Die Ressourcen, die uns unsere Erde bietet, sind begrenzt und dennoch nimmt die Ausbeutung kein Ende. Wie schlecht es tatsächlich um unseren Planeten steht und was wir tun können, um unser tägliches Leben nachhaltiger und fairer zu gestalten, darüber berichtete Michael Schwingshackl am 5. Mai im Kepler Salon in Linz.Würden alle Menschen auf der Welt so leben, wie es heute die Mehrheit der Menschen in den reichen Ländern – also auch in Österreich – tut, so wären drei Planeten der Qualität der Erde nötig, um einen derart verschwenderischen Lebensstil für die gesamte Weltbevölkerung gewährleisten zu können. Mit Hilfe interaktiver Übungen, anschaulicher Grafiken und Bildern versuchte Schwingshackl als Vertreter der Plattform Footprint dem Publikum ein „neues Bild der Welt“ zu vermitteln, in dem globale Problematiken und Verhältnisse erkannt werden können. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Verein Fair Planet und dem Klimabündnis Oberösterreich durchgeführt, Gastgeber war Klaus Buttinger, Redakteur der Oberösterreichischen Nachrichten.
Das Leben ist (k)ein Ponyhof
Unsere Lebens- und Konsumweise habe die Welt stark geprägt, erzählte Schwingshackl. Die Weltmeere seien beinahe leergefischt und stelle man die gesamte Biomasse der wichtigsten Nutztiere des Menschen (Kühe, Pferde, Schweine, Hühner,…) der Masse aller landlebenden Wirbeltiere (Elefanten, Antilopen, Hirsche,…) gegenüber, so übersteige die Masse der Nutztiere jene der übrigen Wirbeltiere bereits um das 20fache. „Wir glauben“, so Schwingshackl, „die Welt ist eine riesengroße Wildnis und dann gibt es ein paar Schandflecken mit unseren Häusern, Fabriken und Autobahnen. Aber unsere Welt ist eine riesengroße Farm! Ein Bauernhof, der saumäßig schlecht gemanagt ist!“
Neben den ökologischen Folgen unseres Lebensstils bringe dieser aber auch soziale Probleme und Ungleichheiten mit sich. Ein Viertel der Weltbevölkerung verfüge über drei Viertel aller Ressourcen, die große Mehrheit der Menschen müsse mit dem übrigen Viertel der Ressourcen auskommen. „Wenn wir in Europa den Fuß am Gaspedal haben oder am Mopedgriff oder unsere Häuser mit Öl heizen,“ verdeutlichte Schwingshackl, „verändert sich das Klima und Inseln werden geflutet, Wetterextreme verändern die Bedingungen, zum Beispiel von brasilianischen Bauern, die noch keinen Liter Treibstoff verbrannt haben. Das waren meine CO2-Emissionen. Eure CO2-Emissionen. Dieser enormen Macht, die jetzt vorherrscht, steht noch keine kollektive Verantwortung gegenüber.“
Der faire Anteil
Eine solche Welt sei nicht zukunftsfähig, so der Vortragende. Es müsse also einiges geändert werden und dazu brauche es einen Globalverstand, der es uns ermögliche, so zu handeln, dass wir andere nicht negativ beeinflussen. Der ökologische Fußabdruck stelle hier eine Methode dar, zu messen, wie viel ein Mensch von dem beansprucht, was auf der Erde insgesamt vorhanden ist und welcher Teil von diesen Gesamtressourcen jedem und jeder Einzelnen zustehen würde, wären diese Ressourcen gerecht aufgeteilt. Stark vereinfacht gesagt, wird hier ermittelt, welche Fläche nötig ist, um jene Rohstoffe zu produzieren, die ein Mensch pro Jahr benötigt, um seinen Lebensstil (Ernährung, Kleidung, Mobilität, etc.) auf lange Sicht aufrecht erhalten zu können und Abfälle wie CO2 wieder umzuwandeln.
Der faire Anteil der jedem und jeder ErdenbürgerIn heute zustehe, betrage 1,8 Globalhektar, also rund die Fläche zweier Fußballfelder mit durchschnittlicher Produktivität. In Österreich, so Schwingshackl, würden durchschnittlich aber 5,3 Globalhektar pro EinwohnerIn und Jahr beansprucht. Eine Senkung dieses Verbrauchs sei daher notwendig.
Wege zum guten Leben auf leichtem Fuß
In der anschließenden Diskussion widmeten sich Publikum und Vortragender vor allem der Frage, was jedeR Einzelne tun könnte, um zu einem fairen, nachhaltigen und gleichzeitig gutem Leben zu gelangen. Zwar sei auch die Änderung von politischen und ökonomischen Strukturen wichtig, man könne aber auch Verbesserungen bewirken, ohne auf das Handeln von PolitikerInnen angewiesen zu sein.
Besonders wichtig sei der Verzicht auf die Nutzung von Flugzeugen, erklärte Schwingshackl, genauso wie die Beachtung der Schlagwörter „weniger, langsam und nie allein“ bei der Nutzung von Autos oder ein Systemwechsel des Antriebes. Auch das organisierte Car Sharing, wie es in Wien bereits existiere, könne hilfreich sein. Einen anderen zentralen Punkt stellen die Reduktion des Konsums von Fleisch und Tierprodukten und die Bevorzugung lokaler, saisonaler und biologischer Nahrung dar. Im Bereich Wohnen müsse man darauf achten erneuerbare Energien zu nutzen, zu isolieren und besser auf kleinerem Raum zu leben, beispielsweise in Wohngemeinschaften.
Als letzten, ebenfalls wichtigen Punkt nannte Schwingshackl die Freude am guten Leben auf leichtem Fuß. Doch der Weg hin zu einem solchen Leben scheint noch einige Hindernisse aufzuweisen. So dürfte für viele Menschen eine Verkleinerung ihres Fußabdruckes gleichbedeutend sein mit einem Verzicht auf alle Annehmlichkeiten. Diese Problematik kam auch in der angeregten Diskussion an diesem Abend zur Sprache. Schwingshackl betonte hier die Bedeutung der Fantasie des Menschen, sich eine andere Welt vorzustellen. Wir hätten uns bereits so sehr an ein Leben im Überfluss gewöhnt, dass wir die vielen Vorteile und Freiheiten, die wir mit einer Änderung unseres Lebensstils gewinnen würden, einfach übersehen. Versuche man aber die Situation anderes zu betrachten und probiere dieses neue Leben aus, könne man erkennen, dass beispielsweise die Abschaffung des eigenen Autos und damit auch das Wegfallen von Verkehrsstaus, Parkplatznot oder finanzieller Belastungen nicht automatisch als Verzicht, sondern auch als Zugewinn an Lebensqualität erlebt werden kann.
Für Personen, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben, bot der Abend eine Reihe von Ideen, wie jedeR seinen Alltag ein kleines bisschen verbessern und gleichzeitig ressourcenschonender gestalten könnte.
Weiterführende Links:
Plattform Footprint
Verein Fair Planet
Österreichischer Fußabrduckrechner
Die Autorin ist Mitglied im Online-Redaktionsteam des Paulo Freire Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.