch eine Effizienzsteigerung, resümierte Bigler.

Abschließend lud Manuela Bigler die Gäste des Abends ein, selbst Experimente durchzuführen und sich Perspektiven für ein nachhaltiges Leben bewusst vor Augen zu führen. Die Verantwortung liege dabei nicht bei einer Person allein, jedoch könne mit Selbstreflexion und dem nach außen Tragen eines solchen Projekts das Bewusstsein für einen nachhaltigeren Lebensstil auf verschiedenen Ebenen geschaffen werden.

Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und ist Mitglied im Online-Redaktionsteam. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


Weiterführende Links:

Umweltbundesamt: Transform_U


Veröffentlicht in Sozial-ökologische Transformationen.