Am 14. März 2013 luden die Afrikanische Vernetzungsplattform (AVP), die Südwind Agentur, das Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (VIDC) und das Karl-Renner-Institut zur Auftaktveranstaltung des Forums „Migration & Entwicklung“ ein. Die Internationale Konferenz „Entwicklung entwickeln“ war gut besucht und hatte ein besseres Verständnis zwischen entwicklungspolitischer Organisationen und „Diaspora Communities“ zum Ziel.Die vier EröffnungsrednerInnen legten in ihren Ansprachen den Fokus auf unterschiedliche Bereiche. Während die einen die Rolle von MigrantInnen als EntwicklungsakteurInnen verstärkt im Bereich der „remittances“ (finanzielle Rückflüsse in Herkunftsländer) sahen, betonten die anderen beispielsweise deren Beitrag zum Wohlfahrtsstaat, den Wissenstransfer sowie die Potentiale von Partnerschaften zwischen „Diaspora Communities“ und entwicklungspolitischen Organisationen.
One voice – we need to work together
Nach der kurzen Einführung von Alexis Nshimyimana Neuberg, Vorsitzender der AVP in Österreich, übernahm Téclaire Ngo Tam von der Südwind Agentur die Moderation. Neben ihr saßen Gibril Faal aus Großbritannien sowie Brice Monnou aus Frankreich und brachten ihre Perspektiven zu ihrer Arbeit im Spannungsfeld zwischen Migration und Entwicklung ein. In den Vorträgen erzählten sie über die Anstrengungen und Errungenschaften ihrer Diasporaorganisationen in England und Frankreich. Faal betonte die Wichtigkeit der institutionellen und finanziellen Unterstützung von „Diaspora Communities“ sowie deren Einbindung bei der Politikgestaltung. Gemeinsam adressierten sie das Anliegen der Vernetzung, sowohl zwischen den einzelnen Diaspora- als auch mit entwicklungspolitischen Organisationen. Brice Monnou bezog sich während ihres Vortrages mehrmals auf Deklarationen und Strategiepapiere der Europäischen Union und kritisierte, dass MigrantInnen darin immer noch als zu steuernde Objekte gesehen würden.
Die anschließende Diskussion breitete sich in einem großen Themenspektrum aus und schweifte teilweise stark von den Vorträgen ab. Viele Konferenzgäste erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen, von schwierigen Rahmenbedingungen und der oftmals verwehrten finanziellen Unterstützung. Brice Monnou reagierte auf die Kommentare, indem er die Potentiale der „Africa-Europe Plattform“ betonte und den TeilnehmerInnen mehr zu einem lösungs- anstatt problemorientierten Zugang riet.
Workshop-Opening
Nach der Kaffeepause folgten einzelne Beiträge zu den am nächsten Tag stattfindenden Workshops. Petra Dannecker (Universität Wien) sprach über die Barrieren von MigrantInnen als EntwicklungsakteurInnen. Sie problematisierte unter anderem den zu eng gefassten Entwicklungsbegriff, die restriktive Migrationspolitik, die Wahrnehmung der Diaspora als homogene Gruppe sowie die sozioökonomischen Rahmenbedingungen in den Herkunftsländern. Alexis Nshimyimana Neuberg (AVP Österreich) führte in den Medienworkshop ein. Dabei skizzierte er kurz, welche Rolle Medien als Instrument für Entwicklungsprozesse haben können und gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, wie das Fehlen von Information die Entwicklung eines Landes behindern kann. „Business & Entrepreneurship“ war das Thema des dritten Workshops. Chibo Onyeji, Internationaler Entwicklungsexperte der Vereinten Nationen, ging auf die enge Verknüpfung von Migration, Entwicklung und Globalisierung ein. Dabei reduzierte er den Entwicklungsbegriff auf die Dimension des Wirtschaftswachstums, was dem zuvor geäußerten Anliegen von Petra Dannecker widersprach. Den Abschluss bildete der Beitrag über Finanzierungsmodelle für „Diaspora Communities“. Awa N’Diaye von „Espace Afrique International“ sprach über ihre Organisation in der Schweiz und betonte, dass die Finanzierung von Diasporaorganisationen nicht nur die Aufgabe von Regierungen sei, sondern MigrantInnen auch Eigenmittel zur Verfügung stellen müssten. Claudia Paixao repräsentierte die Schweizer Agentur für Entwicklungszusammenarbeit und machte an einem konkreten Beispiel sichtbar, wie die Partizipation von Diasporaorganisationen als Entwicklungsakteure gelingen kann.
Die Konferenz wirkte im Gesamten und vor allem durch die Moderation von Téclaire Ngo Tam sehr belebt. Sprachlich war es für mich durch den ständigen Wechsel zwischen Englisch und Französisch stellenweise schwierig zu folgen. Dadurch, dass sehr viele unterschiedliche Themen angeschnitten wurden und sich die Beiträge inhaltlich wenig aufeinander bezogen, war der rote Faden nur schwer erkennbar. Die Pausen boten viel Raum für ein erstes Kennenlernen, das in den Workshops der Konferenz und der Partnerschaftsmesse der transnationalen Initiative für Migration und Entwicklung (CoMiDe) – die ebenfalls im Rahmen des Forums „Migration & Entwicklung“ stattfand – zu möglichen Kooperationen und konkreten Projektideen zwischen entwicklungspolitischen- und Diasporaorganisationen führen könnte. Auch auf das angekündigte Ergebnis der Konferenz, ein Manifest mit Forderungen der afrikanischen Diaspora für eine nachhaltige Entwicklung in Afrika und Europa, können wir gespannt sein.
Die Autorin ist Mitglied im Online-Redaktionsteam des Paulo Freire Zentrums. Reaktionen bitte an redaktion@pfz.at.