„Ökonomisch und technisch möglich“

Lateinamerika produziere Nahrung ausreichend für das Dreifache seiner Bevölkerung und dennoch hungern Millionen Menschen, sagten MitarbeiterInnen der Vereinten Nationen bei einer Regionalkonferenz der Anden-Region in Quito am 23. November 2004.

Der Kontinent Lateinamerika müsse seine Anstrengungen verdoppeln, die Ungleichheit zu eliminieren, die zu weiten Schichten von Unterernährung und Armut führe, die wiederum die wirtschaftliche Entwicklung auslaugen.

"Der Verlust an Talent und menschlichem Potenzial, der durch Hunger und Unterernährung verursacht wird, ist wahrscheinlich die ernsteste Langzeitbedrohung, mit der die ökonomische und soziale Entwicklung konfrontiert sei", sagte Philip Clarke, Regionaldirektor des Welternährungsprogramms (World Food Programme, WFP) für Lateinamerika und die Karibik, einem MinisterInnentreffen der Andenregion am 23. November 2004.

Nach einem Bericht des WFP und der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (UN Economic Commission for Latin America and the Caribbean, ECLAC), der bei dem MinisterInnentreffen in der Ecuadorianischen Hauptstadt Quito präsentiert wurde, leiden insgesamt 20 Prozent der Kinder unter fünf Jahren an chronischer Unterernährung 27 Prozent in Bolivien, 26 Prozent in Ecuador, 25 Prozent in Peru und 14 Prozent in Kolumbien. Das Problem sei speziell unter der indigenen und ländlichen Bevölkerung der Andenregion akut, wo fast die Hälfte der Kinder, die eine indigene Sprache sprechen, an Unterernährung leiden.

Lateinamerika als Ganzes ist jedoch ein Kontinent reich an Nahrung. Seine 24 Länder mit 530 Millionen Menschen produzierten im Jahr 2002 genug Nahrung, um 1,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Hunger stehe deshalb in direkter Relation zu Ungleichheit und Zugang zu Nahrung. Das Problem werde in den Ländern der Anden-Region durch geographische und kulturelle Barrieren und durch eine Ineffizienz bestimmter nahrungspolitischer Maßnahmen verstärkt.

"Wie viele WissenschafterInnen, wie viele IngenieurInnen, wie viele NobelpreisträgerInnen, Geschäftsleute, SportlerInnen und politische DenkerInnen sind durch diese Plage verloren worden?", fragte Philip Clarke in seiner Eröffnungsrede.

"Dies ist die Generation, die dem Hunger in Amerika, dem Analphabetismus, extremem Leiden und Mängeln im Gesundheitssystem ein Ende setzen könnte, indem jeder Person in unseren Ländern die Grundbedürfnisse gewährleistet werden", betonte Clarke: "Es kann erreicht werden. Es ist ökonomisch möglich und es ist technisch möglich, aber wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um es den Millionen von Armen und Hungrigen zu ermöglichen, in den Zug wachsenden Wohlstands in unserer Region einzusteigen."

Quelle: Vereinte Nationen

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.