Das Freire-Zentrum bat eine Reihe von Personen, ihre Vorstellungen
eines integrierten Entwicklungsbegriffs in kurzer Form zu präsentieren.
Foto: Judith Brandner
Entwicklung, wenn wir damit Entwicklungshilfe oder –zusammenarbeit
meinen, ist für mich etwas, was eigentlich überflüssig sein sollte. Am
Ende sollte das Ziel stehen, niemanden mehr "entwickeln" zu müssen.
Denn was verstehen wir unter "Entwicklung"? Wir, also die reichen
Länder des Nordens, bringen finanzielle Mittel und Know-How in die
Länder des Südens, um dort die schlimmste Not zu lindern. Wir versuchen
in bester Absicht, bestehende globale Ungleichheiten abzuschaffen, oder
zumindest in diese Richtung zu wirken.
Doch oft liefern wir mit unserer Hilfe auch unsere Vorstellungen von Entwicklung mit. Sind aber unsere Vorstellungen von Entwickeltsein, von Eigentum, Besitz, Reichtum, Fortschritt immer die richtigen? Bedenken wir die Ursachen für "Unterentwicklung" mit wie etwa das neoliberale Wirtschaftssystem, dessen Erfolg auf der Ausnutzung globaler Ungerechtigkeiten basiert oder behandeln wir nur die Symptome? Bedenken wir, dass unser Reichtum in vielerlei Hinsicht auf der Armut der anderen beruht? Warum lagern global agierende Konzerne ihre Produktionen in Länder aus, wo menschliche Arbeitskraft billig ist, wo keine arbeits- und sozialrechtlichen Standards gelten (die zu erreichen hierzulande Gewerkschaften jahrelang gekämpft haben)? Warum gehen sie in Länder, wo sie sich kaum um Umweltschutzvorschriften kümmern müssen und auch nicht um die Einhaltung grundlegender Menschenrechte?
Entwicklung muss daher auch die Entwicklung im eigenen Land hinterfragen.
Die Autorin ist Ö1-Redakteurin. Sie erhielt 2005 den Herta Pammer-Preis der Katholischen Frauenbewegung Österreichs.