„Nachhaltiger Tourismus“ was steckt dahinter?

Die Menschen reisen seit eh und je und hinterlassen dabei so manche Spuren. Vor allem der Massentourismus greift stark in die Umwelt ein. Die Begriffe Reisen und Nachhaltigkeit müssen sich jedoch nicht gegenseitig ausschließen: Nachhaltiger Tourismus ist auf dem Vormarsch. Reisen bildet, sagt der Volksmund. Und es erweitert den Horizont, mag so manche/r vielleicht hinzufügen. Seit den 1960er Jahren gehört die Reiseindustrie zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsbereichen. Bereits in den 1970ern wurden durch die starke Zunahme des Tourismus in bis dahin wenig erschlossene Regionen die ökologischen, kulturellen und sozialen Folgen deutlich. Dass die Natur dem Bau von Hotels weichen muss und traditionelle Lebensweisen aufgrund des Vordringens einer alles verschlingenden westlichen Zivilisation verschwinden, sind nur zwei von vielen Folgen. Dies führte den damaligen kenianischen Tourismusminister zu der Feststellung, man wolle zwar Tourismus, aber keine TouristInnen.

Doch was kann getan werden, um Tourismus tragbarer für die Bevölkerung und ihre Kultur und für die ohnehin schon belastete Umwelt zu machen?

Nachhaltiges Reisen

Vor allem in den 1980er Jahren begann man sich mit der Frage nach einem tragbaren Tourismus auseinanderzusetzen. Die erste Antwort bestand in der Propagierung einer „Strategie des angepassten Tourismus'“. Der Ferntourismus in Länder der Dritten Welt sollte in sozial- und umweltverträglichere Bahnen gelenkt und die Reisenden im Voraus besser vorbereitet werden.

Die Verknüpfung mit dem Begriff Nachhaltigkeit erfolgte in den 1990er Jahren. Die Vorstellung eines „nachhaltigen Tourismus“ brachte einen bedeutenden Perspektivenwechsel mit neuen Ideen und viel versprechenden Ansätzen hervor, wie beispielsweise das Konzept des „Community Based Tourism“ und das des „Green Tourism“. Ersteres fasste sich als Ziel, die Mitsprache der Bereisten zu stärken, während Letzteres sich darauf konzentrierte, ökologische Aspekte in den Vordergrund touristischer Entwicklungsperspektiven zu rücken.

In der Vorstellung eines nachhaltigen Tourismus spielt das Prinzip der ökologischen Tragfähigkeit eine bedeutende Rolle. Ziel ist es, möglichst geringen Druck auf die Umwelt auszuüben, eine Schädigung der Biodiversität zu vermeiden und das allgemeine Umweltbewusstsein zu fördern. Doch wie kann man diese Ziele umsetzen? Und wie lassen sich Menschen für einen nachhaltigen Tourismus begeistern?

Ein grüner Lebensstil als Chance für den Tourismus

Im Rahmen der Ferienmesse Wien im Jänner 2008 wurden auf dem Kongress „Green Life Herausforderungen und Chancen für den Tourismus“ Beispiele für einen nachhaltigen Tourismus präsentiert. Außerdem beschäftigten sich einige Vortragende mit der Etablierung eines nachhaltigen Lebensstils in der Gesellschaft.

Karl-Michael Brunner, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, stellte fest, dass viele Lebensstile generell mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit vereinbar seien. Auch wenn Menschen von unterschiedlichen Motiven geleitet würden, in Situationen ökologisch zu handeln, so würden die meisten Lebensstile Nachhaltigkeit zumindest nicht vollkommen ausschließen. Während einige Menschen Wert auf traditionelle Natürlichkeit und Naturbelassenheit legten und sich aus diesem Grund für nachhaltigen Urlaub in den Bergen und für Bio-Lebensmittel begeistern ließen, wollten andere sich selbst verwirklichen und auf einen kritischen und ökologischen Konsum achten. Besonders die bürgerliche Mitte konstituiere sich, so Brunner, neu um das Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. Das gesellschaftliche Klima sei bereit für nachhaltige Angebote und deren Vermarktung. Brunner machte deutlich, dass es nicht nur einen nachhaltigen Lebensstil gebe. Vielmehr würden sich verschiedene Möglichkeiten bieten, um einen nachhaltigen Tourismus „schmackhaft“ zu machen. Dieser Wandel geschehe jedoch nicht von selbst. Er müsste von Politik und Wirtschaft gestaltet werden und Konsumenten bräuchten Richtlinien, nach denen sie die Umweltverträglichkeit von TourismusanbieterInnen beurteilen könnten.

