Das online-Feedback der TeilnehmerInnen zur Nachtagung 2009 „Klima in der Krise – Last Exit Copenhagen“ brachte einige spannende Ergebnisse, vor allem zur „kaum vorhandenen bis nicht erkennbaren“ Position der österreichischen Delegation für die Konferenz in Kopenhagen.
Das Publikum setzte sich zu je einem Viertel aus den Bereichen Nichtregierungsorganisationen (NGOs), öffentliche Institutionen, Universitäten (insbesondere Studierende) sowie „sonstiges“ zusammen. So gut wie alle gaben an, dass die Tagung zu ihren Kenntnissen im Bereich Umwelt, Entwicklung & Humanitäre Hilfe beigetragen habe. 95% bewerteten die Qualität der vermittelten Informationen als gut bis ausgezeichnet, 71% glauben, dass die Inhalte der Tagung für ihren beruflichen Alltag von Bedeutung sind. Ausgehend von einem online-Feedback-Bogen, den mehr als die Hälfte der 148 TeilnehmerInnen der Veranstaltung ausfüllten, konnten die vielen unterschiedlichen Meinungen und Zugänge analysiert werden.
„Welche Informationen waren für Sie besonders wichtig?“
Helga Kromp-Kolb von der Boku Wien war einmal mehr der Publikums-Liebling. Ihr Vortrag wurde von über 75% als „ausgezeichnet“ beurteilt. Auch die Beiträge von Andreas Novy oder Helmut Hojesky kamen gut an, wogegen die Kommentare von Elisabeth Vitzthum vom Finanzministerium und Franz Breitwieser vom Außenministerium von mehr als der Hälfte als „durchschnittlich“ bis „schwach“ beurteilt wurden.
Die Frage nach den „besonders wichtigen Informationen“ brachte eine breite Palette an Anmerkungen. Mehrfach wurde betont, dass der relativ neue Begriff der „Anpassung“ im Zusammenhang mit dem Klimawandel nun greifbarer wurde und die Beispiele aus der Praxis wichtig waren. Interessant sei auch die Information, dass Delegierte aus Entwicklungs- und Schwellenländern in Kopenhagen früher abreisen müssten, weil sie ein zu kurzes Visum erhalten. Für einige TeilnehmerInnen gab es „ernüchternde Einblicke in die Verhandlungsrealität“, „spannende Vergleiche von früheren Prognosen und tatsächlicher Entwicklung des Klimawandels“ sowie „unterschiedliche Verständnisse von Klima-Gerechtigkeit“.
Einige Anmerkungen waren jedoch auch sehr kritisch. Neu war für einige das „scheinbar vorprogrammierte Scheitern des Gipfels“. Für viele wurde der „Interessenskonflikt zwischen EU (vorrangig CO2-Senkung, aktueller CO2-Ausstoß als Basis) und Entwicklungsländern (Katastrophenschutz und Anpassungsmaßnahmen als primäres Anliegen, gesamter CO2-Ausstoß/historischer Ansatz als Basis)“ verständlicher.
Sehr gut kam auch an, dass so unterschiedliche RednerInnen eingeladen wurden: Helga Kromp-Kolb als Kontrast zu Umweltminister Niki Berlakovich; Manuel Graf von Global 2000 neben dem „überheblichen und realitätsfernen“ Dieter Drexel von der Industriellen Vereinigung. Viele empfanden auch die jeweils anschließenden Publikumsdiskussionen als sehr anregend und wichtig.
„Wie zufrieden sind Sie mit der Position der österreichischen Delegation für die Konferenz in Kopenhagen?“
Besonders spannend war die Diskrepanz bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Position Österreichs. Zwar meinten 22%, sie seien hoch bis sehr hoch zufrieden. Über 60% der TeilnehmerInnen gaben jedoch an, sie seien mit der Position der Regierung nur „begrenzt zufrieden“ bzw. sie sei überhaupt „nicht vorhanden“. Während die einen fanden, es sei „richtig, auch die Schwellen- und Entwicklungsländer zu verpflichten“, da die EU das „weitgehendste Angebot hat“ sahen es andere als „eine Schande, dass Österreich als ein so reiches Land die Klimaziele nicht erreicht“ und auch noch anderen die Schuld in die Schuhe schieben will.
Die Kritik richtete sich vor allem gegen die „so typisch österreichische Liebe zu Ausreden und Schuldzuweisungen“. Die Delegation sei einerseits verantwortungslos, andererseits aber auch unmotiviert. Die Position sei „sehr defensiv, man erkennt weder Willen zur Mitgestaltung noch Mut zur Veränderung“. Es seien „keine größeren Visionen zu erkennen“, Österreich sei wieder einmal ein „Trittbrettfahrer mit low profile“. Das sei traurig, da gerade jetzt „mehr Mut und Engagement gefragt/notwendig“ wäre.
Es sei erschreckend, wie sehr die Diskussionen von zwei Mythen dominiert werden: einerseits dem „Schreckgespenst der Wettbewerbsfähigkeit“ weswegen die EU keine größeren Zugeständnisse machen könne. Andererseits der Mythos, Österreich habe innerhalb der EU kaum Spielräume für engagierte Maßnahmen. Ein/e TeilnehmerIn meinte dazu passend: „Minister Berlakovich hat schon im Vortrag anklingen lassen, dass falls Kopenhagen scheitert Österreich sowieso keine Schuld trifft, da unser Land ja keine Stimme hat und man sich ja an die EU halten muss usw. So einfach kann man sich’s doch nicht schon im Vorfeld machen!“
Entgegen der „Kenntnis um die Krise des Klimas“ würden weiterhin „keine einschneidenden Maßnahmen gefordert werden“, das „Feilschen um Geld“ sei sicher nicht der richtige Weg. Die Tagung habe gezeigt, dass man dieser Delegation mit „so wenig Bewusstsein für Verantwortung bzw. fehlenden Mut“ nicht vertrauen könne.
Verbesserungsvorschläge für die nächste Tagung
Insgesamt waren fast alle TeilnehmerInnen mit der Organisation der Veranstaltung sehr zufrieden (Moderation, Informationen im Vorfeld, Check In, Verpflegung).
Der „Mut zu vegetarischem Menü“ wurde gelobt, der „überheizte Veranstaltungssaal“ kritisiert. Inhaltlich hätten sich einige TeilnehmerInnen „mehr alternativen Lösungsansätze / Handlungsmöglichkeiten zum individuellen Umgang mit dem Klimawandel“ wie etwa „Ein-Liter-Auto, Solar, Wärmedämmung, Zusammenhänge zwischen Konsum und Klimawandel oder alternativer Energieumgang“ gewünscht.
Weiters wurde vorgeschlagen, „den Dialog mit der Politik noch stärker zu fokussieren“, sozusagen als „nachdrückliches Signal aus der Zivilgesellschaft“. Auch hätte den Medien und PolitikerInnen noch viel mehr auf die Zehen gestiegen werden müssen, formuliert in dem Wunsch nach einer „schärferen kritischen Darstellung des völligen Unverständnisses der österreichischen Politiker gegenüber einer historischen Verantwortung, mit der Ausrede, nur globales Handeln mache Sinn und alles scheitert am Geld! Eine Schande!“ Am Ende wurde noch die Bitte formuliert, „weiterhin an der Thematik dran zu bleiben und ähnliche Tagungen zu organisieren – im Sinne unserer Kinder und Kindeskinder“.
Zum Feedback als pdf:
Feedback Nachtagung.pdf (509.73 KB)
Der Autor ist Praktikant im Paulo Freire Zentrum und studiert internationale Entwicklung.
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