
Ein Viertel Jahrhundert für Menschen zwar jung, für wissenschaftliche Journale jedoch ein beträchtliches Alter. In diesem Sinne wurde am 16. April 2010 in der Bibliothek des C3 feierlich auf das 25-jährige Jubiläum des Journals für Entwicklungspolitik (JEP) angestoßen.
Etablierung der Entwicklungsforschung innerhalb Österreichs
Das JEP kann mittlerweile auf ein 25-jähriges Bestehen zurück blicken. Zu diesem Anlass gibt es eine Jubiläumsausgabe der ganz besonderen Art, bei der vormalige und aktuelle Mitglieder der Redaktion und des Board of Editors ihre Tätigkeiten im Feld der Entwicklungsforschung in Form von Exposés vorstellen. Die diversen Beiträge sollen das heterogene und multiparadigmatische Feld der Entwicklungsforschung widerspiegeln.
Dieses Jubiläumsheft wurde im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt. Die Begrüßung übernahm Franz Kolland, Professor am Institut für Soziologie der Universität Wien und längstdienendes Redaktionsmitglied des JEP. In seiner Begrüßungsrede ging Franz Kolland kurz auf die Geschichte des JEP ein. Durch die Gründung das JEP im Jahre 1984 bekam der drei Jahre zuvor ins Leben gerufene Mattersburger Kreis für Entwicklungspolitik an den österreichischen Hochschulen eine Form und Möglichkeit der Institutionalisierung. Das JEP stellte daher einen bedeutsamen Meilenstein auf dem langwierigen Weg der Etablierung der Entwicklungsforschung innerhalb der österreichischen Wissenschaftslandschaft dar.

Franz Kolland
Kolland erläuterte, dass das grundlegende Ziel des JEP darin bestanden habe, Tendenzen innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungstheorien auf wissenschaftlichem Niveau zu diskutieren. Entwicklungspolitische Themen sollten so aufbereitet werden, dass diese für „alle“ verständlich wären.
Drei Layouts, drei Perioden?
Walter Schicho, Professor am Institut für Afrikawissenschaften der Universität Wien, reflektierte in seinem Beitrag, den man auch in der Jubiläumsausgabe nachlesen kann, über die 25 Jahre des JEP. Für Schicho stelle das JEP eine Art Barometer der österreichischen Situation im globalen Kontext dar, die sich innerhalb der letzten 25 Jahre beständig verändert habe.
In seiner Periodisierung der Geschichte des JEP nahm Schicho einen Vergleich mit den drei verschiedenen Covers und Layouts vor. In der ersten „weißen Periode“ sei noch eine starke Tendenz zu klassischen Auffassungen in Bezug auf Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit zu erkennen. Die „blaue Periode“ sei von einem stärkeren Schwenk weg von der EZA-Community und dem Österreich-Schwerpunkt hin zu einer stärkeren internationalen Ausrichtung und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Entwicklung geprägt. Mit der „roten Periode“ sei dann der internationale wissenschaftliche Sprung schlussendlich gelungen. In seinem JEP-Beitrag fasst Schicho daher zusammen, dass sich das JEP von einem Journal der „Entwicklungsländerforschung“ über eine „entwicklungspolitische Forschung“ zur Entwicklungsforschung entwickelt habe.

Kunnibert Raffer und Walter Schicho
Kunnibert Raffer, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien, teilte in seinem RednerInnenbeitrag Schichos Meinung der 3-Teilung nicht. Für ihn habe das JEP immer schon eine Entwicklungsforschung verfolgt und eine internationale Ausrichtung aufgewiesen. In diesem Zusammenhang verwies er auf Andre Gunder Franks Beitrag in der „weißen Periode“ (JEP 3/1987).
Andreas Novy, Professor am Institut für Regional- und Umweltwirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien, ergänzte Schichos Ausführungen, indem er näher auf den Bereich der Entwicklungsforschung einging. Angesichts der verschiedenen derzeitigen Umbrüche wie jener der globalen Finanzkrise oder des internationalen Machtgewinns Chinas, Brasiliens usw. sei die Entwicklungsforschung endlich dort angekommen, wo sie hin solle. In anderen Worten, sie sei von ihrer wissenschaftlichen Randrolle in das Zentrum gerückt. Jetzt stelle sich aber die Frage, ob die Internationale Entwicklung nun die „Disziplin für alles“ sei, da ihr Bereich sehr schwer abgrenzbar sei.

Andreas Novy
Für Novy habe das JEP aufgrund seiner ADA-Finanzierung auch einen Bildungsauftrag. In Bezug auf Schichos Bezeichnung des JEP als „distanziert kritisch“ merkte Novy an, dass sich das JEP seiner Meinung nach von einem solchen „distanziert kritischen“ zu einem „engagiert kritischen Journal“ entwickeln sollte.
Durch Novys Beitrag wurde deutlich, wie das JEP auch immer wieder von dem Drang nach neuen Zielen innerhalb der Entwicklungsforschung geleitet wird.
Helmuth Hartmeyer, Abteilungsleiter der Abteilung Entwicklungspolitische Kommunikation und Bildung in der Austrian Development Agency, bezog sich in diesem Zusammenhang auf Schichos Verweis auf Goethes Faust in dessen zweitem Beitrag im Jubiläumsheft. Dabei geht es um Fausts Erkenntnis, trotz verschiedener Wissensaneignung doch immer wieder am Anfang zu stehen. Einen solchen Zugang erachtet Hartmeyer in Bezug auf das JEP als positiv. Das JEP sei für ihn daher eine zentrale Quelle für die Verfolgung entwicklungspolitischer Paradigmenwechsel.
Ein Hoch der Innen-Architektur des JEP
Das JEP stellt mittlerweile eines der führenden wissenschaftlichen Journale im deutschsprachigen entwicklungspolitischen Bereich dar. In diesem Sinne gelten beim JEP auch internationale Standards wie z.B. peer reviews im double-blind Verfahren, sprich Artikel werden ohne Kenntnis der AutorInnen bewertet. Die Realisierung des JEP wäre jedoch ohne das Engagement vieler nicht möglich.

Karin Fischer
Aus diesem Grund lenkte Karin Fischer, Assistentin an der Abteilung für Politik- und Entwicklungsforschung am Institut für Soziologie der Johannes Kepler Universität Wien und Obfrau des Mattersburger Kreises, den Blick bei der Jubiläumsfeier auf die „Innen-Architektur“ und damit auf die vielen Menschen, die teils entgeltlich, jedoch meist unentgeltlich das JEP am Leben erhalten. Besondere Würdigung ging vor allem an Bettina Köhler, die derzeit das Management des Journals innehat.
Dass es sich beim JEP jedoch keineswegs um ein „altes“ Journal handelt, das wird an der großen Anzahl junger Forschenden und Mitarbeitenden des JEP deutlich. Laut Fischer seien junge Forschende eher an theoretischen Ansätzen interessiert, was für das JEP eine stärkere Einbindung in internationale Theorieproduktion im Bereich der Entwicklungsforschung bedeutet.
Nach dieser positiven Rückschau auf die vergangen 25 Jahre des JEP und den optimistischen Ausblicken in Bezug auf dessen weitere Entwicklung wurde dann noch mit Wein und Kuchen gefeiert.
Alle Fotos von Inge Grau.
Die Autorin studiert Internationale Entwicklung und Politikwissenschaften und ist Praktikantin im Paulo Freire Zentrum.
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