„Zeit für Utopien“ – Was können wir tun?

Unser derzeitiges kapitalistisches Wirtschaftssystem stößt an seine ökologischen Grenzen und kann sich in der jetzigen Form nicht aufrechterhalten. Doch was kann man tun? Welche alternativen Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften existieren bereits? Dies wird im Film „Zeit für Utopien“ aufgezeigt.

Kurt Langbein & Partner luden am 12. Dezember 2017 zur Preview ihres neuen Films „Zeit für Utopien“ ins Kinokulturhaus in Wien ein. Hierzu kamen etwa 40 VertreterInnen aus entwicklungspolitischen Organisationen zusammen, um sich gemeinsam den Rohschnitt des Filmes anzusehen, bevor dieser im kommenden April 2018 in den Kinos erscheint. Der Film beschäftigt sich mit alternativen Handlungsstrategien für eine nachhaltige Zukunft anhand bereits bestehender Initiativen und Kooperationen.

Beispiele des Wandels.

„Ich wollte nicht mehr Teil des Problems sein, sondern Teil der Lösung werden“, erzählte Petra Wähning am Beginn des Films von ihrem Entschluss, ein Projekt der solidarischen Landwirtschaft in Bayern zu starten, nachdem sie zuvor jahrelang in der freien Wirtschaft tätig war. Es ist ein Projekt, das sowohl den ProduzentInnen als auch den KonsumentInnen in die Produktion einbezieht und für beide Seiten Vorteile bringen soll. KonsumentInnen investieren in die landwirtschaftlichen Betriebe und werden dafür im Gegenzug von diesen mit frischen Lebensmitteln versorgt, anstatt diese im Supermarkt kaufen zu müssen.

Es stellt sich die Frage, ob solche Modelle aber auch in großer Form funktionieren können? Lassen sich damit auch große Städte mit frischen Lebensmitteln versorgen? – fragte der Film.

Hierfür wird filmisch nach Südkorea gereist, wo es eine Genossenschaft „Hansalim“ gibt, die ebenfalls das Konzept der solidarischen Landwirtschaft verfolgt und damit rund 1,5 Millionen Menschen mit regionaler Frischkost in Bio-Qualität versorgt. Während BäuerInnen für gute Qualität und gesunde Produkte verantwortlich sind, ist es die Verantwortung der VerbraucherInnen, für die Existenzsicherung der BäuerInnen zu sorgen. Hierfür erhalten die HerstellerInnen circa 70% der Konsumentenpreise und haben somit eine gute Perspektive. Durch die Kooperation von Bio-Läden, ZulieferInnen und fast 2000 BäuerInnen können die KonsumentInnen großflächig erreicht werden.

Faire Technik ermöglichen.

Als ein weiteres Beispiel wurde das Unternehmen „fairphone“ genannt, dessen Herstellung von Smartphones auf faire Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit bedacht ist. Laura Gerritsen von „fairphone“ machte sich im Film auf den Weg zu den Kobalt-Minen im Kongo, um für die in Smartphones benötigten Mineralien faire Produktionsbedingungen zu etablieren: „Alles was wir in Europa kaufen, hat einen Einfluss auf die Herstellungsländer, die sich sehr oft im Süden befinden. Wir wollen Signale für die Konzerne geben, dass für die KonsumentInnen neben Gewinn auch soziale und ökologische Kriterien wichtig sind“, so Gerritsen. In einem kleinen Dorf in Uganda seien dadurch die Sicherheitsbedingungen in den Goldminen deutlich verbessert sowie Kinderarbeit verhindert worden.

In der Folge zeigte im Film ein Züricher Wohnprojekt auf, wie ein ökologisch nachhaltiger Alltag aussehen kann, ohne auf einen gewissen Lebensstandard verzichten zu müssen. Hierfür stehen innerhalb des Wohnhauses alle Services zur Verfügung, die alltäglich gebraucht werden, wie beispielsweise Ärzte, Supermärkte mit frischen regionalen Lebensmitteln, Restaurants, etc., womit möglichst viele Fahrten in die Stadt vermieden werden sollen. Um den Verbrauch von Kohlendioxid zu senken, ist der Besitz von Autos für die MieterInnen untersagt, jedoch haben diese direkten Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln vor der Tür.

Höchste Zeit für Utopien.

„Angesichts der Klimakatastrophe haben sich die „zivilisierten“ Regierungen der Welt darauf geeinigt, dass in Zukunft jeder Mensch nur 2,5 Tonnen Kohlendioxid im Jahr verbrauchen darf, in Europa werden aber derzeit durchschnittlich elf Tonnen pro Kopf verbraucht“, sagte daraufhin der Umweltökonom Niko Paech im Film. Folglich müssten neue Wege und Alternativen geschaffen werden, um eine Brücke zwischen vorherrschendem Kapitalismus und einer sozial-ökologischen Transformation zu bauen. Es sei nun dringend an der Zeit, diese Pläne auszuarbeiten, bevor der Zusammenbruch des Systems erfolge. Die Marktwirtschaft habe den Industriestaaten Wohlfahrt gebracht, doch immer nur auf Kosten anderer Länder, einer ständig wachsenden Ungleichheit und Ausbeutung der Natur.

Wie die möglichen alternativen Gesellschaftsmodelle aussehen könnten, um die es zu diskutieren lohnt, zeigten vor allem die persönlichen Geschichten im Film, die bereits versuchen, abseits vom kapitalistischen System zu leben und sich als EinsteigerIn in eine neue Gesellschaft bezeichnen. Die Beispiele im Film zeigen, dass alternative Lebensweisen auch innerhalb des bestehenden Kapitalismus keine Utopie bleiben müssen, sondern durchaus möglich und bereits dringend notwendig sind.

 

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


 

Weiterführend Links:

Mehr zum Film: https://www.langbein-partner.com/film/detail/zeit-fr-utopien


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