
Welche Visionen, Handlungen und Rahmenbedingungen sind für eine sozial-ökologische Transformation notwendig? Welche Barrieren und Probleme treten hierbei auf? Das Dossier 01/2017 „Sozial-ökologische Transformation“ der Katholischen Sozialakademie Österreichs versucht auf diese brennenden Fragen Antworten zu finden.Aufgeteilt ist das Dossier in die Rubriken „Sichtweisen“ und „Orte“. Die erste Rubrik befasst sich mit auftretenden Hindernissen auf dem Weg zu einer sozial-ökologischen Transformation sowie weiteren Konturen für deren Gestaltung. Die zweite Rubrik des Dossiers behandelt verschiedene Initiativen, die bereits im Gange sind und eine sozial-ökologische Transformation forcieren, wie auch Kämpfe und Konflikte, die hierbei auftreten.
Herausforderungen und Hindernisse.
Eine der größten Schwierigkeiten auf diesem Weg stelle die globale Ausbeutung von Ressourcen dar, so die AutorInnen. Der Bedarf an Ressourcen steige, und zwar weltweit. Dabei sei der Pro-Kopf-Verbrauch in den Industriestaaten besonders hoch. Hinzu komme, dass durch Globalisierung und Industrialisierung die Ressourcennachfrage in sogenannten Schwellenländern ansteige. Dies vertiefe die globale soziale Ungleichheit und trage maßgeblich zu ökologischen sowie ökonomischen Krisen bei. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, sei es notwendig, weniger ressourcenintensive Produktions- und Lebensstile zu etablieren. Dabei liege es nicht nur an den KonsumentInnen, nachhaltig zu handeln, sondern auch Unternehmen müssen den Weg in Richtung gerechter Produktion einschlagen. Zudem gehören politische Rahmenbedingungen, die dieses Handeln unterstützen, geschaffen.
Das Dossier kritisiert außerdem, dass feministische Erkenntnisse in Krisendiagnosen oft ignoriert werden. Ein wirklicher Wandel braucht also mehr als bloß Green Economy (dt. grüne Wirtschaft): Es müsse ein umfassendes Umdenken auf politischer, sozialer und vor allem ökonomischer Ebene stattfinden. Die vergeschlechtlichte Hierarchisierung von Arbeit gehöre aufgehoben und der neoliberale Wachstumsdiskurs als Ganzes hinterfragt. Stattdessen brauche es ein Verständnis vom Menschen als sozial-ökologisches Wesen und eine (vor)sorgende Ökonomie als Teil einer (vor)sorgenden Demokratie.
Doch hierfür fehle es bis jetzt noch weitgehend an unterstützenden Strukturen und Prinzipien. Neben institutioneller und struktureller Ebene müsse man jedoch auch auf individueller Ebene ansetzten. Die Bildung eines sozial-ökologischen Bewusstseins sei unerlässlich, wolle man eine vollständige Transformation erreichen, betonen die AutorInnen des Dossiers.
Konfliktherde.
Auf dem Weg hin zu einer sozial-ökologischen Transformation kommt es in der Folge auch zu Konflikten und Kämpfen. Im Dossier wird beispielhaft das Konfliktmineral Gold aufgearbeitet. Die AutorInnen zeigen auf, wie die unmenschlichen Abbau bedingungen zur Plünderung und Zerstörung von Umwelt sowie Lebensgrundlagen beitragen. Um dem entgegenzuwirken seien Politik und Wirtschaft gefragt und auch jede/r von uns könne einen Beitrag im Kampf gegen diese Ausbeutung leisten.
Ein weiterer zentraler Konfliktherd sei die Agrarwirtschaft, so die AutorInnen. Hier stelle besonders die Saisonarbeit ein kaum entlohnte, prekäre Form der (migrantischen) Lohnarbeit dar. Auch kämen kleine landwirtschaftliche Betriebe durch die Dominanz von Großhandelsketten unter Druck, da sie mit immer niedrigeren Preisen konkurrieren müssen. Dies wiederum führe zur Ausbeutung von Arbeitskräften.
Im Besonderen greift das Dossier die ökonomischen Aspekte eines Wandels auf und positioniert sich hier klar: Wichtig seien strenge Regeln für Finanzmärkte und eine Alternative zu Freihandel. Globale Märkte unterliegen zum Großteil dem Interesse einiger weniger transnationaler Konzerne und seien keineswegs Basis für gerechten Handel, globale Demokratie, Kosmopolitismus und soziale Rechte. Viel eher sei globaler Neoliberalismus für die globalen Krisen – auch Finanzkrisen – verantwortlich. Diese wiederum fungieren meist als Steigbügelhalter für nationalistische und rechtspopulistische Bewegungen.
Schritte in Richtung sozial-ökologischer Transformation.
Ja, der Weg in Richtung sozial-ökologische Transformation ist kein einfacher und voll mit Hindernissen und Konflikten. Dennoch, so zeigt das Dossier, gäbe es bereits Initiativen und Lebens- sowie Produktionsweisen, die versuchen nachhaltig und solidarisch zu handeln.
Als ein Beispiel für solche Initiativen führen die AutorInnen unter anderem die „Sezonieri-Kampagne“ an, Diese informiert ErntehelferInnen in Österreich über ihre Rechte und setzt sich für die Umsetzung dieser ein. Außerdem werden Arbeitskämpfe und Selbstorganisierungsprozesse gefördert. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Lohnabhängigen sollen damit nachhaltig verbessert werden.
Als weiteres lokales Beispiel auf ökologischer Ebene setzt sich die Bewegung „System Change, not Climate Change“ für nachhaltige Verbesserungen ein. So sprach sich diese beispielsweise gegen den Ausbau von Flughäfen, namentlich Wien Schwechat, aus. Dass der Bau einer dritten Piste im Februar 2017 tatsächlich abgesagt wurde, sei eine positive Überraschung gewesen, habe doch bis dato keine öffentliche Debatte über Wachstumsgrenzen in der Luftfahrt oder etlichen anderen Wirtschaftssektoren stattgefunden, so die AutorInnen.
Utopie und Wirklichkeit.
Es stellt sich die Frage, ob die Vision einer sozial-ökologischen Transformation, also des guten Lebens für alle durch solidarisches und nachhaltiges Handeln, ein reines Wunschdenken darstellt oder tatsächlich umsetzbar ist?
Das Dossier zeichnet ein Bild, in dem dies möglich ist. Jedoch müsse auf allen Ebenen, ob nun ökologisch, politisch, ökonomisch oder gesellschaftlich, angesetzt und neue Handlungsspielräume sowie Alternativen geschaffen werden. Neben diesem Schaffen von Neuem sei es außerdem wichtig, Errungenschaften wir Demokratie, Völkerrecht und Rechtsstaatlichkeit zu bewahren, da dies ein Zusammenleben in Diversität erlaube.
Die Autorin ist Mitglied im Redaktionsteam des Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at
Weiterführende Links:
Die Art und Weise wie wir wirtschaften und politisch handeln, muss verändert werden, um nicht auf Kosten anderer und der Natur zu leben. Sichtweisen auf die Transformation und Orte, wo diese angestrebt wird, sind Teil des vorliegenden Dossiers.
https://www.ksoe.at/ksoe/index.php?option=com_content&task=view&id=971&Itemid=137
