Samantha Hargreaves – Kampf gegen Extraktivismus

Samantha Hargreaves, Wissenschaftlerin und Aktivistin, kämpft für Frauenrechte, Landrechte, Nahrungsmittelsouveränität und gegen Extraktivismus in Südafrika und angrenzenden Ländern. Sie wird als Referentin bei der Entwicklungstagung in Salzburg vom 14.-16. November 2014 auftreten.

Samantha Hargreaves

Samantha Hargreaves schloss 1994 einen Master in Development Planning und Development Studies an der University of the Witwatersrand in Johannesburg ab. Seither arbeitet sie hauptsächlich zu Themen rund um Landrechte und Agrarreform, mit speziellem Fokus auf Frauen aus ländlichen Gebieten in Südafrika. Sie führte einige Forschungsprojekte z.B. zu Landreform und Gewalt gegen Frauen durch und arbeitete für unterschiedliche nationale und internationale Organisationen (Action Aid, Nationale Landkommission Südafrika). Seit 2012 beschäftigt sie sich im Rahmen derInternational Alliance for Natural Ressources in Africa (IANRA) mit einem Projekt zu Frauen, Gender und Extraktivismus (Women in Mining – WoMin). Nebenbei arbeitet sie selbstständig als Trainerin und verfasst auch journalistische Texte.

Was ist Extraktivismus?

Extraktivismus bezeichnet ein Entwicklungsmodell, das auf großangelegten Abbau von Bodenschätzen wie Öl, Mineralien, und Erdgas für den Export setzt. Einige Definitionen schließen auch industrielle Nutzung von Wasser- oder Waldressourcen ein. Im Zuge der Finanzkrise 2009 trieben große Organisationen wie die Weltbank Investitionen in extraktivistische Projekte voran, um durch den Verkauf von Rohmaterialien die Wirtschaft anzukurbeln. Betroffen von Extraktivismus sind vor allem Länder des globalen Südens mit reichen Bodenschätzen, wie Sierra Leone, Niger oder Angola. Das Modell ist umweltschädigend und beeinträchtigt das bestehende Sozialgefüge und lokale Machtstrukturen auf nachhaltige Weise.

Ländliche Haushalte im Afrika südlich der Sahara sind stark von landwirtschaftlicher Produktion abhängig. Um Großprojekte im Stil des Extraktivismus durchführen zu können, werden große Landflächen beschlagnahmt und damit KleinbauerInnen die Lebensgrundlage entzogen. Außerdem führen extraktivistische Großprojekte zu Wasser- und Umweltverschmutzung und einer Beschleunigung des Klimawandels. Die daraus resultierenden negativen Effekte bekommen KleinbauerInnen und die ländliche Bevölkerung besonders stark zu spüren. So erklärt sich der Widerspruch, dass die Subsahararegion in den letzten Jahren ein enormes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigender Armut aufweist.

International Alliance on Natural Ressources in Africa (IANRA)

Um für eine gerechtere und nachhaltigere Nutzung natürlicher Ressourcen einzutreten, gründete sich die International Alliance on Natural Ressources in Africa (IANRA). IANRA ist ein Zusammenschluss aus insgesamt über 150 zivilgesellschaftlichen Organisationen, die, mit Ausnahme einer Organisation aus den Niederlanden, alle aus afrikanischen Ländern stammen. IANRA möchte unterschiedliche AkteurInnen in verschiedenen Ländern miteinander in Kontakt bringen, eine Plattform des Austausches schaffen und so die einzelnen Organisationen in ihrem Engagement stärken. Mit einer Kombination aus Forschung, gemeindebasierten Projekten und juristischen Initiativen möchte IANRA gerechtere Strukturen schaffen und Extraktivismus bekämpfen.

Frauen, Gender und Extraktivismus

Durch geschlechtsspezifische Arbeitsteilung sind Frauen in besonderer Weise von Extraktivismus betroffen. Frauen im subsaharischen Afrika sind meist für reproduktive Tätigkeiten (Kindererziehung, Krankenpflege etc.) sowie für Subsistenzwirtschaft verantwortlich, während Männer in der Erwerbsarbeit tätig sind.

Im Zuge der extraktivistischen Praxis wird oft gemeinnützig, meist von Frauen bewirtschaftetes Land enteignet und für Großprojekte genutzt. Durch diese Enteignungen werden Frauen in ihrer gesellschaftlichen Position geschwächt.

Women in Mining (WoMin)

WoMin ist eine Organisation, die speziell auf diese genderspezifischen Probleme durch Extraktivismus aufmerksam machen will. WoMin, als Mitgliedsorganisation von IANRA wurde 2013 gegründet, Vorsitzende ist Samantha Hargreaves. Die Organisation beschäftigt sich speziell mit Genderfragen im Zusammenhang mit Extraktivismus. Dazu hat WoMin eigene Forschungsberichte zum Thema Frauenrechte und Extraktivismus veröffentlicht.

Bild: Logo WoMin

womin.jpgDadurch sollen die Öffentlichkeit und EntscheidungsträgerInnen in Politik und Wirtschaft über die Zusammenhänge zwischen Extraktivismus, Frauen und Gender aufmerksam gemacht werden. So möchte die Organisation auch auf gesetzliche Änderungen hinwirken. Desweiteren will die Organisation die zeitnahe Umsetzung von Reformen begleiten und unterstützen, die Frauen und ihre Gemeinschaften vor negativen Einflüssen durch Extraktivismus schützen. Darüber hinaus soll gemeinsam mit den betroffenen Frauen ein alternatives Modell zum ausbeutenden Extraktivismus entwickelt und durch Kampagnen bekannt gemacht werden. Um diese Ziele erreichen zu können, arbeitet WoMin eng mit anderen AkteurInnen zusammen, die sich für die Rechte von Frauen und gegen Extraktivismus einsetzen. Zu den Zielen für die folgenden Jahre gehören weitere Forschungen und Forschungskooperationen (vor allem Participatory Action Research), feministische Train-the-Trainer Programme und Kampagnen gegen Großkonzerne.

Samantha Hargreaves wird bei der Entwicklungstagung in Salzburg zu Alternativen zu einem zerstörenden Extraktivismusmodel und zu Gendergerechtigkeit sprechen.

Hier gehts zur Politischen Erklärung gegen Extraktivismus.

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.

 

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.