„Wachstum Umwelt Entwicklung“ diese Zusammenhänge müssen auf globaler Ebene betrachtet werden: Einerseits essen wir beispielsweise Obst aus Lateinamerika, andererseits sind wir mit Krisen globalen Ausmaßes konfrontiert. Wie können wir nicht nur in diesem Kontext verantwortlich handeln?Stephan Lutter (Sustainable European Research Institut Wien) präsentierte den 17 TeilnehmerInnen des Workshops zunächst eine kurze und prägnante Einführung zum Thema „Globale Verantwortung“. Neben der Klima- und der Lebensmittelkrise wurde auch die Finanzkrise thematisiert und die durch den Welthandel und die Globalisierung bestehenden Zusammenhänge erläutert. Stephan Lutter war es besonders wichtig, darauf hinzuweisen, dass die verschiedenen Problemfelder keinesfalls getrennt voneinander betrachtet, geschweige denn in Angriff genommen werden können, weil sie auf komplexe Weise miteinander verbunden sind.
Knappe Ressourcen
Im Zuge der Globalisierung und der stetigen Zunahme des Welthandels steigt der Verbrauch an globalen Ressourcen unaufhörlich. Es kommt dabei vermehrt zum Verbrauch „fremder“ Ressourcen. Europa verfügt selbst nicht in ausreichender Menge über jene Ressourcen, die es benötigt und importiert deshalb beispielsweise Aluminium aus Australien, Kupfer aus Chile und Gold aus Südafrika. Die Rohstoffvorkommnisse sind jedoch begrenzt bzw. deren Abbau besonders kostspielig. Beispielsweise beträgt der europäische Anteil an den globalen Bauxitreserven, der Grundstoff für die Aluminiumproduktion, nur 6%. Auch die Anzahl der Zwischenhändler steigt ständig an, wodurch das schnellere Wachstum des Handels gegenüber der Produktion erklärt werden kann.
Um die Auswirkungen der globalen Ressourcenausbeute greifbar zu machen bzw. den wissenschaftlichen Zugang zu dieser Thematik zu erläutern, wurden unterschiedliche Messmethoden präsentiert. Dazu gehören unter anderem die Materialflussanalyse (MFA), der ökologische Rucksack, der CO2-Rucksack, der ökologische Fußabdruck oder das dasKonzept des virtuellen Wassers. Basierend auf der Materialflussanalyse können auch unterschiedliche Prognosen über den zukünftigen Ressourcenverbrauch der Welt erstellt werden. Diese Herangehensweise nennt man Global Resource Use Scenarios und sie ermöglicht die Hochrechnung des Ressourcenverbrauchs für unterschiedliche Zukunftsszenarien. Die Weltwirtschaft verbraucht derzeit pro Jahr circa das 1,3-fache der weltweit zur Verfügung gestellten Rohstoffressourcen. Erstellt man eine derartige Prognose unter der Annahme eines gleich bleibenden Wirtschaftswachstums und einer weiter zunehmenden Weltbevölkerung, so zeichnet sich ein dramatisches Bild ab. Bei einer derartigen Entwicklung würde die Weltwirtschaft im Jahr 2050 beinahe das Fünffache der globalen Ressourcen verzehren. Dieser Overshoot das Leben über die Verhältnisse macht sich in globalen Phänomenen wie Klimawandel, Desertifizierung, etc. bemerkbar.
Umdenken erproben im Weltcafé
Nachdem die TeilnehmerInnen bei einer kleinen Kaffeepause die Möglichkeit hatten, die vorgetragenen Zahlen und Fakten zu verarbeiten, war es an ihnen, sich aktiv in den Workshop einzubringen. Dem Konzept des Weltcafés folgend wurden vier gleich große Gruppen gebildet. Jede Gruppe schlüpfte in eine der vier nachstehenden Rollen:
HändlerInnen, Firmen, Konzerne
KonsumentInnen
PolitikerInnen
Zivilgesellschaft (Nichtregierungsorganisationen, Forschung, …)
Jede Gruppe musste nun aus ihrem rollenspezifischen Blickwinkel heraus darüber reflektieren, wie im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ein Umdenken eingeleitet werden könnte. Im Detail sollten die Beweggründe der einzelnen AkteurInnen hinterfragt werden. Welche Konsequenzen resultieren daraus und welche Informationen sind für ein gesteigertes Bewusstsein und ein Umdenken nötig? Weiters sollte auch die Notwendigkeit von Kooperationen sowie des Informationsaustausches zwischen den AkteurInnen thematisiert werden. Eine zentrale Frage war außerdem, wie die AkteurInnen von einem derartigen Richtungswandel profitieren könnten.
Durch die gewählte Diskussionsmethode des Weltcafés mussten sich die TeilnehmerInnen nacheinander in jede einzelne Gruppe von AkteurInnen hinein versetzen und die für jede Gruppe jeweils relevanten Fragen, Probleme und Herausforderungen neu diskutieren. Dieser Zugang förderte einerseits das Verständnis der TeilnehmerInnen für die Beweggründe und Schwierigkeiten jeder einzelnen Gruppe und zeigte zudem sehr deutlich die Komplexität des Problems auf.
Lebensstile ändern!
Die Ergebnisse wurden im Anschluss präsentiert und als Startpunkt für eine weiterführende Diskussion im Plenum genutzt. In Bezug auf die KonsumentInnen erscheint es notwendig, das Bewusstsein gegenüber den weltweiten Krisen nachhaltig zu untermauern. Der/Die Einzelne darf sich nicht länger seiner Pflicht entziehen, als mündige/r KonsumentIn aufzutreten. VerbraucherInnen sollten aktiv Informationen über die Produktion und Herkunft der gekauften Produkte einfordern und das Kaufverhalten dementsprechend anpassen. Neben einer gut überlegten Produktauswahl sollten sich die KonsumentInnen auch von der vorherrschenden Wegwerfgesellschaft distanzieren. Die Politik müsste durch eine neuartige Gesetzgebung die nötigen Informationen für eine höhere Transparenz des Marktes einfordern und so die Voraussetzungen für bessere Kaufentscheidungen der VerbraucherInnen gewährleisten. Die Lebensdauer der Produkte sollte sich mit Hilfe höherer Qualität wieder erhöhen. ProduzentInnen sollten sich frühzeitig auf die bevorstehende Ressourcenknappheit einstellen und auf alternative Energiequellen umsteigen. Der Staat sollte derartige Bemühungen noch umfangreicher subventionieren als bisher.
Im Zuge der Präsentation der Endergebnisse entwickelte sich eine rege Diskussion. Unterschiedliche Erfahrungen wurden ausgetauscht und die Möglichkeiten und Grenzen eines raschen Wandels der heutigen Gesellschaft aufgezeigt. Es zeigte sich weiters, dass diese Veränderung unweigerlich auch mit persönlichem Verzicht einhergeht. Letztlich wurde auch innerhalb dieser kleinen und vermeintlich homogenen Gruppe von verantwortungsbewussten und aufgeschlossenen WeltbürgerInnen eine große Scheu gegenüber dieser angesprochenen Veränderung und den damit verbundenen Abstrichen im Konsumverhalten und dem derzeitigen Lebensstil deutlich.
Der Autor ist Student der Universität Innsbruck.