Globales Lernen durch persönliches Erleben kennen zu lernen und das eigene Bewusstsein für Ernährungsfragen schärfen, waren die Ziele dieses Workshops. Thematisiert wurden dabei v. a. die weltweiten Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel und die Lebenssituation der Bauern und Bäuerinnen in aller Welt.
Zunächst konnten sich nur wenige TeilnehmerInnen unter dem Begriff „Globales Lernen“ konkret etwas vorstellen. Aus diesem Grund wurde von den drei Referentinnen von Südwind Tirol Heidi Unterhofer, Sabine Mahlknecht und Ruth Buchauer nach einer kurzen Begrüßung erst einmal die Frage geklärt: „Was ist Globales Lernen?“. Das Nord-Süd-Zentrum des Europarates definiert z.B. wie folgt: „Globales Lernen bedeutet Bildungsarbeit, die den Blick und das Verständnis der Menschen für die Realitäten der Welt schärft und sie zum Einsatz für eine gerechtere Welt mit Menschenrechten für alle aufrüttelt.“
Persönlichkeitsentwicklung und Reflexionsfähigkeit in Zeiten der Globalisierung
Der Begriff „Globales Lernen“ ist Mitte der 1990er-Jahre entstanden, wobei sich schnell seine Verwurzelung in vier Gebieten herauskristallisierte:
Entwicklungspolitische Bildung
Umweltbildung (oder auch Ökopädagogik genannt)
Friedenserziehung
Interkulturelles Lernen
Mit diesen Grundpfeilern im Hintergrund will „Globales Lernen“ z.B. die Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden oder das Nachdenken über „Eigenes“ und „Fremdes“ fördern. In diesem Zusammenhang soll der Mensch als Ganzes angesehen werden und somit Gefühle in den Lernprozess mit einbezogen werden. Im Zuge des „Globalen Lernens“ soll u.a. die Persönlichkeitsentwicklung in Zeiten der Globalisierung, die Reflexionsfähigkeit und die Bereitschaft, Mitverantwortung zu übernehmen, gestärkt werden, um somit die Freude an sozialem und ökologischen Engagement zu fördern und Handlungskompetenzen auszubauen.
Um diese Ziele verwirklichen zu können, bedient sich „Globales Lernen“ u.a. folgender Methoden:
Handlungsorientiertes Lernen
Spielerische Zugänge (Globales Lernen soll ergebnisoffen und experimentell sein)
Fächerübergreifendes Denken, Diskutieren und Handeln
Lernen mit allen Sinnen (kognitives Lernen durch intensivere Lernprozesse)
Partizipatives und prozessorientiertes Lernen (um so der Falle der fertigen Konzepte zu entkommen)
Mit diesen Methoden soll der globale Lernprozess zu einer abwechslungsreichen, emotionalen und lustvollen Lernerfahrung werden.
„Hendl mit Reis“
Anhand des Beispieles „Hendl mit Reis“ wurde es im zweiten Teil des Workshops wirklich konkret. Die Referentinnen klärten die Workshop-Teilnehmer über die wichtigsten Fakten über Hühner und Reis auf und visualisierten dies mit Hilfe der Einspielung einer ZIB-Ausgabe zu diesen Themen. In den Nachrichten gab es u.a. einen Beitrag aus Asien, in dem über die Steigerung der Reispreise berichtet wurde. Ebenso wurde in „Live-Schaltungen“ aus Rom oder Kampala über die europäische Exportpolitik von Hähnchenexporten berichtet.
Um eine dritte Ebene des Lernens in den Workshop zu integrieren, ging es im letzten Teil mit Gruppenarbeit weiter. Die Referentinnen teilten die TeilnehmerInnen durch kleine Puzzles in drei Gruppen ein, die mit Hilfe von den bereits besprochenen Fakten und den auf Tischen ausliegenden Materialien eine kurze, kreative Präsentation zum Thema „Hendl mit Reis“ vorbereiten sollten. In den Vorträgen sollten folgende Fragen thematisiert werden:
Welche konkreten Zusammenhänge zwischen „lokal“ und „global“ werden durch die Materialien sichtbar?
Auf welche Widersprüche seid Ihr gestoßen ?
Welche unterschiedlichen Interessenslagen liegen vor und welche Strategien verfolgen die AkteurInnen?
Was würde Nachhaltigkeit in diesen Zusammenhängen konkret bedeuten?
Theatralische Aufarbeitung
Die ersten beiden präsentierenden Gruppen hatten unabhängig voneinander eine ähnliche Idee. Sie stellten den Sachverhalt spielerisch in einem kleinen Theater vor. Bei der ersten Gruppe standen zwei GruppenteilnehmerInnen auf dem Tisch sie sollten die übermächtigen KapitalistInnen an den Ressourcenbörsen darstellen die anderen GruppenteilnehmerInnen saßen auf dem Boden um die machtlosen kleinen Reisbauern und -bäuerinnen und die ländliche Bevölkerung zu repräsentieren. Die SpekulantInnen freuten sich über die Preiserhöhungen und redeten, ohne die Reisbauern und -bäuerinnen auch nur zu beachten, von Profitsteigerungen und vollen Lagerhallen. Die Landbevölkerung hingegen klagte über ihr Leid, angefangen von Existenzängsten für jetzige aber auch kommende Generationen und gesundheitlichen Schwierigkeiten aufgrund der Pestizide.
Die zweite Gruppe fokussierte ihre Theatereinlage auf die nicht vorhandene Gerechtigkeit im globalen Handel, die sie mit Hilfe einer imaginären Waage darstellten: Sie zeigte die Wenigen, die sich in der globalisierten Welt bereichern und die Vielen, die unter dem globalen Preiskampf leiden. Die Frage nach der Nachhaltigkeit beantwortete diese Gruppe, indem sie versuchte, die Waage durch eine Einschränkung der Abhängigkeit von den Großkonzernen ins Gleichgewicht zu bringen (z.B. durch ein verändertes, bewusstes Konsumverhalten). Die dritte Gruppe ging an die Aufgabe eher konventionell heran und jede/r aus der Gruppe beantwortete eine der vier Fragen in einem offenen Monolog.
Insgesamt konnte beobachtet werden, dass dieselbe Aufgabe unterschiedlich gelöst wurde und durch verschiedene Methoden vor allem die Schieflage der globalen Machtverhältnisse dargestellt wurde. Bei dieser Art von „Globalem Lernen“ ging es den Referentinnen darum, die wesentlichen Informationen aus den Unterlagen filtern und sie Dritten in einer selbst gewählten Methode näher bringen zu lassen.
Nach kurzen positiven Feedbacks sowohl von Seiten der TeilnehmerInnen als auch der Referentinnen beendeten diese den Workshop mit einem kleinen Abschiedsgeschenk: ein kleines Säckchen Reis mit einem zum Nachdenken anregenden Zitat.
Die Autorin ist Studentin der Universität Innsbruck.