Welche Macht und Verantwortung haben österreichische Firmen?
Podiumsdiskussion mit u.a. Martin Ledolter (ADA), Florian Wettstein (Universität St. Gallen), Werner Wutscher (respACT), Franz Fiala (NESOVE) und Karin Küblböck (ÖFSE).
Zeit: Montag, 03. März 2014, 18.30 Uhr
Ort: C3-Bibliothek für Entwicklungspolitik, Foyer
Hier geht es zum Veranstaltungsbericht und zum Film.
Der Beitrag der Wirtschaft bzw. des Privatsektors bildet einen aktuellen Schwerpunkt der österreichischen und internationalen Entwicklungspolitik. Worin besteht nun aber eigentlich das Potenzial des Privatsektors für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung im Süden? Welche Gefahren sind mit den meist vorherrschenden Machtasymmetrien zwischen Unternehmen und lokalen Akteuren verbunden?
Hintergrund:
Obwohl bereits seit mindestens drei Dekaden beständiges Thema öffentlicher Diskussionen, hat die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen in den letzten Jahren erneut Aktualität erlangt. Dies ist auf internationaler Ebene auf die zunehmende Bedeutung von globalen Produktionsnetzwerken, die Intensivierung des Rohstoffabbaus und die Durchführung von großen Infrastrukturprojekten in Schwellen- und Entwicklungsländern zurückzuführen. Diese Aktivitäten sind zum Teil mit gravierenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen verbundenen und werden in der Regel von multinationalen Unternehmen durchgeführt. Das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und den damit verbundenen sozialen und ökologischen Auswirkungen führte zu einer kontroversen Diskussion über die Verantwortung von Unternehmen in solchen Wirtschaftsaktivitäten. Die Diskussion zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen gewinnt auch im Feld der Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit (EZA) an Bedeutung. Zahlreiche Geber, so auch Österreich, legen vermehrt einen programmatischen Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Entwicklung haben sich aber zugleich einem menschenrechtsbasierten Ansatz in der EZA verpflichtet.
In einer öffentlichen Podiumsdiskussion wird erörtert, wie mit dem Spannungsfeld von Unternehmenstätigkeit in Entwicklungsländern und deren Förderung durch die EZA auf der einen Seite, und mit den dabei auftretenden gesellschaftlichen Problematiken auf der anderen Seite, umgegangen werden soll.
ReferentInnen:
Franz Fiala studierte Technische Chemie an der Technischen Universität Wien und Toxikologie an der Universität Wien. Als Leiter des Verbraucherrat Consumer Council am Austrian Standards Institute vertritt er Verbraucherinteressen in nationalen, europäischen und internationalen Normungsgremien sowie in Regelungsausschüssen in den Bereichen Produktsicherheit und Umweltschutz. Er ist in verschiedenen Funktionen in der europäischen Verbrauchervertretung in der Normung (European Association for the Co-ordination of Consumer Representation in Standardisation, ANEC) und als Vorsitzender der Arbeitsgruppen Umwelt und Nanotechnologie tätig sowie Vorstandsvorsitzender im österreichischen Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe).
Karin Küblböck ist Ökonomin, Studium der Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universidad de Buenos Aires. Wissenschaftliche Mitarbeiterin der ÖFSE, von 1996-2000 zuständig für Österreichische Entwicklungspolitik, seit 2001 für den Bereich Internationale Wirtschaft und Entwicklung. Lehrbeauftragte für Entwicklungsökonomie an der Universität Wien.
Martin Ledolter ist seit Juli 2013 Geschäftsführer der Austrian Development Agency — ADA. Davor war er Berater des Vizekanzlers und Außenministers in Angelegenheiten der Entwicklungspolitik, Sozial- und Gesundheitsfragen. Der promovierte Jurist arbeitete als politischer Referent und Leiter der politischen Abteilung im Österreichischen ArbeitnehmerInnen- und Angestelltenbund und war als Fraktionsexperte im Parlamentsclub der Österreichischen Volkspartei tätig. Seit 2008 unterrichtet Martin Ledolter außerdem an der Fachhochschule IMC Krems internationales Gesundheitsrecht und hält Gastvorlesungen an der Vietnam University of Commerce in Hanoi.
Werner Raza studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit Oktober 2010 ist er Leiter der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE). Er arbeitet zudem als Lehrbeauftragter an österreichischen Universitäten und Fachhochschulen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Internationale Handelspolitik, Internationale Politische Ökonomie und Entwicklungspolitik.
Florian Wettstein studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität St.Gallen und promovierte 2007 zu Unternehmensethik aus menschenrechtlicher Perspektive. Nach Forschungsaufenthalten an der Carroll School of Management des Boston College, des MIT Program on Human Rights and Justice und an der York University in Toronto forschte und lehrte er als Assistant Professor an der University of St. Thomas in Minneapolis/St. Paul, USA. Seit 2011 ist er Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St.Gallen. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Unternehmensethik aus menschenrechtlicher Perspektive, der normativen Theorie und der politischen Ökonomie sowie der Entwicklungsethik.
Werner Wutscher studierte Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Graz, absolvierte ein Masterstudium an der Harvard University. Als Experte für Nachhaltigkeit, insbesondere im Lebensmittelhandel und GreenTech, ist er derzeit Unternehmensberater. Zuvor war er 10 Jahre lang im Spitzenmanagement von Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung tätig und begleitete zahlreiche Veränderungsprozesse. 2013 gründete er das Unternehmen New Venture Scouting mit dem Ziel etablierte Unternehmen und Startups zu verbinden. Seit 2010 ist er Vorstandsmitglied bei respACT – austrian business council for sustainable development.
Eine Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bildung im C3ntrum“.
