Mut zur Nachhaltigkeit: Synergien und Zielkonflikte der SDGs.

Zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bedarf es eines fundamentalen ökonomischen, sozialen und technologischen Wandels. Doch welche Folgen und Konflikte bewirken sie? Ein Vortrag am 18. Jänner 2017 gab Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mut zur Nachhaltigkeit“ luden das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der BOKU und das Umweltbundesamt am 18. Jänner 2017 zum Vortrag „Auf Transformationspfaden zur Nachhaltigkeit: Welche Synergien und Zielkonflikte gibt es zwischen den UN Nachhaltigkeitszielen?“.

Ziel der Veranstaltungsreihe soll der Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft zu Fragen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Transformation der Gesellschaft sein. Im Fokus der gut besuchten Veranstaltung standen die komplexen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Zielen der Sustainable Development Goals (SDGs) und die vielfältigen, sowohl positiven als auch negativen Auswirkungen einer Umsetzung.

Wo bleiben die SDGs?

Die Veranstaltung begann mit einer kleinen Fragerunde an die BesucherInnen, die mit roten (für „Nein“) beziehungsweise gelben (für „ Ja“) Karten ihre Antworten aufzeigen konnten. Eindeutig waren die TeilnehmerInnen der Meinung, dass die SDGs im Wahlkampf letzten Jahres kaum bis gar nicht präsent waren und diskutiert wurden und auch keine adäquate Bearbeitung einer nachhaltigen Transformation stattfinde. Für eine höhere Aufmerksamkeit in den Medien und der Politik sei es wichtig, die Komplexität der Nachhaltigkeitsziele runter zu brechen, um sie für die breite Öffentlichkeit interessant zu machen, so Hruschka (Leiter des Bereiches Nachhaltige Entwicklung der Wiener Umweltschutzabteilung und Nachhaltigkeitskoordinator der Stadt Wien).

Auf dem richtigen Weg.

Der Vortragende Keywan Riahi (International Institute for Applied Systems Analysis, IIASA) beschäftigt sich mit Strategien für nachhaltige Entwicklung und den bestehenden Verknüpfungen der Nachhaltigkeitsziele. Er betonte die Besonderheit der SDGs, Nachhaltigkeit als ein neues politisches Feld integriert zu haben. Dies sei bei der Vorgängerversion, den Millennium Development Goals (MDGs), vernachlässigt worden. Man könne die 17 Entwicklungsziele in zwei zentrale Agenden einteilen: Das sei zum einen die Entwicklungsagenda im sozialen, gesundheitlichen sowie wirtschaftlichen Bereich und zum anderen die Umweltagenda, die für eine nachhaltige Entwicklung innerhalb der planetaren Grenzen verantwortlich sei. Diese zwei Agenden könnten aber nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Außerdem sei es notwendig, den Wettbewerb zwischen diesen beiden Blöcken möglichst zu vermeiden.

Als eine wichtige internationale Maßnahme sei das Paris-Abkommen 2015 zu nennen, welches eine Begrenzung der globalen Erwärmung unter 2°C vorsieht. Die damit einhergehenden Klima-Maßnahmen hätten auch bedeutende Auswirkungen auf weitere Ziele der SDGs wie Ziel 7 (Bezahlbare und saubere Energie), Ziel 2 (Kein Hunger) oder Ziel 6 (Sauberes Wasser und Sanitärversorgung). Die Maßnahmen könnten neben den direkten positiven Auswirkungen auf andere Ziele auch Konflikte zwischen den Zielen hervorrufen. Wichtig sei deshalb zu untersuchen, inwieweit diese Zielkonflikte verhindert oder zumindest vermindert werden können.

Synergien und Zielkonflikte.

Anhand von Schaubildern und Diagrammen zeigte Riahi Ergebnisse einer Studie auf, die die verschiedenen Auswirkungen und Zusammenhänge einer nachhaltigen Klimapolitik auf andere Nachhaltigkeitsziele darstellte. Zwischen Ziel 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und Ziel 3 (Gesundheit und Wohlergehen) seien große Synergien zu finden, da zum Beispiel die Luftverschmutzung durch Klimamaßnahmen stark zurückgehen würde. Dagegen könnten Zielkonflikte zwischen Ziel 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und Ziel 2 (Kein Hunger) vorherrschen, wenn beispielsweise für die Umstellung auf Bioenergie große Landflächen dafür benutzt werden (anstatt für Nahrungsmittelproduktion). Neueste Forschungsergebnisse zeigen jedoch auf, dass die Umverteilungskosten zur Vermeidung der negativen Effekte relativ gering im Vergleich zu den eigentlichen Transformationskosten ausfallen würden. Gerade einmal 0,3% des globalen Bruttoinlandprodukts seien hierfür nötig.

Ein besonders wichtiges und zentrales Ziel sei der verantwortungsvolle Konsum, der bedeutenden Einfluss auf die weiteren Ziele habe und die Größe unseres Systems definiere, so Riahi. Das bedeute, sich wieder mehr auf die Grundbedürfnisse zu beschränken.

Ist eine Verknüpfung möglich?

Herausforderungen sehe Riahi besonders in der Heterogenität und Komplexität der verschiedenen Ziele und Probleme. Die Bearbeitung und Strategieentwicklung der unterschiedlichen Bereiche müsste auf der einen Seite von entsprechenden ExpertInnen behandelt werden, auf der anderen Seite müssten die Barrieren zwischen den Säulen durchbrochen werden, um so eine ganzheitliche Lösung zu finden. Das erfordere eine interdisziplinäre Herangehensweise, die in der Praxis oftmals erschwert werde.

In der gemeinsamen Diskussion mit Thomas Hruschka und Jakob Mussil (Globale Verantwortung – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre Hilfe) wurde die Problematik der Fragmentierung der einzelnen Zuständigkeitsbereiche erneut aufgegriffen. Zwar gebe es ein zentrales Überdach, das für die Koordination und Verknüpfung der jeweiligen Arbeitsergebnisse zuständig sei, aber dennoch seien die einzelnen Ministerien „Silos“, die sich auf ihren Aufgabenbereich beschränken, so Thomas Hruschka. Dies sei allerdings ein strukturelles Problem, dass in den meisten Organisationen vorzufinden sei. Schließlich sei es gerade eine Besonderheit der SDGs, dass die einzelnen Ziele gleichwertig nebeneinander stehen und eine Verknüpfung der Bereiche gefordert wird. Dies solle auch bei der Umsetzung in Österreich beachtet werden, so die Diskutanten abschließend.

 

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 



Weiterführende Links:

– Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.at/mutzurnachhaltigkeit

– Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der BOKU: https://www.boku.ac.at/wissenschaftliche-initiativen/zentrum-fuer-globalen-wandel-nachhaltigkeit/

 

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