Transition Tirol: Kick-off am 15. Mai in Innsbruck

Die Transition-Bewegung vernetzt Menschen und Initiativen, die ihr Umfeld gemeinsam aktiv verändern und alternative Modelle zum Mainstream-Kapitalismus gestalten wollen. Am Donnerstagabend, 15. Mai, versammelten sich in der Bäckerei Kulturbackstube in Innsbruck über 120 Interessierte zum Kick-Off-Event von Transition Tirol.Die Grundidee hinter Transition ist einfach: Es gibt viele Menschen, die mit den momentanen gesellschaftlichen Umständen unzufrieden sind und spüren, dass wirtschaftliches Wachstum nicht die alleinige Antwort auf die Krisen unserer Zeit sein kann. Menschen, die sich für einen ökologisch und sozial verträglichen gesellschaftlichen Wandel und letztendlich eine lebenswertere Zukunft einsetzen.

Von Slow-Food bis zur Gemeinwohlökonomie

Viele dieser Menschen haben bereits begonnen, selbst mitzugestalten und nutzen bestehende Handlungsspielräume um alternative Modelle zu entwickeln. Gerade in den letzten Jahren gründeten sich zum Beispiel überall auf der Welt Lebensmittelkooperationen (FoodCoops), Tauschkreise oder gemeinsame Anbau- und Wohnprojekte wie z.B. interkulturelle Gemeinschaftsgärten. Ableger von Slow Food, Attac oder Regionalgruppen der Gemeinwohlökonomie-Bewegung (GWÖ) verzeichnen regen Zulauf. Immer mehr Interessierte beschäftigen sich mit Dingen wie UpCycling, bei dem aus Abfallprodukten Neues entsteht oder frei verfügbaren, nicht-lizenzierten Gemeingütern (Commons) von Wasser bis Software.

Kooperation statt Konkurrenz

Gemeinsam ist diesen sehr bunten und unterschiedlichen Zusammenschlüssen das Ziel lokale und regionale Strukturen zu stärken, möglichst unabhängig von fossilen, finanziellen und umweltverzehrenden Ressourcen zu werden und Kooperation statt Konkurrenz zu leben. Das internationale Transition-Network versteht sich als Plattform, die Initiativen und Privatpersonen mit ähnlichen Zielen vernetzt, um ihnen mehr gesellschaftlichen Einfluss zu verschaffen. Dabei wird vor allem auch auf den Austausch von Erfahrungswerten und Know-How Wert gelegt.

Die regionalen Transition-Gruppen unterstützen dabei Gleichgesinnte für gemeinsame Projekte und Kooperationen, bieten Raum für Austausch und stärken Forderungen durch gemeinsames Auftreten im Bedarfsfall. Dies kann sehr nützlich sein, wenn es um Verhandlungen mit lokalen Politikerinnen und Politikern geht, zum Beispiel bei der Nutzung von städtischen Freiflächen.

Transition Tirol

In Innsbruck bzw. Tirol schlossen sich ebenfalls mehrere bestehende, sehr unterschiedliche Organisationen und Privatpersonen zusammen um Transition Tirol ins Leben zu rufen: Attac, SlowFood, Permakultur und Caritas Tirol, das Tiroler Gemeinwohlökonomie-Energiefeld, das Haus der Begegnung (HdB) der Diözese Innsbruck, dekade.at, das Waldhüttl Innsbruck und viele engagierte Privatpersonen organisierten das erste Treffen am 15. Mai 2014.

Dipl. Theologin Alexandra Bauer, eine der MitbegründerInnen vom HdB, erzählte, dass der endgültige Entschluss zur Gründung von Transition Tirol nach mehreren intensiven Vernetzungstreffen der jetzigen BündnispartnerInnen im Oktober 2013 fiel.

Das Spektrum der GründerInnen des regionalen Tiroler Ablegers reicht von christlich bis politisch orientiert – und ist bis jetzt ein voller Erfolg: Über 120 Interessierte unterschiedlicher politischer und gesellschaftlichen Couleur und jeden Alters versammelten sich am Donnerstagabend im Veranstaltungssaal der Bäckerei Kulturbackstube, um mehr über das Netzwerk zu erfahren. Bauer betonte, dass gerade die Vielfalt von Meinungen und Werten Transition ausmache und auch ihr selbst ein besonderes Anliegen sei. Die Bewegung habe so das Potential ein breites gesellschaftliches Spektrum anzusprechen. Nur von Lokalpatriotismus und rechtsnationalem Gedankengut grenzen sich die TirolerInnen klar ab: Probleme mit Rechtsextremen bei anderen offenen und inklusive Netzwerken wie Occupy haben vermutlich dazu beigetragen, dass auch „Was Transition Tirol nicht ist“ ein Teil der Präsentation an diesem Abend war. Ansonsten ist laut Bauer Jede und Jeder eingeladen mitzugestalten – auch utopisch anmutende Ideen seien willkommen.

In kleinen Schritten viel bewegen

„Wir schließen uns zusammen“, so heißt es auf der Website, „um in kleinen Schritten einen sozialen, gerechten und ökologischen Transformationsprozess anzustoßen. Wir verstehen uns als lokale Initiative im internationalen Netzwerk von Orten im Wandel (Transition Towns)“. Und kleine Schritte wurden an diesem Abend gemacht: Gleichgesinnte fanden sich zu Arbeitsgruppen im Open-Space zusammen, um gemeinsam über Projekte zu reden; an den Infotischen von SlowFood und Attac wurde fleißig diskutiert und am Ende durften alle ihre erarbeiteten Früchte und Ideen im Plenum „ernten“; die FoodCoop-Innsbruck Arbeitsgruppe machte gleich einen Termin für ein Gründungsplenum aus. „Die Lust eine lebenswerte Zukunft zu gestalten“, wie Alexandra Bauer es nannte, war deutlich spürbar.

Weiterführende Links:

Mehr über Transition Tirol und die BündnispartnerInnen unter:

www.transition-tirol.net

Mehr über das internationale Transition Network unter:

https://www.transitionnetwork.org/

Die Autorin ist Mitglied des Redaktionsteams des Paulo Freire Zentrums und lebt seit 2012 in Tirol. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.