Wissenschaft für sozial-ökologische Transformationen (II).

Wie Wissenschaft den Wandel schafft– getreu diesem Motto wurden am 19. Mai 2017 Forschungen zum Thema „sozial-ökologische Transformationen“ vorgestellt. Während im ersten Teil des Artikels ein Fokus auf Lateinamerika gesetzt wurde, werden nun Forschungen in Asien und Afrika skizziert.

Politische Prozesse in umfassenden Transformationen.

Wolfram Schaffar (Institut für Internationale Entwicklung, Universität Wien) forscht mit seinem Team über politische Prozesse sozial-ökologischer Transformationen. Obwohl in Thailand bereits alternative Agrar-Praktiken existierten, sei das Land durch autoritäre politische Prozesse der gegenwärtigen Regierung wieder im System der Suffizienzwirtschaft gefangen. Die Gefahr, dass sich Transformationen mit autoritären politischen Lösungsansätzen verschränken, steige mit der Intensität der Konflikte um Ressourcen, so Schaffar dazu. Daher forderte er dazu auf, politische Prozesse im Rahmen sozial-ökologischer Transformationen kritisch zu analysieren.

Auch Michael Huber (E.C.O. Institut für Ökologie, Klagenfurt),der beruflich an der Schnittstelle von Forschung und Entwicklungszusammenarbeit wirkt, beschäftigt sich mit politischen Prozessen im Kontext sozial-ökologischer Transformationen. Sein Fokus liegt in der Erforschung des politischen Einflusses von Naturreservaten. Ziel seiner Forschung sei es, Natur wertzuschätzen und zu schützen, sowie soziale Gerechtigkeit in Zusammenhang mit Naturreservaten zu schaffen. Beispielhaft stellte er den Nationalpark Annapurna in Nepal vor. Hier werden Konservation und Entwicklungsziele bereits auf nachhaltige Weise angewendet, bemerkte er.

Ökonomische und soziale Interessen für sozial-ökologische Transformation.

Bernhard Tröster (ÖFSE) fokussiert in seiner gemeinsamen Forschung mit Cornelia Staritz (ÖFSE) das Tauziehen zwischen Ostafrika und der Europäischen Union, das durch Wirtschaftspartnerabkommen entstehe. Die asymmetrische Handelsliberalisierung der Abkommen stehe im Widerspruch zu den ökonomischen Zielen der betroffenen Gebiete in den afrikanischen, karibischen und pazifischen Ländern (AKP Gruppe). Soziale und ökologische Themen seien überdies nur äußerst schwach in den Abkommen vertreten.

Daraufhin betonte auch Helmut Spitzer (FH Kärnten) die verheerenden sozialen Folgen der wirtschaftlichen Strukturen und erklärte einleitend: „Soziale Arbeit kümmert sich um die Abfallprodukte der wirtschaftlichen Entwicklung“. Sein wissenschaftlicher Fokus liege auf der sozialen Komponente von Transformationen, die er in der Stärkung sozialer Arbeit sehe. In der “Globalen Agenda für Soziale Arbeit und soziale Entwicklung“ sehe er eine besondere Bedeutung für soziale Transformationen und ebenfalls eine enge Verbindung zu den Sustainable Development Goals (SDGs).

Sozial-ökologische Bedeutung alter und neuer Lebensgrundlagen.

Gabriele Slezak (ÖFSE) und Andreas Melcher (BOKU Wien) stellten in der Folge ihr Forschungsprojekt SUSFISH vor, welches die sozial-ökologische Bedeutung von Fisch in Burkina Faso thematisiert. Bezugnehmend auf die Wichtigkeit von Fisch möchten die ForscherInnen mithilfe wissenschaftlicher Grundlagen das Bewusstsein für den Artenerhalt sowie Lebensmittelsicherung stärken. Es werden Feldforschungen mit Studierenden aus Österreich und Burkina Faso, unter Betreuung von ForscherInnen und lokalen PraktikerInnen, durchgeführt. Auch Workshops zu Strategien der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen mit EntscheidungsträgerInnen, wie zum Beispiel Regierungsmitgliedern oder lokalen Fischereivereinigungen, gehören zur Forschung.

Weniger der nachhaltige Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen, sondern das sozial nachhaltige Potential von Technologien beschäftigt Christiane Floyd und ihr Forschungsteam. Im gemeinsamen Forschungsprojekt forschen sie zu Technologien, die eingesetzt werden könnten, um die Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern in Äthiopien zu gewährleisten. Intelligente Technologien könnten so Abhilfe schaffen, wo große räumliche Entfernungen die Gesundheitsversorgungen verhindern. Ein Ziel der Forschung sei die Überbrückung der weltweiten digitalen Kluft in Zugang und Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) zu derartigen Zwecken. Auch die Stärkung der lokalen Gemeinschaften durch IKT und die IKT-vermittelte Wissenserweiterung seien zentrale Forschungsabsichten.

Abschließend stellte Bernhard Freyer (BOKU Wien) seine wissenschaftlichen Erkenntnisse bezogen auf die Lebensumstände von Kleinbauern und -bäuerinnen durch den Einfluss großformatiger AgrarinvestorInnen vor. Diesbezüglich komme er zu der Erkenntnis, dass Menschenrechte und Umweltschutz in enger Verbindung stehen, stellte aber gleichzeitig eine Ohnmacht gegenüber der fehlenden Bedeutung von Menschen- und Umweltrechten bei großen Investitionsvorhaben fest. Als wichtig erachte es der Wissenschaftler, die jungen Generationen in Debatten- und Reflexionsräume einzuladen. Bei diesen jungen Menschen sehe er ein besonders hohes Potential für umfassende Transformationsprozesse.

Forschungsalltag mit großen Zielen.

Zum Schluss bedankte sich Moderator Gerald Faschingeder bei den Vortragenden für den Einblick in die Themenfelder und Regionen, mit denen sich EntwicklungsforscherInnen in Österreich beschäftigen. In einer abschließenden Debatte wurde vor allem das Thema Sprache im Rahmen von Forschungen in Afrika, Asien oder Lateinamerika diskutiert. Es wurde berichtet, dass für erfolgreiche Forschungen neben sprachlicher Übersetzung auch Gesten und eine Portion Kreativität wichtig seien. Die Verantwortung, die eigene Rolle als ForscherIn zu reflektieren und ein Bewusstsein dafür zu behalten, dass Forschende Land und Menschen innerhalb ihrer spezifischen Wissenschaftsdenkweise interpretieren, sei ebenfalls enorm wichtig.

Mit diesen Einblicken in den herausfordernden Arbeitsalltag von EntwicklungsforscherInnen in Österreich wurde die Veranstaltung geschlossen. Der wissenschaftliche Diskurs zum Thema „sozial-ökologische Transformationen“ wird jedoch im Rahmen der Entwicklungstagung vom 17. bis 19. November 2017 in Graz weitergeführt werden und ein Teil der ForscherInnen und Mitwirkenden wird dort ebenfalls vertreten sein.

 

Die Autorin ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at

 


 

Weiterführende Links:

– Hier geht’s zum Teil I des Artikels: Wissenschaft für sozial-ökologische Transformationen (I).

– Welt im Ohr: Radiosendung über das Treffen der Entwicklungsforscher/innen 

– Kommission für Entwicklungsforschung (KEF): https://kef-research.at/

– Österreichischer Austauschdienst: https://oead.at/


 

Fotos: © Kommission für Entwicklungsforschung (KEF)

Veröffentlicht in Sozial-ökologische Transformationen, Themen.