Nachhaltigkeit und Armutsreduktion sind in den Milleniumszielen festgeschrieben. Aber wie können Klimaschutz und Entwicklungspolitik konkret in lokalen Kontexten umgesetzt werden?Zum Auftakt des Workshops stellte Gottfried Krasa, Leiter der Abteilung Umweltrecht im Amt der NÖ Landesregierung, die Schwerpunkte der Entwicklungspolitik des Bundeslandes Niederösterreich in einem Kurzvortrag vor. Bei der Auswahl von Projekten waren drei Initiativen Klimabündnis, UN Millenniumsziele, Global Marshall Plan richtungsweisend.
Bürgernahe Umsetzung
Ingrid Schwarz, Geschäftsführerin von Südwind Entwicklungspolitik Niederösterreich Süd, gewährte in Folge Einblick in konkrete Umsetzungsmaßnahmen und die dazugehörige Bildungs- und Öffentlichkeitspolitik. Niederösterreich habe sich in diesem Zusammenhang entschieden, aus dem umfangreichen UN-Zielekatalog einzelne Themenschwerpunkte abzuleiten und diese so bürgernah wie möglich zu verfolgen. Am Beispiel „Fair Trade“ (Angebot von fair gehandelten Lebensmitteln, Bekleidung, Blumen, etc.) veranschaulichte Ingrid Schwarz, wie die Auseinandersetzung mit Millenniumszielen mit einfachen Mitteln erfolgreich in den Alltag integriert werden kann. Südwind setze in der entsprechenden Arbeit verstärkt auf die Wirkung so genannter „MultiplikatorInnen“ (Medien, Schulen, Gemeinden, Pfarren, etc.), die Themeninhalte im Schneeballprinzip an die breite Öffentlichkeit herantragen und ein Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen. Die politische Bildung der Jugend sei dabei ein zentrales Anliegen und werde didaktisch durch auf die Altersgruppen abgestimmte Lernmaterialien unterstützt.
In einer Fragerunde interessierten sich die WorkshopteilnehmerInnen unter anderem für vergleichbare Initiativen in den Bundesländern. Ingrid Schwarz konnte von regelmäßigen Treffen der verantwortlichen VertreterInnen berichten und betonte dabei die wichtige Rolle von NachhaltigkeitskoordinatorInnen in den Bundesländern. Die Absegnung entwicklungspolitischer Initiativen durch den jeweiligen Landtag sowie die Zusammenarbeit mit ADA (Austrian Development Agency) und TRIALOG (Organisation zur Vernetzung bzw. Eingliederung entwicklungspolitischer NGOs der EU Beitrittsländer) tragen gleichermaßen zu einer erfolgreichen Projektumsetzung bei.
Lichtenegg eine Gemeinde zeigt Initiative
Im weiteren Verlauf des Workshops präsentierte Ingrid Schwarz ein Referenzmodel basisorientierter Arbeit. Die niederösterreichische Gemeinde Lichtenegg habe sich „Fair Trade“ verschrieben und konkrete Maßnahmen gesetzt: In der Gemeindestube wird nur fair gehandelter Kaffee serviert, bei Jubiläen werden fair gehandelte Geschenke überreicht und zur Dekoration des Feuerwehrfestes werden fair gehandelte Blumen verwendet. Von der Frauengruppe bis zur Katholischen Jugend die Bevölkerung von Lichtenegg leistet einen aktiven Beitrag.
Ein Teilnehmer warf ergänzend dazu die Frage ein, ob bzw. wie es möglich wäre, auch in Städten wie Innsbruck vergleichbare Impulse zu setzen. Ingrid Schwarz sieht hier besonders in der Beschaffungspolitik einen Anknüpfungspunkt. Städte zeichnen sich für die Versorgung öffentlicher Krankenhäuser, Wohnheime, etc. verantwortlich und könnten über den Ankauf von „Fair Trade“ Produkten einen beachtlichen Beitrag leisten. Dieser Idee stehe allerdings die gesetzliche Vorgabe, bei der Vergabe öffentlicher Ausschreibungen ausschließlich anhand des Preisargumentes zu entscheiden, einschränkend gegenüber.
Fußball und Fairness
Die Workshopleiterin stellte eine weitere bürgernahe Initiative vor. Im Zuge der Euro 2008 wurde das Public Viewing in Wr. Neustadt genutzt, um „Fair Trade“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Ein Videowettbewerb zum Thema „Kann ein Fußball fair sein?“, diverse Fußballmatches niederösterreichischer Vereine, Straßenworkshops, etc. sollten unter anderem auf die Problematik von Kinderarbeit aufmerksam machen und den fair gehandelten Fußball vorstellen. Der ehemalige österreichische Nationalspieler Toni Pfeffer konnte dabei als „Botschafter“ gewonnen werden. Bereits jetzt wird an konkreten Plänen gearbeitet, auch die Fußball Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika als ein Forum für Entwicklungspolitik zu nutzen.
Angeregte Diskussion
Nach der Pause traten Ingrid Schwarz und die TeilnehmerInnen des Workshops in einen informellen Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Ingrid Schwarz war es ein besonderes Anliegen zu betonen, dass regionale und „Fair Trade“ Produkte auf gar keinen Fall gegeneinander ausgespielt werden, sondern einander ergänzen sollen. Eine Teilnehmerin machte ihre kritische Haltung gegenüber „Fair Trade“ deutlich, indem sie die hohen Kosten der Zertifizierung, den Machtmissbrauch durch Mittelsmänner und ungleiche Wettbewerbsbedingungen ansprach. Ingrid Schwarz erwiderte darauf mit Pro-Argumenten: laufende und seriöse Kontrollen, Verbot von Kinderarbeit, schwankungsunabhängige Preise, Verwendung von Teilerlösen für weitere Entwicklungsprojekte und wies darauf hin, dass „Fair Trade“ von der EU als eine der effizientesten Maßnahmen der Entwicklungsarbeit bezeichnet werde. Gottfried Krasa bekräftigte dies und bezeichnete „Fair Trade“ als ein Flaggschiff der Entwicklungspolitik, das bei den BürgerInnen sehr gut ankomme.
Zum Abschluss des Workshops richtete Ingrid Schwarz den Appell an die TeilnehmerInnen, selbst aktiv zu werden, gestaltend einzugreifen und einen lustvollen Ansatz zu finden, um entwicklungspolitische Themen erfolgreich weiter zu tragen. Bei den abschließenden Worten der WorkshopbesucherInnen war ein entsprechendes Engagement spürbar und dem Wunsch nach weiteren, vertiefenden Informationen zu diversen entwicklungspolitischen Initiativen wurde Ausdruck verliehen.
Die Autorin ist Studentin der Universität Innsbruck.