Richtlinien und Handlungsmöglichkeiten

Gegenwärtig gibt es noch nicht viele Möglichkeiten für Reisende, AnbieterInnen zu prüfen. Doch Bewegung in diese Richtung findet statt: Die Fairtrade Labelling Organisations International (FLO) untersuchen derzeit zusammen mit NGOs, ob ein Fairtrade-Zertifikat für Tourismus machbar ist. Kleine und mittlere Unternehmen, die sich im „Forum anders reisen“ zusammenfinden, wollen stattdessen über standardisierte Nachhaltigkeitsberichte Transparenz in die sozialen Hintergründe des Reisens bringen.

Ein anderes Thema im Zusammenhang mit Reisen und Umwelt sind durch den Flugverkehr erzeugte Emissionen. Hugo Kimber vom International Institute for Environment and Development (IIED) schlägt vor, ein Zertifizierungssystem für Flugreisen einzuführen, um Flugverkehrsemissionen standardisiert erfassen zu können. Derzeit würden die verschiedenen Statistiken die KonsumentInnen eher verwirren.

Doch selbst wenn es noch kein Zertifizierungssystem gibt, kann heute sicherlich kaum ein/e Reisende/r mehr vorschützen, sich der Probleme nicht bewusst zu sein oder nichts dagegen tun zu können. Die Begriffe „Emissionen“ und „Klimawandel“ sind in aller Munde und trotzdem sind Flugverkehrsemissionen nicht zuletzt aufgrund der Begeisterung für den Ferntourismus eher im Steigen als im Sinken. Ganz auf das Fliegen zu verzichten wäre natürlich die umwelt-freundlichste Lösung. Das Umsteigen auf den Zug ist zumindest bei kürzeren Strecken eine gute Option. Doch selbst wenn man fliegt, gibt es Handlungsmöglichkeiten. Da das Verhältnis zwischen Gewicht und CO2-Emissionen laut Kimber gut nachgewiesen sei, bestehe ein schneller Weg der Emissionsreduzierung in der Senkung des Fluggepäckgewichts. Auch Direktflüge zu buchen und Fluglinien zu bevorzugen, die besser ausgebucht sind als andere, leiste einen kleinen Beitrag.

Im Bereich Tourismus kann also jede/r einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Und es ist wichtig, selbst zu überdenken, welche Tourismusangebote tatsächlich nachhaltig sind und welche sich lediglich mit dem Modewort „Nachhaltigkeit“ schmücken. Denn auch in der Tourismusbranche gilt: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“


Quellen

Herbert Baumhackl / Gabriele Habinger / Franz Kolland/ Kurt Luger (Hg.) (2006): Tourismus in der Dritten Welt. Zur Diskussion einer Entwicklungsperspektive. Wien.

Karl-Michael Brunner (17.01.2008): „Green Lifestyle ein Lebensstil mit vielen Gesichtern“. Vortrag beim Kongress im Rahmen der Ferienmesse Wien „Green Lifestyle Herausforderungen und Chancen für den Tourismus“, Kongresszentrum Wien/ Saal Lerhar 1.

Tourism Watch (2008): Flugverkehrsemissionen auf einfache Weise reduzieren.

Die Autorin ist Studentin der Internationalen Entwicklung.

Veröffentlicht in Entwicklungspolitik.