Die SDGs und ihr Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation.

Welchen Beitrag leisten die SDGs zur Realisierung einer sozial-ökologischen Transformation? Welche Entwicklungen lassen sich global und national beobachten? Diese Fragen standen im Zentrum des Eröffnungspodiums der Konferenz zum 50-jährigen Bestehen der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE).Im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) lud die Organisation in Kooperation mit dem Institut für Politikwissenschaft zu einer zweitägigen Festveranstaltung am 12. und 13. Oktober 2017  unter dem Titel: „The new multipolar global order and the challenge of the SDGs“. Hierfür kamen VertreterInnen aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Nach einer allgemein einführenden Diskussion rund um die Sustainable Development Goals (SDGs) am Eröffnungsabend, stand bei der Veranstaltung besonders die Rolle der SDGs für eine sozial-ökologische Transformation als auch die besondere Rolle der Wissenschaft für die politische Umsetzung im Vordergrund.

Die Begrüßung erfolgte durch Ulrich Brand (Universität Wien) und Werner Raza (Leiter der ÖFSE), die darauf hinwiesen, dass es notwendig sei, mehr über die SDGs zu diskutieren und dass der Umsetzung dieser in der österreichischen Politik mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse. So sollten nicht nur die Relevanz, sondern auch die Herausforderungen und Konflikte sowie mögliche Lösungsansätze zur Umsetzung der SDGs in den folgenden Beiträgen aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden.

Daraufhin folgte die erste Podiumsdiskussion zum Thema: The SDGs and their relevance for tackling the challenge of a socio-ecological transformation (dt. Die SDGs und ihre Relevanz für die Überwindung der Herausforderung einer sozial-ökologischen Transformation.)

Chancen und Hindernisse.

Zu Beginn der Diskussion gab Jens Martens (Global Policy Forum) einen Überblick über die positiven Entwicklungen, aber auch Hindernisse und Widersprüche der SDGs. So verwies er auf das Potenzial der SDGs aufgrund der globalen und transdisziplinären Ansicht, die auch die Umsetzung im Globalen Norden einfordert, im Gegensatz zu den vorherigen Millennium Development Goals (MDGs). Neue wichtige Themen wie Klima, Umwelt, Frieden, etc. seien in die Agenda einbezogen worden, welche einen multidimensionalen, universalen Charakter aufweise. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, nicht nur Erfolge hervorzuheben, sondern auch AkteurInnen mit ihren dahinterstehenden Interessen sowie Hindernisse vermehrt zu thematisieren. Widersprüche zwischen Nachhaltigkeit und Wachstum seien keine unüberwindbaren Hindernisse, könnten jedoch nur durch realisierbare Pläne gelöst werden, die auf politischer Ebene auch umgesetzt werden.

Wolfram Schaffar (Universität Wien) betrachtete daraufhin die SDGs aus der Perspektive des globalen Südens. Anhand des Beispiels Thailands zeigte er auf, wie auch die SDGs zur Herrschaftssicherung instrumentalisiert werden können. Er verwies daher auf die Wichtigkeit, verknüpfte Interessen und Auswirkungen zu hinterfragen.

Stagnation statt Transformation?

Einen genaueren Blick auf Österreich warf Michael Obrovsky (ÖFSE) und merkte dabei an, dass die SDGs in Österreich kaum Aufmerksamkeit erhalten. Eine starke Fragmentierung von ausgefertigten Plänen ohne Verknüpfung mit politischen Strategien könne keine Veränderungen und Erfolge bewirken. Er kritisierte weiters, dass in zuständigen Ministerien bestehende Programme mit den SDGs nur abgeglichen werden, anstatt sich ernsthaft mit diesen auseinanderzusetzen. Der Fokus auf administrativer und politischer Ebene müsse stärker auf die Probleme und bestehende Lücken gelegt werden. Einfach wie bisher weiterzumachen führe lediglich zu Stagnation und könne keine Transformation bewirken, somit sei es wichtig, neue Strategien zu entwickeln und Lösungsansätze zu formulieren. Die verstärkte Diskussion rund um die SDGs und die Eingliederung von Nachhaltigkeitszielen sei positiv zu bewerten, jedoch müssten diese auch in die politischen Strategien einfließen.

Das Potenzial nutzen.

Annelies Vilim (Direktorin von Global Responsibility, österreichische Plattform für humanitäre Hilfe und Entwicklung) sprach von den SDGS als ambitionierte Agenda und gute politische Vision. Es stecke sehr großes Potenzial in den SDGs, das jedoch leider nicht erkannt werde. Auch in Österreich ließe sich eine unzureichende Auseinandersetzung mit den SDGs beobachten, sowohl auf politischer als auf gesellschaftlicher Ebene. Laut Vilim sei es zudem wichtig, die Zivilgesellschaft einzubinden und die SDGs nicht nur auf internationaler oder nationaler Ebene zu diskutieren. Es gäbe entscheidende Wissenslücken, die es zu füllen heißt, um das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen. Hierfür sei es notwendig, Interessensgruppen zu bilden und die SDGs zu bewerben. Außerdem müsse ein vollständiger und nachhaltiger Implementierungs-Plan für Österreich erstellt werden.

In der abschließenden Diskussion mit den ZuhörerInnen stellte sich vor allem die Frage, wie nachhaltiges Wirtschaftswachstum geschaffen werden kann und welche positiven Beispiele sich aufzeigen lassen. Zudem wurde verstärkt auf die besondere Rolle der akademischen Wissenschaft verwiesen, was im darauffolgenden Panel genauer betrachtet wurde.

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Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


 

Weiterführende Links: 

– Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE: https://www.oefse.at/

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Foto: Copyright ÖFSE

 

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