Die Welt lesen, die Hoffnung neu schreiben.

Brasilianische Lernerfahrungen einer Pädagogik der Ermächtigung angesichts neuer ungleicher globaler Machtverhältnisse.


Zeit: Do., 15. Mai 2014, 18.00 – ca. 21.00 Uhr

Ort: C3-Bibliothek für Entwicklungspolitk; Sensengasse 3, 1090 Wien

Anmeldung unter: https://www.pfz.at/article1461.htm

Hintergrund

Neue geopolitische Kräfte und neue Formen der Ungleichheit stellen eine befreiende Bildungsarbeit vor neue Herausforderungen und machen eine globale Kontextualisierung notwendig. Seit dem Erscheinen von Paulo Freires „Pädagogik der Unterdrückten“ (1970) hat sich einiges an den Unterdrückungs- und Machtverhältnissen verändert. Der Abend beschäftigt sich daher mit den aktuellen globalen Zuständen und Paulo Freires „Antwort“ darauf:

  • Paulo Freires Formulierung „Die Welt lesen lernen“ verbindet Alphabetisierung mit politischer Bildung. Wie kann die Welt heute „gelesen“ werden, welche „Große Erzählung“ können wir erkennen?
  • Wie kann die Pädagogik der Unterdrückten auf die aktuellen Kräfte- und Unterdrückungsverhältnisse „angewandt“ werden? Wie könnte mit dieser kritischen Pädagogik den aktuellen Krisen begegnet werden?
  • Welche Rolle spielt die EU in den globalen Machtverhältnissen, welche Rolle spielt Brasilien und was bedeutet das für freireanisches Denken?
  • Paulo Feire war politischer Optimist, so widrig die Umstände auch waren. Konstruktives Handeln braucht den Glauben daran, dass die Menschen ihre eigene Geschichte machen. Welcher Anlass zur Hoffnung besteht heute?

Zentral bei diesen Fragen ist die globale Perspektive. Aus diesem Grund werden Erfahrungen der freireanischen Bildungsarbeit in Brasilien – dem Geburtsland der Pädagogik der Unterdrückten – herangezogen und mit europäischen Ansätzen in Zusammenhang gebracht. Der Vortrag von Paulo Roberto Padilha vom „Instituto Paulo Freire“ (IPF) in São Paulo legt den Grundstein für die Diskussion. Gemeinsam mit dem österreichischen Journalisten Robert Misik wird er laut darüber nachdenken, was die brasilianischen Erfahrungen für den europäischen Kontext bedeuten und was daraus gelernt werden kann.

Bewegung in die Veranstaltung bringen werden Theaterübungen nach Augusto Boal und dem „Theater der Unterdrückten“, die den Vortrag und die anschließende Diskussion umrahmen.

Übrigens: Das Paulo Freire Zentrum wird im Frühling 2014 zehn Jahre alt. Dies ist Anlass, sich mit der Aktualität seiner Arbeit und einer zeitgemäßen „Pädagogik der Unterdrückten“ auseinanderzusetzen. Eine Absicht dieses Abends ist es daher, Gegenwart und die Zukunft freireanischer Bildung in Österreich, Europa und auf der ganzen Welt zu reflektieren.

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Programm:

  • Eröffnung mit Theater der Unterdrückten. Simone Grosser, Verein Isento Salzburg
  • Paulo Roberto Padilha (Instituto Paulo Freire, São Paulo): „Bildung für ein planetarisches Citizenship: Für eine Pädagogik der Ermächtigung“

    Vortrag und Musik
  • Im Spiegel des Theaters der Unterdrückten II. Simone Grosser, Verein Isento Salzburg
  • Robert Misik, Journalist und politischer Schriftsteller, Wien:“Ist emanzipatorisches Lernen in den aktuellen globalen Verhältnissen überhaupt noch denkbar?“
  • Podium mit Kommentaren und Publikumsdiskussion
  • anschließend kleiner Festakt zum 10. Geburtstag des Paulo Freire Zentrums, mit Grußbotschaften und kleinem Buffet

Moderation: Andreas Novy, ÖFSE/Paulo Freire Zentrum Wien/WU Wien

Veranstaltung in deutscher und portugiesischer Sprache mit Übersetzung ins Deutsche und in (österreichische) Gebärdensprache.

Eine Kooperation von ÖFSE, Frauensolidarität, Baobab – Globales Lernen, Mattersburger Kreis und dem Paulo Freire Zentrum.

ReferentInnen:

Padilha.JPGPaulo Roberto Padilha ist seit 2007 er Direktor für institutionelle Entwicklung des „Instituto Paulo Freire“ in São Paulo. Er studierte Pädagogik (1991) und Buchhaltung (1980) an der „Universidade Camilo Castelo Branco“, wo er zwischen 2001 und 2004 auch lehrte. Sein Doktorat in Pädagogik absolvierte er an der „Universidade de São Paulo“. Weitere Lehraufträge folgten. Im Bereich Pädagogik sammelte er vor allem Erfahrungen in den Themen: städtische Schulbildung, ökopolitische Pädagogik, soziale Partizipation und Curriculum sowie Kommunalbildung. Aktuell ist er außerdem Direktor der „Sociedade da Terra – Centro de Estudos e Vivências para a Vida Sustentável“ (seit 2003) und staatlicher Koordinator der „Associação Brasileira das Organizações Não Governamentais“ (Abong/SP).

 Robert Misik ist Journalist und politischer Schriftsteller. Lebt meist in Wien, ein paar Monate im Jahr im Waldviertel und gerne ist er auch in Berlin (wo er die 90+-er Jahre verlebte). Schreibt Bücher, Kritiken, Artikel und Essays und den Weblog misik.at. Und die wöchentliche Videoblog-Sendung „FS-Misik“ auf derStandard.at. Ständiger Autor beim „Falter“, „profil“, „Standard“ und der „taz“. Ende der achtziger Jahre Redakteur bei der „Arbeiter-Zeitung“, arbeitete er später als Deutschland-Korrespondent des „profil“ und dann als Außenpolitik-Ressortleiter bei „Format“ – bis es ihm im Fellner-Reich zu blöd wurde.
robertmisik__helenawimmer.jpg Robert Misik, ©helenawimmer

Jüngste Buchveröffentlichungen:

– Genial dagegen. Kritisches Denken von Marx bis Michael Moore (2005).

– Anleitung zur Weltverbesserung. Das machen wir doch mit Links (Aufbau-Verlag, 2011)

– Halbe Freiheit. Warum Freiheit und Gleichheit zusammen gehört (Suhrkamp-Verlag, 2012)

– Erklär mir die Finanzkrise! Wie wir da reingerieten und wie wir wieder rauskommen (Picus-Verlag, 2013)

Nähere Informationen auf seiner Webseite.

Simone Grosser ist Kultur- und Sozialanthropologin, Romanistin und angehende Theaterpädagogin, die sich mit Augusto Boals Theater der Unterdrückten im Rahmen verschiedener Theaterprojekte befasste. Sie arbeitet bei KommEnt und ist Vorstandsmitglied des Vereins „Isento – vereint Theatermethoden“ in Salzburg.

Andreas Novy ist a.o. Univ.-Prof. am Institut für Regional- und Umweltwirtschaft der WU Wien. Als Brasilien-Kenner setzt er sich seit vielen Jahren mit den Konzepten Paulo Freires auseinander. Kuratoriumsvorsitzender der ÖFSE, Mitglied des Beirates des Paulo Freire Zentrums.

Zur Anmeldung geht es hier.

 

Eine Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bildung im C3ntrum“

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Veröffentlicht in Paulo Freire, Aktivitäten.