Das Freire-Zentrum bat eine Reihe von Personen, ihre Vorstellungen
eines integrierten Entwicklungsbegriffs in kurzer Form zu präsentieren.
Foto: Heinz Hödl
Entwicklung ist Leben in Fülle für alle Menschen. Dazu gehören das
Verfügen über das Lebensnotwendige, das Freisein von jeglicher
Unterdrückung, das Wissen um die Würde und die Ziele seines/ihres
Lebens, die Fähigkeit und Möglichkeit, sein/ihr Leben selbst zu
gestalten und das Leben in der Gemeinschaft mitzubestimmen.
Für mich steht der Mensch im Zentrum aller Entwicklungsbemühungen.
Menschen können nicht entwickelt werden, sie können sich nur selbst
entwickeln.Aufgabe der Gesellschaft ist es, Rahmenbedingungen zu
schaffen, innerhalb derer Entwicklung möglich wird. Das Ziel des entwicklungspolitischen Handelns ist für mich, Hemmfaktoren abzubauen und Freiräume zu schaffen, um damit besonders die Entwicklungschancen der am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern und Industrieländern zu verbessern.
Für mich kommen nur Entwicklungskonzepte in Frage, die die Mängel herkömmlicher Wachstumsstrategien vermeiden. Dazu gehört ein Handeln aus der Einsicht, dass Wirtschaftswachstum Grenzen hat und nicht automatisch mit einer Steigerung der Lebensqualität gleichzusetzen ist.
Es geht demnach nicht um Entwicklungshilfe, sondern um Entwicklungspolitik als kohärente Maßnahme der Handels-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Finanzpolitik.
Der Autor ist Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission.