Der Autor analysiert die Hintergründe der derzeitigen Lebensmittel- und Energiekrisen und beschreibt Lösungsansätze.
Der Ölpreis erreicht beinahe täglich neue Rekorde, im Augenblick befindet er sich bei ungefähr 120 Dollar das Fass. Der Preisindex für Nahrungsmittel der Food and Agricultural Organization (FAO) (1998-2000 = 100) lag 2006 im Durchschnitt bei 127, 2007 bei 157 und kletterte im März 2008 auf 220. Niemals gab es in Friedenszeiten einen solch gewaltigen inflationären Druck ausgehend von der Verteuerung der Basisgüter. Das ist die große Neuheit dieser doppelten Krise, die auf dieselben Ursachen zurückgeführt wird: Die Reduktion der Armut in vielen peripheren Ländern, wie China, Indien und Brasilien (neben anderen), welche die Nachfrage nach auf Rohöl basierenden Produkten und "edlen Nahrungsmitteln Fleisch und Milchprodukten, deren Produktion mehr menschliche Arbeitskraft, Energie und nicht erneuerbare natürliche Ressourcen wie Land und Wasser benötigt – stark in die Höhe trieb.
Der Anstieg der Öl- und Nahrungsmittelpreise sollte eine Erweiterung ihrer Produktion mit sich bringen, da ihre Verteuerung diese lukrativer werden lässt. Stattdessen stößt sich die Erhöhung der Nahrungsproduktion an der Verfügbarkeit von Land und Wasser, die beide durch die von LandwirtInnen verwendeten chemischen Stoffe verschmutzt und damit begrenzt sind. Das Gleiche gilt für die Erweiterung der Ölproduktion, die von zur Verfügung stehenden Reserven begrenzt wird. Wir werden heute mit einem Szenarium konfrontiert, das Celso Furtado schon 1974 in seinem Buch Der Mythos Entwicklung vorhergesehen hat. Er behauptete damals, es wäre ein Mythos darauf zu warten, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Länder der Dritten Welt es ihnen erlauben würde, den Lebensstandard der Länder der Ersten Welt zu erreichen, da es dafür nicht genügend natürliche Ressourcen gebe.
Über 30 Jahre sind seither vergangen und was damals als übertriebene malthusianische Furcht erschien, ist nun – vor allem seit die globale Erwärmung mit ihren schädlichen Auswirkungen für die natürlichen Ressourcen bewiesen ist – allgemeiner Konsens. Die neue Mittelklasse in den so genannten Schwellenländern hat nun das nötige Geld um den Lebensstandard ihrer Gleichgestellten in der Ersten Welt zu erreichen. Diese Veränderung wäre wünschenswert, wenn sie nicht solch ungünstige Auswirkungen auf die große Masse von weiterhin bestehenden Armen hätte. Die Verteuerung von Nahrungsmitteln, verursacht durch die steigende Nachfrage der ehemals Armen, treibt diejenigen, die bereits den größten Teil ihres Einkommens für die Ernährung ihrer Familie ausgeben müssen, noch weiter in die Armut. Das Getreide, das ihnen den Bauch füllen würde, wird jetzt meist den Tieren verfüttert, mit denen immer attraktivere Preise erzielt werden.
Das Funktionieren des weltweiten Nahrungsmittelmarktes erzeugt auf "natürliche" Weise diese perversen Auswirkungen. Hungerunruhen tauchen in immer mehr Ländern auf und laut der FAO gibt es in 37 Ländern, davon 21 afrikanischen, eine Nahrungsmittelkrise. Durch die Verzweiflung der Hungernden veranlasst, beschränken immer mehr Regierungen (inklusive der brasilianischen) den Export von Grundnahrungsmitteln um die Versorgung des internen Marktes zu garantieren. Dies verschlimmert natürlich die Situation der Armen in Ländern, die von importierten Nahrungsmitteln abhängig sind.
Die UNO, alarmiert durch den Ernst der Lage, fordert die reicheren Nationen auf Ressourcen abzugeben, damit sich der Hunger nicht auf der ganzen Welt ausbreitet, was nicht nur den Kampf gegen die Armut, sondern auch den Weltfrieden gefährden würde. Regierungen sollten Notmaßnahmen setzen um die minimale Nahrungsmittelversorgung aller zu garantieren. Zum Beispiel die Verstaatlichung der Nahrungsmittelvorräte damit vermieden wird, dass sie von Reicheren aufgekauft werden, um private Vorräte aufzubauen, und die Rationierung des Verkaufs, mit Preisen die auch die Ärmsten bezahlen können; eventuell eine verstärkte Besteuerung von Tierprodukten um die vermehrte Herstellung von pflanzlichen Nahrungsmitteln, welche unersetzlich für die Ernährung der Bevölkerung ist, zu ermöglichen; ebenso wie die Besteuerung von auf Rohöl basierenden Produkten um den individuellen Transport zu reduzieren und den kollektiven zu fördern.
Die Nahrungs- und Energiekrise könnte vielleicht mit derartigen Maßnahmen eingedämmt werden, aber ihre Lösung bedarf tiefgreifenderer Veränderungen. Das Konsumverhalten müsste sich an die tatsächliche Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen anpassen und diese sollte durch mehr Investitionen in sozial als auch ökologisch nachhaltige landwirtschaftliche Produktion ausgeweitet werden. Die Energiekrise und der Klimawandel müssten durch die Entwicklung von erneuerbaren Quellen sauberer Energie gelöst werden das ist der einzige Weg, den Gasemissionen fossiler Brennstoffverbrennung ein Ende zu setzen. Die Nahrungskrise sollte auf jeden Fall weiterhin die Produktion von Agrotreibstoffen einschränken, sodass der Entwicklung von anderen Energiequellen Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft Priorität eingeräumt wird.
All das sind Manifestationen einer größeren ökologischen Krise, deren Überwindung Veränderungen in der Ökonomie, in der wissenschaftlichen Produktion und in politischen Institutionen fordern wird. In der Ökonomie sollten die Preis- und Steuersysteme Verhaltensweisen hervorrufen, die die knappen natürlichen Ressourcen schützen und diejenigen, die sie konsumieren oder zerstören davon abhalten. Die Informatik kann im Bereich der Wissenschaft und der Wissensproduktion dazu verhelfen beinahe alle Menschen von klein auf daran teilhaben zu lassen, ohne dass sie sich ausschließlich damit beschäftigen müssten. Dies würde den Wissensschatz für ProduzentInnen und KonsumentInnen enorm vergrößern. Bezüglich der politischen Institutionalisierung sollte die weltweite Verbreitung der Demokratie eine aktuelle Tendenz die Informatik zu einem Instrument machen um der Mehrheit der BürgerInnen den Zugang zu direkter Partizipation bei öffentlichen Angelegenheiten zu ermöglichen. Diese Veränderungen passieren bereits. Sie sollten allerdings beschleunigt werden, um die ökologische Krise zu überwinden.
Aus dem Portugiesischen übersetzt von Simone Grosser.