Das gute Leben – aber welches?

Einladung zur Präsentation einer Master-Thesis
Hier finden Sie den Bericht zur Veranstaltung.

Zeit: Mittwoch, 16. Mai 2012, 18.00 Uhr

Ort: Alois-Wagner-Saal im C3-Centrum für Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, 1090 Wien

Wie sollen oder wollen wir leben? Diese Frage ist vermutlich fast so alt wie die Menschheit selbst. Viele haben schon darüber nachgedacht und Erklärungen angeboten. Wir schließen uns diesen Überlegungen an und vergleichen den Fähigkeitenansatz von Amartya Sen mit dem Leitprinzip der ecuadorianischen Verfassung, Sumak Kawsay (Buen Vivir oder Leben in Fülle). Obwohl beide Konzepte eine Antwort auf die Frage nach dem guten Leben zu geben versuchen, ergeben sich Widersprüchlichkeiten und grundsätzlich verschiedene Perspektiven auf die Welt und auf das Leben.

  • Präsentation von Elisabeth Schmid, ehemalige Mitarbeiterin von Horizont3000 und der ADA – Austrian Development Agency
  • Kommentar von Andreas Novy, Paulo Freire Zentrum, WU Wien
  • Moderation: Margit Scherb, Referat für Qualitätssicherung und Wissensmanagement, ADA  – Austrian Development Agency

Anschließend Büffet, auf Einladung des VIDC – Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit.

Eine Veranstaltung vom Paulo Freire Zentrum, dem VIDC – Wiener Institut für internationalen Dialog und Zusammenarbeit und der Grünen Bildungswerkstatt.

Hintergrund

Der Fähigkeitenansatz von Amartya Sen ist in seiner wichtigsten Funktion ein Denkansatz, der im Konzept der menschlichen Entwicklung der UNDP eine umfangreiche und anerkannte, wenn auch nicht unumstrittene Anwendung findet. Wirtschaftliches Wachstum und die Erhöhung des Einkommens werden als Mittel gesehen, um ein höheres Ziel zu erreichen. Sen geht davon aus, dass ein möglichst großes Maß an Freiheit und Wahlmöglichkeiten, die es dem Menschen erlauben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, einem guten Leben am nächsten kommt.

Im Gegensatz dazu ist das Sumak Kawsay ein Zugang zum Leben, das auf eine indigene Kosmovision zurückgeht. Im Laufe der verfassungsgebenden Versammlung in Ecuador hat dieses Konzept allerdings eine Reihe von Änderungen und Erweiterungen erfahren. Als zentrale Punkte kritisiert das Sumak Kawsay den Umgang des Menschen mit der Natur, das lineare Wachstumsparadigma und die nachhaltige Marginalisierung ganzer Bevölkerungsgruppen. Es durchbricht das Gegensatzpaar entwickelt unterentwickelt und die Annahme der Überlegenheit der westlichen, eurozentrischen Weltanschauung. Das Sumak Kawsay basiert auf den Prinzipien der Harmonie zwischen Mensch und Natur, auf Solidarität, Reziprozität und Komplementarität.

In dieser Veranstaltung wollen wir der Frage nachgehen, ob das Sumak Kawsay ein neues Paradigma anbieten kann, das die Schattenseiten des Kolonialismus und des Kapitalismus zu überwinden vermag, während der Fähigkeitenansatz darin verhaftet bleibt.

Die Hauptreferentin

Elisabeth Schmid studierte Betriebswirtschaft an der Universität in Innsbruck. Ihr bisheriger beruflicher Weg führte sie über verschiedene Tätigkeiten im Finanzbereich hin zur Entwicklungszusammenarbeit. Sie arbeitete einige Jahre für HORIZONT3000 an der Katholischen Universität Ecuadors in Esmeraldas. Von 2005 bis 2010 war sie bei der Austrian Development Agency als Referentin für Privatsektorentwicklung tätig.

Sie beschäftigt sich mit alternativen Entwicklungsstrategien und mit Grenzen und Möglichkeiten wirtschaftlichen Wachstums. Im Zuge eines Postgraduate Studiums schrieb sie ihre Abschlussarbeit zur Frage nach dem guten Leben, für die sie unter anderem in Ecuador geforscht hat. Die Arbeit wurde im Jänner 2012 mit dem Dr.-Maria-Schaumayer-Preis ausgezeichnet.

Die Masterthesis

Elisabeth Schmid: Die Frage nach dem guten Leben. Ein kritischer Vergleich des Fähigkeitenansatzes von Amartya Sen mit dem verfassungsrechtlichen Leitprinzip des Sumak Kawsay in Ecuador. Master-These zur Erlangung des akademischen Grades Master of Arts (MA). Eingereicht bei der Donau-Universität Krems, Fachbereich Interkulturelle Studien.

BetreuerInnen: David Cortez und Christiane Hartnack.

Krems, September 2011

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Veröffentlicht in Aktivitäten, Gutes Leben für Alle.