Mittwoch, 15.November 2023, 17.00 Uhr
Universität Wien, Institut für Bildungswissenschaft, Sensengasse 3/2, Hörsaal 1.
In Kooperation mit dem Institut für Bildungswissenschaft.
Lecture in English language without translation.
Das pädagogische Werk Paulo Freires beschäftigt sich vor allem mit kultureller Bildung und Volksbildung, und richtet den Fokus dabei insbesondere auf Jugendliche und Erwachsene. Der Bildungsphilosoph und Freire-Biograph Walter Kohan betont jedoch Freires Interesse an allen Arten von Bildungsprozessen und fordert, dem Thema Kindheit bei der Auseinandersetzung mit seinem Denken mehr Beachtung zu schenken.
Denn Kindheit ist für Freire, so Kohan, nicht nur eine Entwicklungsstufe im menschlichen Leben. Kindheit bedeutet für ihn Offenheit und Sensibilität gegenüber Neugierde, Träumen und Veränderung, welche auch im Alter nicht verloren gehen sollten. So bezeichnete Freire die nicaraguanische Revolution 1979 als eine Revolution, die sich im Stadium der Kindheit befand. Das ist durchaus als großes Kompliment und nicht als Mangel zu verstehen: Er schätzte den revolutionären Prozess in Nicaragua aufgrund der Kreativität, des Wunsches zu wachsen und der Freude am Stellen von Fragen, die immanent mit ihm verbunden waren. Das Zusammendenken von Bildung und sozialer Veränderung ist eines der großen Themen im Werk Paulo Freires, das für Walter Kohan durch die Einbeziehung der transformativen Kraft des inneren Kindes in jedem*r von uns neue Dynamik erhält. Denn Kindheit ist eine Möglichkeit, aus der alles werden kann.
Das Titelbild ist ein Ausschnitt aus dem Cover des Buches „Paulo Freire: um menino de 100 anos“ von Walter Kohan, das Bezug nimmt auf die große Neugierde und die Offenheit gegenüber den Anfängen, die Paulo Freire ausmachten und ihm im Alter von 68 Jahren den Titel „ewiges Kind“ (bambino permanente) einbrachten.